Mord im Oberbräusaal

Ein idealer Platz für ein Firmenjubiläum: Der Holzkirchner Oberbräusaal. Jeder Gast wird wortreich persönlich und herzlich vom Firmenchef Ernst Fock, seiner Frau Helen und der Tochter Florina willkommen geheißen, an seinen Platz geleitet. Es folgt die langweilige Rede über den Erfolg der Seifenfabrik Fopa.

Aber dann stutzt der Gast, denn er erfährt, was Kultur ist. Sie wissen es nicht? Kultur ist Sauberkeit. Was ist es, was den kulturvollen Menschen vom Barbaren unterscheidet? Er wäscht sich nach dem Krieg die Hände. Am besten in Unschuld.

Und so heißt auch die neue Seife, die der ungeladene Schwiegersohn Marcel (Bernd Schmid), in Scheidung vom zauberhaften Töchterchen Florina (Sabine Engewicht) lebend, dem Firmenchef Ernst Fock (Alfred Jaschke) präsentiert: Innocencia, die Unschuld. Und dann beginnt das Familiendrama, das die verwirrte Helen (Agnes Kraus) durch das Absingen von Liedern beschwichtigen will und in dem die holländische Cousine Sylvie (Josepha Läuger) eine tragende Rolle spielt.

Der schöne Marcel wird ermordet und die Vorspeise wird aufgetragen. Krimidinner ist angesagt. Tobias Öller schrieb das mordlustige Stück „Seifenoper“, von Christiane Ahlhelm inszeniert, Bühnenbild Sybille Kobus, und kulinarisch mit einem viergängigen Menü umrahmt. Nicht ganz einfach, ein Stück inmitten der Gäste, auf der Bühne, auf der Empore, in den Nischen, einfach überall und mittendrin zu inszenieren. Aber das Experiment ist gelungen. Die Gäste, leider nicht so viele wie erwartet, erfreuten sich am spannenden und intelligenten Stück und am lustvollen und gekonnten Agieren der Schauspieler.

Denn nicht nur die vierköpfige, unter Mordverdacht stehende Familie Fock, sondern auch Kommissarin Ambrosia (Cathrin Paul), die gerade von einer „Zauberflöten“ – Aufführung in großer Abendrobe am Mordschauplatz erscheint und Wachtmeister Strillinger (Detlef Dauer) überzeugen in ihren darstellerischen Leistungen. Ach ja, und als Gerichtsmediziner Denkenstein steht auch Bernd Schmid von der Bahre wieder auf, nicht mehr ganz so schön wie als Marcel in seinen zu kurz geratenen Hosen.

Eine Burschenschaft ist im Spiel, ein korrupter Polizeipräsident, da gibt es Drogen, Geldwaschanlagen und organisierte Kriminalität, aber wer den schönen Marcel umgebracht hat, das wird nicht verraten.
Schließlich gibt es das Krimidinner heute Abend und am 27.4. und am 28.4. jeweils um 19.30 Uhr noch einmal.

Und nach der Vorspeise werden Suppe, Hauptgericht und Nachspeise serviert. Köstlich, so hieß es. Genossen werden die Speisen gemeinsam, denn die Darsteller sitzen inmitten des Publikums, prosten diesem auch immer wieder freundlich zu, eine besondere Art von Theater. Und keine Angst: Sie müssen nicht mitspielen. Nur zwei Träger für die Leiche werden aus dem Publikum akquiriert.

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