
Ein Raum voller Sehnsucht
Herzliche Begrüßung von Thomas Jarzina und Susanne Zieglgänsberger Foto: Corinna Schneider
Ausstellung in Bad Wiessee
Die Ausstellung, die derzeit in Bad Wiessee zu sehen ist, birgt einen besonderen Zauber. Sie markiert das Ende des Grünen Raums, eines überaus erfolgreichen Ausstellungsformats – und zugleich einen Anfang: die erste öffentliche Präsentation der Werke des 2024 verstorbenen Walter Zieglgänsberger.
Walter Zieglgänsberger war Arzt, Wissenschaftler und einer der Begründer der modernen Schmerz- und Suchtforschung. Viele Jahre wirkte er am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, seine bahnbrechenden Erkenntnisse wurden unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse gewürdigt. Die Malerei begleitete ihn zwar über längere Zeit, doch der Großteil der rund 100 erhaltenen Werke entstand erst in seinen letzten Lebensjahren.
Walter Zieglgänsberger: Malen ohne Publikum
An Öffentlichkeit dachte er dabei nie. Er habe im Keller des gemeinsamen Hauses gemalt, erzählt seine Frau Susanne Zieglgänsberger bei der Vernissage. Über seine Bilder sprach er kaum – weder über die Wahl der Acrylfarben noch über Motive oder Absichten. Titel gab es ebenfalls nicht. Entscheidend war allein der Akt des Malens. Ein Ansatz von bemerkenswerter Freiheit in einer Zeit, in der Sichtbarkeit und Selbstvermarktung für Kunstschaffende oft unverzichtbar geworden sind.

Freude an der Kreation Foto: Corinna Schneider
Dass die im Verborgenen entstandenen Arbeiten nun ihren Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben, ist nicht zuletzt dem Engagement seines Umfelds zu verdanken. Auf Drängen von Freunden entschied sich Susanne Zieglgänsberger zur Veröffentlichung. Über die Haushamer Künstlerin Sibylle Guttenberg erfuhr sie vom Grünen Raum und wandte sich an den Fotokünstler Thomas Jarzina. Dieser übernahm Auswahl, Organisation und schließlich auch die Einführung in die Ausstellung – mit augenzwinkernder Selbstironie. Ganz im Sinne des Künstlers verzichtete er dabei bewusst auf Deutungen und überließ die Interpretation dem Betrachter.

Bilder brauchen keine Titel Foto: Corinna Schneider
Freiheit ohne Deutung
Und doch stellen sich Fragen: Gibt es ein verbindendes Motiv hinter den schwarzen Flecken auf Weiß? Erzählen die farbintensiven Blumen von Stimmungen oder Zuständen? Die stilistische Vielfalt, die Unmittelbarkeit und Intensität der Arbeiten spiegeln eine künstlerische Freiheit – und wecken Sehnsucht danach.
Was bleibt
Sehnsucht war auch das Leitmotiv des Grünen Raums seit September 2023. Insgesamt 24 Künstlerinnen und Künstler füllten die kleine Galerie mit Leben – eine Galerie, die stets mehr war als ein Ausstellungsort. Mit der Installation von Klaus-Peter Frank etwa verwandelte sie sich in einen Raum der Renaissance, bei der Vernissage des Kuhmistmalers Werner Härtl wurde sie zur Bühne eines Konzerts, den Drehbuchautoren Robert Krause und Elena Hell bot sie Raum für eine Klappstuhllesung. Jeder einzelne Beitrag der 24 Künstler hätte es verdient, hier noch einmal gewürdigt zu werden, alle können zumindest im Online Magazin nachgelesen werden.

Das war Sehnsucht im grünen Raum 2023 – 2026 Foto: Carsten Gerhard
Was bleibt, sind die Erinnerungen an Begegnungen – mit Kunstwerken und mit Menschen. Was bleibt, ist die Dankbarkeit gegenüber dem Kulturmanager Carsten Gerhard, der diesen Raum Kulturvision e.V. unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat, und gegenüber allen, die dieses Format getragen haben.
Und was bleibt, ist die Sehnsucht: nach künstlerischem Ausdruck, nach Austausch, nach Räumen wie dem Grünen Raum, in denen beides möglich ist.