
Kultur als Standortfaktor
Ist Kultur ein Standortfaktor? Eine Infobroschüre gab Anlass zu einer Nachfrage beim Kulturpodium von Kulturvision. Foto/Screenshot: Andreas Wolkenstein
Zur Rolle der Kultur für die regionale Wirtschaft
Beim Podiumsgespräch von KulturVision Ende Januar diskutierten die Teilnehmenden auch über die Bedeutung von Kultur als Wirtschafts- und Standortfaktor. Anlass war die Frage eines Bürgers, ob die Regionalentwicklung Oberland (REO), ein Unternehmen des Landkreises, genug für die Kultur tue. Ist die Anfrage berechtigt?
Lob von Besuchern
Isabella Krobisch ist sich sicher: „Wenn die Gäste von unserem Kulturangebot wüssten, würden sie ihren Urlaub danach richten.“ Die Leiterin des Waitzinger Kellers in Miesbach ist verantwortlich für eines der beiden großen Kulturhäuser im Landkreis – und kennt die wirtschaftliche Situation der Kulturbranche. Sie erhalte oftmals Rückmeldungen von Besuchern, die das kulturelle Angebot lobten. Das betreffe nicht nur die Urlauber, die sich hier für einige Zeit einbuchen, sondern auch die Tagestouristen. „Der Münchner sieht dann, was es hier gibt, und fährt eigens zu den Veranstaltungen.“ Doch das sehe er aktuell noch nicht im ausreichenden Maße, urteilt Isabella Krobisch – ein Problem, dessen Lösung aus ihrer Sicht Aufgabe der Regionalentwicklung Oberland (REO) ist.
Tourismus ohne Kultur?
REO ist ein Kommunalunternehmen, das dem Landkreis Miesbach gehört. Es hat den Auftrag, „an der Schnittstelle von Wirtschaft und Tourismus“ zu arbeiten und „verschiedene Themenfelder vernetzt, aufeinander abgestimmt und interdisziplinär“ zu bearbeiten, wie es auf der Homepage der REO heißt. Durch Marken wie etwa „Alpenregion Tegernsee Schliersee“ fördert die REO Wirtschaft und Tourismus im Landkreis Miesbach. Dass dabei Kultur keine Rolle spielt, wurde beim Kulturpodium von Kulturvision Ende Januar kritisiert. Eine vorab eingereichte Frage bezog sich dabei auf die Infobroschüre „Echt Wichtig. Der Wirtschaftsfaktor Tourismus in der Alpenregion Tegernsee Schliersee“, in der die vielen Kulturveranstaltungen im Landkreis als Werbefaktor für die Region nicht vorkämen. Lediglich mit Bergen, Kulinarik und Tradition werde geworben, so wurde in der Eingabe argumentiert.
Überlegungen, aber keine Projekte
Die Broschüre ist nicht von der REO selbst entwickelt worden, berichtet Alexander Schmid, Vorstandsvorsitzender der REO. Urheber sei vielmehr der Verein Tourismus Oberbayern-München (TOM). Alexander Schmid teilt aber auf Nachfrage die Einschätzung, dass Kultur ein wichtiger Standortfaktor sei. Um dies zeigen zu können, bedürfe man indes einer soliden Zahlenbasis. „Ohne Zahlen wäre das sonst Raten“, hält Alexander Schmid fest. Solche zu erheben könne er sich gut vorstellen, verrät der REO-Vorstand. „Auf dieser Grundlage kann man dann eine gezieltere Vermarktung der Kultur im Landkreis angehen“, so Alexander Schmid weiter. Konkrete Projekte gebe es zwar noch nicht, doch man habe durchaus Überlegungen dazu, Optionen gebe es mehrere, betont er. So etwas gehe auch nicht von heute auf morgen, ergänzt der Regionalentwickler.

Veronika Leo (links) und Isabella Krobisch sehen das kulturelle Angebot im Landkreis Miesbach als wichtigen Wirtschafts- und Standortfaktor. Foto: Monika Ziegler
Kultur als Standortfaktor
Den Zusammenhang von Tourismus und Kultur hat auch Veronika Leo im Blick. Die Co-Geschäftsführerin des KULTUR im Oberbräu in Holzkirchen unterscheidet zwischen Touristen, die eigens wegen des kulturellen Angebots in den Landkreis kämen und solchen, die im Urlaub auf ein Kulturangebot treffen. Während es von ersteren eher weniger gebe, seien aus Sicht von Veronika Leo vor allem zweitere anzusprechen. „Die Leute sind viel offener im Urlaub und freuen sich über ein zusätzliches Angebot, etwa im Bereich Theater, Kabarett oder Musik“, erklärt die Kulturmanagerin. Man dürfe den Standortfaktor Kultur daher nicht vergessen und solle auch die Wertschöpfungskette im Blick behalten, meint Veronika Leo. „Die Leute kommen vielleicht zum Skifahren her, gehen dann aber abends ins Theater und danach Essen.“
Andere Hebel in Bewegung setzen
Kultur hat für viele Personen nicht nur einen ökonomischen, sondern auch einen sozialen Wert. Das betonten die Politiker auf dem Kulturpodium von KulturVision. Das betonen aber auch Kulturmanager wie Veronika Leo. „Kultur dient dem sozialen Austausch und ist Nahrung für die Seele“, hält die Geschäftsführerin des KULTUR im Oberbräu fest. Auch gerade deshalb sei es wichtig, bei der Wirtschaftsförderung im Landkreis auch an Kultur zu denken. Daneben hält sie die Institutionalisierung der Kulturförderung für bedeutungsvoll: „Eine hauptamtliche Stelle kann ganz andere Hebel in Bewegung setzen als es Menschen im Ehrenamt tun können.“ Sie verlangt zudem eine klare Aussage von den Politikern: „Wenn man Kultur möchte, muss man auch ganz dahinter stehen.“ Zwar sei die Diskussion um die Bedeutung von Kultur schon alt, doch gerade jetzt tue sich etwas im Landkreis. Ihre Hoffnung sei, dass „aus dem kleinen Flämmchen jetzt ein Leuchtfeuer“ wird.