
Wiederbelebung der Gotzinger Ortsmitte
Das restaurierte Luitpold-Denkmal im Garten der „Gotzinger Trommel“. Foto: Günther Lautenbacher
Festveranstaltung in Gotzing
Es ist nicht das erste Mal, dass der Heimatforscher Sepp Hatzl aus Bruck (Gemeinde Weyarn) ein fast vergessenes Denkmal zu neuem Leben erweckt hat. Diesmal ist es das Luitpold-Denkmal im Garten der Traditionswirtschaft „Gotzinger Trommel“ am Taubenberg. Pünktlich zum 125-jährigen Bestehen wurde es nun frisch restauriert der Öffentlichkeit präsentiert.
Erster Schritt: Wiederentdeckung
Das Luitpold-Denkmal, bestehend aus Brunnen und Linde, beschäftigt Sepp Hatzl schon seit einigen Jahren. Der von Pflanzen überwucherte unscheinbare Ort im Garten der „Gotzinger Trommel“ war kaum mehr in seiner ursprünglichen Form zu erkennen und die Inschrift der dazugehörigen Tafel nicht mehr lesbar. Nur dass es ein Denkmal zu Ehren des Prinzregenten Luitpold (1821-1912) war, das war den Einheimischen bekannt. Sepp Hatzl wollte herausfinden, was es damit auf sich hatte.

Das überwucherte Denkmal im hundertjährigen Dornröschenschlaf. Foto: AK Marterl
In Absprache mit den Grundeigentümern, den Stadtwerken München (SWM), legte Hatzl zunächst die komplette Anlage rund um die Linde frei. Sichtbar wurde ein stark angegriffenes Brunnenbecken, zu einem Berg aufgeschichtete Tuffsteine und eine Gedenktafel. Nur durch einen Trick, indem er die einzelnen Kerben der Buchstaben auf dem verwitterten Stein mit einem Stift nachzeichnete, gelang es Hatzl, die Inschrift zu entziffern. Jetzt wusste er, dass es sich um ein Denkmal für Prinzregent Luitpold anlässlich von dessen 80. Geburtstag am 12. März 1901 handelte.
Zweiter Schritt: Erforschung und Dokumentation
Aus diesen ersten Erkenntnissen entstanden weitere Fragen: Was hatte es mit dem Denkmal auf sich? Warum stand es genau an dieser Stelle? War der Prinzregent vielleicht sogar selbst einmal in Gotzing gewesen? Die Recherchen gestalteten sich schwierig. Erst ein Zufallsfund im „General-Anzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten“ lieferte Antworten auf die zentralen Fragen. In dem Bericht „Noch eine Jubelfeier“ in der Ausgabe vom 25. März 1901 war zunächst von den zahlreichen Festveranstaltungen im ganzen Königreich zu Ehren des 80. Geburtstags des Prinzregenten die Rede. Dann wurde nicht ganz ohne Ironie und einer Spur von großstädtischer Überheblichkeit beschrieben, „wie eine solche Veranstaltung unter ganz kleinen Verhältnissen inmitten einer ziemlich einsam liegenden Dorfgemeinde vor sich gegangen ist“. Gemeint war Gotzing, das sogar als „Münchner Stadtgebiet, in den Vorbergen“ tituliert wurde, zumal „nur noch wenige bäuerliche Anwesen auf dem Taubenberge existieren, die nicht Eigenthum der Stadt München sind“. Doch den Gotzinger Bauern ging es damit gut, so der Schreiber weiter, sodass auch die kleine Dorfgemeinde aus Dankbarkeit und Verehrung für den sich volksnah und bescheiden gebenden Prinzregenten eine würdevolle Feier zu dessen Jubelfest ausrichtete. Der geeignete Ort war schnell gefunden: Das Wirtshaus, „an dem Ortsangehörige und Passanten sicher verkehren“, und in dem damals noch die originale „Gotzinger Trommel“ als „Reliquie“ aus der Sendlinger Mordweihnacht 1705 aufbewahrt wurde.
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Ein „Festdinner“
Das in Gotzing damals errichtete Denkmal bestand aus einer Linde, die der städtische Förster persönlich ausgesucht hatte, sowie einem Brunnen, der die Bedeutung des Wassers im Taubenberggebiet versinnbildlichte. Der dahinter aus Tuffsteinen aufgeschichtete Hügel sollte die Begeisterung Luitpolds für Natur und Berge symbolisieren. Nur für die Feierstunde im März 1901 war zudem eine Luitpold-Büste neben dem Denkmal platziert worden, die anschließend wieder nach München zurücktransportiert wurde. Bei den Feierlichkeiten waren Honoratioren aus der Residenzstadt sowie weitere städtische Beamte, die teilweise mit ihren Familien auf den „städtischen Kolonialsitzen“ am Taubenberg lebten, anwesend. Der Prinzregent selber war nicht zugegen und es gibt auch keinen Hinweis, dass er jemals in Gotzing gewesen ist. Nachdem der Kooperator aus Neukirchen die Segnung der Linde vorgenommen und die Festgesellschaft schließlich das Hoch auf den Prinzregenten ausgebracht hatte, ging man zum gemütlichen Teil im Festlokal über. Während sich die jungen Burschen mit Bier, Brezen und „Loabln“ versorgten, genossen die übrigen Gäste ein reichhaltiges „Festdinner“ mit erlesenen Speisen und Getränken. Der Obermüller Zitherclub spielte mit zwei Schlagzithern und einer Streichzither auf.
Dritter Schritt: Restaurierung und Sichtbarmachung
Nachdem die Geschichte des Denkmals damit zu einem Gutteil erforscht war, konnte es in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt werden. Hier gelang es Sepp Hatzl, der unter anderem Sprecher des AK Marterl sowie erster Vorsitzender des Fördervereins Kultur & Geschichte in der Gemeinde Weyarn ist, nicht nur seine Heimatgemeinde einzubinden, sondern auch die SWM sowie die Brauerei Graf Arco Valley. Sie finanzierten die handwerklichen Arbeiten der Firma Holzmair aus Oberlaindern und die Gravur der neuen Tafel durch den Bildhauer TOBEL aus Valley.

Freudige Gesichter über die gelungene Restaurierung (von links nach rechts): Felix Nix (SWM), Sepp Hatzl, Weyarns erster Bürgermeister Leonhard Wöhr, Andreas Forstner (Graf Arco Brauerei), Dominik Pospiech (SWM). Foto: Günther Lautenbacher
Traditionswirtschaft
Schließlich ging es darum, das frisch restaurierte Denkmal wieder sichtbar zu machen. Eine günstige Gelegenheit, so Hatzl, bot das 125-jährige Jubiläum von Linde und Brunnen. Das sahen auch die zukünftigen Wirtsleute der „Gotzinger Trommel“, Maria und Fabian Diem, so. Trotz der aktuellen Umbauarbeiten, die eine Nutzung von Küche und Gaststube noch nicht erlauben, machten sie mit. Rund 80 Personen kamen zur Festveranstaltung und ließen sich von Sepp Hatzl die Bedeutung des Denkmals als Ort der Erinnerung und Begegnung erläutern. Im anschließenden Grußwort dankte Erster Bürgermeister Leonhard Wöhr den Beteiligten für ihr Engagement und freute sich, dass die Feier Auftakt der stufenweisen Eröffnung der Traditionswirtschaft am Taubenberg sei. Nicht nur die Wirtsleute und ihre Gäste sowie die örtlichen Vereine würden sich darüber freuen, sondern auch er selbst. Immerhin hätten die Vorfahren seiner Frau einmal das Wirtshaus betrieben.

Sepp Hatzl bei der Eröffnungsrede. Foto: Günther Lautenbacher
Neues Leben in Gotzing
Es war eine gemütliche Feier und auch das Wetter war den Tüchtigen gewogen. Die Gäste unterhielten sich ausgiebig, genossen die musikalische Begleitung der Mangfall-Musi und ließen sich von den freundlichen Wirtsleuten mit Speis und Trank versorgen. Die Stimmung war gut, auch als die angekündigte Schlechtwetterfront heraufzog: In der Ortsmitte von Gotzing regt sich wieder neues Leben – gute Aussichten für die Menschen am Taubenberg und die Sommerfrischler aus der Stadt.