Yes, Schell can!

Marie Theres Relin (links) und Michael Halberstadt, gemeinsam singend. Foto: Isabella Krobisch

Lesung und Ausstellungseröffnung im Waitzinger Keller Miesbach

Zum Auftakt der Ausstellung „Yes, we Schell!“ las Marie Theres Relin im Miesbacher Kulturzentrum, dem Waitzinger Keller, aus ihrem gleichnamigen neuen Buch. Begleitet vom Musiker Michael Halberstadt, gewährte die Tochter von Maria Schell interessante Einblicke in das bewegte Leben ihrer Mutter – und zugleich in ihr eigenes. Fazit: Yes, Schell can! Die Familie Schell kann auch heute noch faszinieren.

Zum 100. Geburtstag

Zu dieser Lesung waren explizit Senioren eingeladen – und sie kamen auch zahlreich. Mit dem Buch soll an Marie Theres Relins berühmte Mutter erinnert werden, die vor allem der Nachkriegsgeneration als international erfolgreicher Filmstar im Gedächtnis geblieben ist. Maria Schell hätte am 15. Januar 2026 ihren 100. Geburtstag gefeiert.

Von allen Seiten betrachtet

Marie Theres Relin lässt in dem Buch auch ihre Mutter zu Wort kommen, hält mit ihr Zwiegespräche, gibt die Worte ihres Vaters, Schauspieler und Regisseur Veit Relin, über Maria Schell preis. Aus allen Kategorien war etwas zu hören – über die frühen Jahre ihrer Mutter, ihre Filmkarriere, die Begegnungen im Showbusiness, die deutsche Klatschpresse, ihr Leben im Alter. Marie Theres Relin schreibt dabei in bildhafter Sprache und mit vielen Referenzen über das Leben ihrer Mutter – quirlig, mitreißend und faszinierend. Und sie war als Tochter mittendrin. Für sie waren Begegnungen mit den Prominenten jener Zeit Alltag, obwohl ihr Lebensmittelpunkt das Elternhaus in der Nähe des eher beschaulichen Wasserburg am Inn war.


Cover des neuen Buches von Marie Theres Relin. Foto: Kerstin Brandes

Nicht immer eitel Sonnenschein

Maria Schell wird portraitiert als die gefeierte Schauspielerin, die Mutter, die immer Liebe-suchende, die Zwiegespaltene. Die Kapitelüberschriften verleiten zunächst zum Schmunzeln, wie zum Beispiel „Eine Frau ist nie untreu, wenn sie glücklich ist oder wenn sie Begegnungen mit den aufregendsten Männern der Welt hat“. Etwas später im Buch ändern sich die Titel. Sie lassen eine nicht immer heile Welt mit inneren Kämpfen, Druck von außen und seelischem Schmerz erahnen.

Wer Marie Theres Relins Leben betrachtet, sieht, dass auch bei ihr nicht immer alles eitel Sonnenschein war. Auch sie musste ihre Kämpfe ausfechten und macht das nach wie vor. Als eine Frau sagt sie Frauen: Ja, wir sollten! Gleichberechtigt leben, mitbestimmen, nicht reduziert werden, in keine Schublade gesteckt werden – das propagiert sie unermüdlich. Auch in ihrem Buch lässt sie dies nicht außen vor und beleuchtet das Leben ihrer Mutter unter diesen Aspekten.

Lestipp: Yes, we Schell!

Keine Sternchen, sondern Stars

Gefühlt kannte Maria Schell alle Stars. Sie drehte Filme mit den deutschen Schauspielgrößen der Nachkriegszeit wie Dieter Borsche, O.W. Fischer und Curd Jürgens. Im Buch beschreiben die Tochter als auch die Mutter ihre Begegnungen – und mitunter Freundschaften – zu Herbert von Karajan, Leonard Bernstein, Ernest Hemingway, Jean Marais, Elisabeth Taylor, Yul Brynner, Walt Disney, Glenn Ford, Gary Cooper oder auch David Bowie und Mick Jagger, um nur einige zu nennen. Durch Maria Schell bekam die noch junge Bundesrepublik etwas vom Glamour Hollywoods ab.

Leise Töne

Bei dem „Gespräch zwischen Mutter und Tochter“ kommen leise Töne auf. Es war ein Zwiegespräch gegen Mitternacht im Jahr 2004. Die bereits durch Krankheit gezeichnete Mutter ließ die Tochter an ihren Gefühlen teilhaben. Maria Schell sprach von Tod und Einsamkeit. Ein intimer, berührender Moment im Buch. Doch auch wenn sie von Tod und Einsamkeit sprach, so waren ihre Gedanken hell und sie war ganz bei sich.

Marie Theres Relin schlüpfte während der Lesung in die beiden Rollen und gab einen Einblick in ihr schauspielerisches Talent. Neben der Optik ist es vor allem die Stimme, die eine frappierende Ähnlichkeit zu der ihrer Mutter hat. Wenn sie etwas tiefer spricht, meint man Maria Schell zu hören. Dieses Timbre ist unverwechselbar. Parallel zum Buch hat Marie Theres Relin eine Hörbuchfassung aufgenommen, der man, auch durch diese besondere Klangfarbe, fasziniert lauscht.

In diesem Kapitel kam auch eine weitere Intention des Buches heraus. Der Titel ist Programm: Ja, wir sollten! Neben dem Erinnern sei für Marie Theres Relin auch die Kommunikation zu Lebzeiten wichtig – Verbindungen pflegen, sich besuchen, einander erzählen und zuhören.


Marie Theres Relin beim Signieren ihres Buches. Foto: Kerstin Brandes

Musikalische Begleitung

Die Lesung wurde vom Musiker Michael Halberstadt begleitet. Mit seiner Gitarre untermalte er stimmungsvoll die Lesung zwischen den einzelnen Kapiteln. Er sang dabei von Leben und Tod, von Liebe und Schmerz. Mal mehr, mal weniger bekannte Lieder. Zwischendurch stimmte Marie Theres Relin mit ein und somit sangen sie im Duett das ein oder andere Stück gemeinsam. Einige Stücke entstammen der dem Hörbuch beigefügten CD mit bekannten Tränenliedern von Maria Schell und Veit Relin.

Ein süßes Andenken

Am Anschluss an die Lesung bedankte sich Marie Theres Relin ausdrücklich bei Karin Priller vom Sozialamt der Stadt Miesbach. Sie verteilte am Ausgang an jeden Besucher eine Tafel der „Maria-Schell-Schokolade“. Eine nette und großzügige Geste. Der Konditormeister Eberhard Schell aus Gundelsheim fertigt diese und hat auf Initiative von Marie Theres Relin auch eine „Maria-Schell-Praline“ kreiert. Eberhard Schell ist kein Verwandter, aber mit Maria Schell emotional verbunden: Er und seine Frau hatten ihr erstes Date im Kino – bei einem Film mit Maria Schell.


Foto links: Karin Priller vom Sozialamt Miesbach und die „Maria-Schell-Schokolade“; Foto rechts: Marie Theres Relin (links) und Lisa Meyerhofer. Fotos: Isabella Krobisch

Zur Ausstellung

Ein weiterer Dank galt Lisa Meyerhofer, vom Kulturzentrum Waitzinger Keller. Sie hat die Ausstellung kuratiert und lässt die Besucher in der Vergangenheit schwelgen. Zu Beginn der Ausstellung ist ein Tisch zu sehen, auf dem ein vermeintlich altes Wählscheibentelefon steht. An dieser Hörstation kann man einigen Kapiteln des Hörbuches lauschen.


Per Telefon zum Hörbuch. Foto: Kerstin Brandes

Der Treppe entlang beginnen die Bilder von Stationen aus Maria Schells Leben und füllen das Foyer im ersten Obergeschoss. Viele Fotografien stammen aus ihren Kindheitstagen und zeigen auch ihre Mutter, ihre Großmutter und ihre Geschwister Maximilian, Carl und Immy. Auf einigen Aufnahmen ist sie als blutjunge Schauspielerin zu sehen. Hinzu kommen Bilder aus ihrer Hochzeit als Aktrice. Und immer wieder sind Familienfotos aus dem privaten Archiv zu sehen. Ein bewegtes Leben, das ganze Spektrum – eingefangen in Fotografien, die berühren.

Die Ausstellung ist bis 18. April 2026 im Kulturzentrum Waitzinger Keller in Miesbach zu sehen. Sie ist von Montag bis Freitag von 09.00 Uhr bis 13.00 Uhr und donnerstags auch von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr sowie bei Saalveranstaltungen geöffnet

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