Zither-Rock Weihnachtsspecial

Zither-Rock Weihnachtsspecial

Der Zither-Manä in der Weyhalla. Foto: Monika Ziegler

Konzert in Weyarn

Zither-Manä und Weihnachtskonzert? Singt er etwa „Süßer die Glocken nie klingen“? Nein, tut er nicht, er singt Kraudn Sepp und Blues und Balladen, wie immer, gottlob, aber er hat auch, wie immer, tiefgründige Texte dabei, auch zum bevorstehenden Fest.

Es geht schon valentinesk los, genau 20.32 Uhr hat er mit dem Girgl von der Weyhalla ausgemacht und dann begrüßt das Urgestein der bayerischen Kleinkunstszene die zahlreichen Gäste im Weyarner Rockcafé mit „Herzlich willkommen in der Kantn“. Ein wenig Reminiszenz und Trauer über den abgerissenen Kultort der Rockmusik in Neuhaus, wo der Manä öfter konzertierte. Dann aber galt sein großes Lob dem Girgl, der nach dem Umzug nach Weyarn hier wieder die Musikszene etablierte. „So etwas gibt es sonst kaum.“ Applaus für den Wirt, der hier schon bekannten aber auch Nachwuchsmusikern ein Podium bietet.

In diesem Jahr wurde der Zither-Manä, der vor 37 Jahren den Zither-Rock erfand, 70 Jahre alt. Auf der „Blauen Couch“ im Waitziner Keller erzählte er aus seinem Leben. Einiges gab er auch zu seinem letzten Konzert in diesem Jubiläumsjahr zum Besten, so, dass er in der Schule den ersten Taschenrechner verwalten durfte, der 950 Mark gekostet hatte. Viel habe sich verändert in den Jahren, damals seien die großen politischen Parteien noch super getrennt gewesen in links und rechts, heute seien sie alle ein bisserl rechts. Und so kam es gleich knüppeldick im Gstanzerl, dass es egal sei, ob man schwarz oder rot wähle, das unterscheide sich nur in Elend oder Not.

Zither-Rock Weihnachtsspecial
In der Pause gehen die CDs weg wie warme Semmeln. Foto: Monika Ziegler

In seiner Hommage an sein großes Vorbild, den Kraudn Sepp, der sich nie verspielt habe, der unverkrampft aber sauber die Zither beherrscht habe, spielte der Manä die traurige Geschichte vom Trischberger Andreas, der 21jährig hinterrücks vom Jager erschossen wurde. Und schon wechselte er zu seinem Markenzeichen, dem Zither-Rock, dessen Pate Chuck Berry war, der Farbige, der zum eigenen Konzert nicht hineingelassen wurde. Und natürlich stieg der Manä auf Stuhl und Tisch wie eh und je und verkündete: „Rockmusik ist Musik des Teufels, aber geil.“

Knallhart wechselte der Musiker und Liedermacher die Genres. Gerade noch Rock, jetzt kritische Ballade, Mahnmal für alle kritischen Journalisten und insbesondere im Gedenken an die ermordete russische Journalistin Anna Politkowskaja.

Zither-Rock Weihnachtsspecial
Sorgfältig wird die Zither, bewacht vom Zwergerl, zwischendurch abgedeckt. Foto: Monika Ziegler

Weihnachtliche Texte brachte der Manä von verschiedenen Autoren mit, besinnlich, wie der von der Herbergssuche von Max Kagerer, der mahnt: „Mach auf dei Tür“, denn auch heute gebe es Menschen ohne Herberge. Oder heiter, wie von Fritz Fenzl, der sich dem leidigen Thema „Denken und Schenken“ widmet oder ziemlich schräg, wie der Text von Harald Grill, der konstatiert, Weihnachten ist dann, wenn der Vater das Bier aus dem Glas trinkt.

Die Fans im Publikum jubeln, wenn der Manä seine bekannten Stücke wie „Come on in my kitchen“ von Robert Johnson“ oder „Shine on you crazy diamond“ von Pink Floyd spielt. Ein Genuss, immer wieder. Und sie singen „Coole Zeid“ mit, in dem in neun Strophen heitere Gesellschaftssatire betrieben wird. Und sie klatschen mit, wenn der Manä Zither Zither sein lässt und seinen Blues an der Harp bläst.

Zither-Rock Weihnachtsspecial
Der Manä an der Blues-Harp. Foto: Monika Ziegler

Schon wird es wieder ernst, sehr ernst, denn er singt „Guten Morgen Amerika, wie geht’s dir?“ Dieses Lied habe er für George W. Bush geschrieben, „aber ich habe ja nicht geahnt, dass das Niveau noch weiter in den Keller sinken kann, jetzt sind Wahnsinnige an der Macht.“ Mit dem aufrüttelnden Antikriegslied „Waltzing Mathilda“ verband er die Frage: „Wie erklären wir das unseren Kindern, dass Deutschland Waffenexporteur Nummer drei weltweit ist?“

Der Adventsblues, ein Auftragswerk des Bayerischen Rundfunks, darf im Weihnachtsspecial nicht fehlen, in dem er karikiert „O du fröhliche im Oktober, und Stille Nacht im November“ und vorschlägt, zu Weihnachten doch Zeit zu verschenken. Zeit, wie damals in den 68ern, als sie Vorlesungen schwänzten und an der Isar saßen, Sonne, Wasser und Stille genossen.

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Der Manä ist auch ein ernsthafter Liedermacher. Foto: Monika Ziegler

Mit einem stillen Lied, das er seinem großen Vorbild Dieter Hildebrand widmet, verabschiedet sich der Zither-Manä von seinen Fans: „Die Gedanken sind frei“ und kann doch nicht gehen, es werden natürlich Zugaben gefordert.

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