Reboot – das Land braucht einen Neustart

Reboot

Peter Felixberger und Robert Jacobi im Salon Cafe Luitpold. Foto: Cafe Luitpold

Neuerscheinung auf dem Buchmarkt

Robert Jacobi hat mit seinem Buch „Reboot – Der Code für eine widerstandsfähige Wirtschaft, Politik und Gesellschaft“ eine pragmatische Handlungsempfehlung für die Zukunft vorgelegt. Im Salon Cafe Luitpold diskutierte er mit Peter Felixberger von Murmann Publishers und dem virtuellen Publikum.

Das Format im Salon Luitpold folgte bereits einem der drei Schwerpunkte, die Robert Jacobi für einen Neuanfang vorschlägt, der Beteiligung oder Partizipation der Menschen. Schon im Vorfeld waren die Teilnehmenden gebeten worden, Fragen zu formulieren und auch während des Gesprächs wurde immer wieder aufgefordert, Stellung zu beziehen. Die Antworten wurden dann eingeblendet und der Autor gab seine Auffassung dazu ab.

Reboot
Geschäftsführer Stephan Meier begrüßt das virtuelle Publikum. Foto: Cafe Luitpold

Reboot sei als Leitmetapher für das Buch zu verstehen, das in der Coronazeit entstand, aber die Zeit danach in den Fokus nimmt, erklärte Peter Felixberger von Murmann Publishers. Drei Faktoren also sind es, die Robert Jacobi als den Code für eine zukunftsfähige Welt sieht: Digitalisierung als Mittel zum Zweck, Gerechtigkeit und Partizipation. „Ich will die Leute aufrütteln“, sagte der Autor, man müsse aus der Lähmung der Wohlstandsjahre herauskommen.

Annalena Baerbock mit höchstem Rebootfaktor

Der Termin war ideal, denn gerade hatte sich das Trio für die Kanzlerkandidatur fixiert und Peter Felixberger fragte: „Wer hat den höchsten Rebootfaktor?“ Klare Antwort: „Annalena Baerbock verkörpert mit Abstand am besten diejenige, die das Land aus der Schockstarre herausführen kann.“ Sie habe eine andere Denkweise als der Mainstream und die beiden anderen Kandidaten mit juristischem Hintergrund. Robert Jacobi, der aus einer Miesbacher Juristenfamilie stammt, meinte, er dürfe das sagen, dass Juristen sich streng an Regeln und Rahmenbedingungen halten, es jetzt aber darauf ankomme, Neues auszuprobieren.

Robert Jacobi
Robert Jacobi. Foto: Cafe Luitpold

Und dabei müsse man die Menschen mitnehmen. „Sie lechzen danach, sich in der Gesellschaft einzubringen.“ Jetzt endlich nach 20 Jahren Stillstand sei man im 21. Jahrhundert angekommen. „Neue Leute braucht das Land“, forderte der Autor und man müsse aufpassen, dass aufgrund der unterschwelligen Unzufriedenheit keine Polarisierung passiere. „Jetzt werden die Weichen gestellt.“

Stetig lernende Gesellschaft

Auf die Frage, ob auch durch Generationenkonflikt eine Spaltung der Gesellschaft erfolge, räumte Robert Jacobi ein, dass die moderne Technologie durchaus einen Unterschied bewirke, dem müsse eine stetig lernende Gesellschaft entgegenwirken.

Drei Fragen hatte Peter Felixberger für Publikum und Robert Jacobi vorbereitet:

Was läuft noch gut? Was läuft gar nicht? Was kann repariert werden? Infrastruktur, Stromversorgung, Solidarprinzip, Ehrenamt und medizinische Versorgung, das waren die Antworten, mit denen auch der Autor teilweise übereinstimmte. Es laufe noch viel erstaunlich gut, meinte er und das sei auf die stabile Vergangenheit zurückzuführen. Das Gesundheitssystem indes funktioniere zwar, sei aber ungerecht und ökonomisch unrentabel.

Die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden, die alle betreffen, das laufe gar nicht gut, stellte Robert Jacobi fest. Zuhörer nannten hier Medien, Energiewende, Schulen, Kultur und Einzelhandel. Der Autor und Journalist entgegnete, dass die Medien durchaus ein positives System seien, aber man aus der Personifizierung herauskommen müsse und wichtige Sendungen nicht um Mitternacht anbieten dürfe. Und er stimmte zu: „Soloselbständige aus Kultur und Gastronomie sind die Verlierer der Pandemie.“

Sozialkapitalismus als neues Modell

Repariert könne alles werden, schrieb ein Teilnehmer und Robert Jacobi schlug einen Systemwechsel zu einer Art Sozialkapitalismus vor, wobei jeder das Recht auf Bildung und Zugang zu Ressourcen habe.

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Peter Felixberger und Robert Jacobi. Foto: Cafe Luitpold

In der künftigen Arbeitswelt müsse es mehr Wertschätzung und Bezahlung für Berufe wie Pflege und ähnliches geben. Die Frage nach Homeoffice oder nicht sei eine privilegierte Diskussion, denn drei Viertel aller Menschen hätten diese Wahl gar nicht. Was die Bürotätigkeit anbelange, müsse jeder frei entscheiden können, wie lange und wo er arbeitet. Homeoffice aber bedeute ein emotionales Abseits.

„Wir leben in einem Kastensystem“

Dem bedingungslosen Grundeinkommen erteilt Robert Jacobi eine Absage, aber er betont: „Wir leben von dem, was wir wissen und können.“ Bildung sei der Schlüssel, aber hier herrsche massive Ungerechtigkeit. „Wir leben in einem Kastensystem und die Durchlässigkeit zwischen den Schichten ist minimal.“

Er plädierte dafür, dass Vermögen, das nicht im produktiven Einsatz sei, besteuert werde und fragte: „Wie viele Künstler könnte man unterstützen, wenn Reiche etwas abgeben?“

Einladung

Im Buch „Reboot“ behandle Robert Jacobi noch weitere Themen, wie Mobilität, Energie, Gesundheit, führte Peter Felixberger aus. Dabei falle auf, dass der Autor ein Denker der neuen Mitte sei, ohne zu polarisieren. Er vertrete sowohl die Utopie als auch Konservatismus.

Gleichgerichtete Bewegung nötig

„Wir leben in einer Zeit des Pragmatismus“, stellte der Autor und Unternehmer fest. Er sei Realist und spreche für aktives Handeln. Das Leben sei zunehmend komplex und erfordere, dass man aufeinander zugehe. Immer noch werde zu sehr in Prozessen und Strukturen gedacht, dabei müsse man sich gegenseitig motivieren. „Wir brauchen eine gleichgerichtete Bewegung nicht nur in Unternehmen, sondern auch auf der gesellschaftlichen Ebene“, forderte er.

Robert Jacobi: Reboot – Der Code für eine widerstandsfähige Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, Murmann Publishers, 2021

Zum Weiterlesen: Die neue Sehnsucht nach Authentizität

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