Pfingsten und Heiliger Geist: überholt oder zeitlos?

Heiliger Geist

Pfingsten und Heiliger Geist. Foto: pixabay

Kolumne zu Pfingsten

Während die anderen christlichen Hauptfeste nicht mit Blut und Drama geizen, ist Pfingsten weit weniger spektakulär ritualisiert. Vielleicht nimmt es daher neben den großen Geschwistern Weihnachten und Ostern heute eher eine Nebenrolle ein?

Oder weil wir es nicht mehr so mit heilig und Geist haben? Und was genau war da eigentlich los damals?

Das Wunder der Verständigung

Hier die Quelle, die Apostelgeschichte der Bibel, Vers 2: “Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab….”

Der Jünger Petrus spricht zur Menge, erklärt das Phänomen als Erfüllung einer alten Weissagung und den auferstanden Jesus als “Christus”, als Gesalbten, als Sohn Gottes. Die Menschen tun Buße, lassen sich taufen und legen damit den Grundstein für die christliche Kirche. Soweit die Bibel…

Heiliger Geist heute?

Während ich mir das so durchlese, kommen mir durchaus reichlich Parallelen zur heutigen Zeit. Versammlungen mit vielen Personen gibt es – Verzeihung, gab es bis vor kurzem – viele. Durchaus mit dem Zweck, die Gesellschaft zu bereichern, verschönern, zu erneuern, zu sprengen, zu organisieren, zu konformisieren, etc. pp. Geredet wurde/wird da auch viel, wie viel aber zugehört oder verstanden?

Eine Bausünde als Wurzel des Kommunikationsproblems?

Als antikes Vorbild für heute drängt sich da eher Babel und die Verwirrung der Sprachen auf. Kurzfassung: als Strafe für zu hohes Bauen verwirrte Gott die vormals einheitliche Sprache der Menschen.

Heiliger Geist Buntglasfenster
Buntglasfenster Pfingsten. Foto: pixabay

Nach mindestens 2000 Jahren erbarmte er sich ihrer und schenkte ihnen mit Pfingsten diesen grandiosen Moment des Allverstehens und Allsprechens.

Und wieder 2000 Jahre später schenkte er ihnen den Google translator. Es bleibt dem geschätzten Leser überlassen, ob das eine Evolution oder wieder Rache Gottes ist… Obwohl: viele der Übersetzungen haben echten Unterhaltungswert!

Barrierefreie Kommunikation

Jetzt mal im Ernst: der Gedanke ist doch eigentlich immer noch bestechend, alle Sprachen verstehen und sprechen zu können! Ich meine hier nicht nur das akustische Verstehen, mehr das zuhörende und verstehende Verstehen. Ich stelle mir nicht nur das EU-Parlament vor ohne sprachliche Barriere und Exklusiv – Rhetorik: würde man sich dann wieder auf die Inhalte konzentrieren? Auf das Gegenüber als Mensch? Auf die Sache, die bestmögliche Lösung?

Heiliger Geist Kommunikation
Kommunikation am Arbeitsplatz. Foto: pixabay

Wann ist die Sprache hinübergewechselt vom Verbindenden zum Trennenden, Differenzierenden, vom Instrument zur Waffe? Und wäre jetzt nicht ein guter Zeitpunkt, ihr ihren eigentlichen Platz wieder einzuräumen, verbal abzurüsten? Meines Erachtens müssen wir die Kommunikation wieder beim Wort nehmen bei unserer Gestaltung der Zukunft: K.O.mmunikation oder Ko-mmunikation? Wir haben die Wahl…

Tut Buße und lasst euch taufen

Das war Petrus Herangehensweise für die Gründung der Kirchengemeinschaft. Wie sähe das heute aus? Verkauf deinen SUV, lebe vegetarisch, geh wählen, aber das Richtige?

Was wäre “Buße” für mich? Für dich? Früher war das einfacher… Heute heißt das für mich, mich selbst auseinanderzusetzen mit meinen Gedanken, Worten und Werken (diese Reihenfolge nehme ich immer sehr ernst!) und sie im Hinblick auf die neue erstrebenswerte Gemeinschaft anzupassen, upzudaten sozusagen. Und sicher auch, etwas “abzulegen”, was überholt und/oder schädlich ist. Freiheit kann so anstrengend sein…

Heiliger Geist
Heiliger Geist als Taube. Foto: pixabay

Die Taufe ist auch heute noch das Sinnbild für Abwaschen des Alten, von Schuld, Läutern, Reinigen. Und eine Zueignung und Widmung an Neues, Höheres. Ist doch auch heute noch ein schönes Ritual, in unserer Zeit der Auto-Religion (hier ist nicht der PKW gemeint, mehr der Selbstbezug…), oder?

Die Umkehr der Instrumente oder wie sähe Heiliger Geist heute aus?

Die Zeit für eine neue Art des Zusammenlebens (siehe unser Beitrag zur Gemeinwohlökonomie) wäre durchaus überreif. Ist die Sehnsucht, die Vision schon so stark, dass sie diesen Geist entzündet, den Zeitgeist, der jedem Anfang innewohnt, und der Brennstoff ist für neue, ungegangene Wege? Und der sich unbeirrbar Bahn bricht und der uns den nötigen Schwellenmut verleiht…

Lesetipp: Christian Felber und die Visionen der Zukunft

Was wäre, wenn wir heute den Prozess umkehrten und die Sprache zur Entwirrung des Geistes verwendeten? Und mit einer integren, authentischen, achtsamen Kommunikation begännen: wäre dann Pfingsten?

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