Verbrannte Literatur

Miesbach liest aus den „verbrannten Büchern“

Die Schauspielerin Claudia Btodzinska-Behrend. Foto: Isabella Krobisch

Eine Aktion zum Gedenken an die Bücherverbrennung 1993

Der 10. Mai 1933 markiert einen dunklen Tag in der Literaturgeschichte. Viele Bücher wurden im Zuge der Kampagne „Wider dem undeutschen Geist“ durch das NS-Regime dem Feuer übergeben mit der Intention sie aus dem Gedächtnis, der Gesellschaft und aus der Kultur für immer zu entfernen – es gelang ihnen aber nicht!

Verbrannte Literatur von damals hören

Heute, 89 Jahre später, ist die verbrannte Literatur von damals schon lange wieder vollständig in unserem Literaturkanon eingezogen und genießt bei den Kindern wie auch bei den Erwachsenen große Beliebtheit. Aus einem Teil dieser Bücher, die mittlerweile überwiegend zu Klassikern aufgestiegen sind, wurde jetzt am 10. Mai an öffentlichen Plätzen in Miesbach vorgelesen.


Verbrannte Literatur wurde in Miesbach gelesen. Foto: Isabella Krobisch

Am Kulturzentrum Waitzinger Keller, vor dem Rathaus, am Markplatz und vor der evangelischen Apostelkirche gaben Freiwillige den Zuhörern einen kurzen Einblick in ihre zuvor ausgewählte Lektüre. Auch die Schauspielerin Claudia Brodzinska-Behrend hat sich dem Gedenktag angeschlossen und Gedichte von Bert Brecht und Kurt Tucholsky vorgetragen.

verbrannte Literatur
Integrationsbeauftragte Inge Jooß initiierte die Aktion. Foto: Amelie Knaus

Inge Jooß, die Initiatorin der Aktion und Integrationsbeauftragte der Stadt Miesbach, hat den Teilnehmern eine Auswahl an Büchern im Vorfeld zusammengestellt. Die Vorauswahl sei gar nicht so leicht gewesen, berichtet Inge Jooß, denn viele Autoren, deren Bücher 1933 verbrannt worden sind, seien noch urheberrechtlich geschützt und dürften nicht einfach öffentlich vorgetragen werden, erklärt sie außerdem.

Verbrannte Literatur
Auch die Autorin des Beitrages Amelie Knaus vom Kulturamt der Stadt Miesbach beteiligte sich an der Lesung. Foto: Isabella Krobisch

Gemeinfrei waren dafür unter anderem Klaus Manns Roman „Kind dieser Zeit“, Hans Falladas Roman „Jeder stirbt für sich alleine“ oder Erich Kästners Roman „Die Konferenz der Tiere“.

Das Aktuelle in den alten Texten

Das Resümee der Vorlesenden war eindeutig: „Die Auseinandersetzung mit der ‚verbotenen‘ Literatur der NS-Zeit hat uns die Möglichkeit gegeben, sich wieder den Büchern zu widmen und diese unter dem Aspekt der damaligen Zeit zu lesen.“ Unter anderem sei aufgefallen, wie schön und auch aktuell die Texte und Werke der Schriftsteller immer noch seien, meinte eine Gruppe Vorlesender am Vorplatz der evangelischen Apostelkirche in Miesbach.

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