Wo sich Filmschaffende begegnen

Kurzfilmabend

Begegnung und Vernetzung ist der Wunsch von Tom Modlinger, hier mit Kathrin Reidl und deren Schwester. Foto: Karin Modlinger

Kurzfilmabend in Holzkirchen

Zur Wintersonnwende, dem kürzesten Tag des Jahres lässt sich Tom Modlinger etwas Besonderes einfallen. Der Betreiber des FoolsKinos lädt Nachwuchsfilmschaffende zum Kurzfilmabend ein. Aber ehe es losgeht müssen sich die Zuschauer im voll besetzten Kinosaal zuerst anhören, wie man sich im Kino benimmt.

Der Film „Attention for cinema“ gibt wichtige Ratschläge auf nicht ganz ernst zu nehmende Art. So, dass man die Nase in die Popcorn-Tüte stecken möge, wenn es zu Sauerstoffmangel im Kino kommt. An die Nachbarn Taschentücher bei Herschmerzfilmen zu verteilen ist indes sehr mitfühlend und dass man nicht bei witzigen Filmen trinken sollte ist im Interesse der davor Sitzenden durchaus zu empfehlen.

Es ist nie zu spät sein Leben zu ändern

Ernst allerdings und mit Botschaft kam der erste „echte“ Film von Kathrin Reindl „Felix felicis“ daher. Die Studienarbeit der Drehbuchautorin und Regisseurin von der Filmhochschule Ansbach zeigt das ziemlich langweilige Leben einer jungen Frau im Versicherungsbusiness, der aber immer wieder ein Felix dazwischen springt, der sie an ihre wilde, freie unabhängige Zeit erinnert. Im Gespräch mit der Filmemacherin erzählt sie, dass dieser Felix aus ihrer Sicht verstorben ist, aber eine Botschaft vermittelt: Es ist nie zu spät, sein Leben zu ändern, um das Glück zu finden. Und so zieht sie, die Gitarre auf dem Rücken, los.

Kurzfilmabend
„Felix felicis“, das Leben verrinnt.

„Das Interview“ ist ein Film der Filmgruppe der Realschule Holzkirchen unter der Leitung Sebastian Wanningers und versucht das Generationenproblem darzustellen. Zwei junge Mädchen ziehen lustlos ins St. Anna Haus in Holzkirchen, um eine Bewohnerin zu interviewen. Sie spulen ihren Fragenkatalog ab, ohne dass irgendeine Beziehung entsteht.

Zeichnest du auch gern?

Erst als ein Mädchen eine Zeichnung eines Tigers anschaut und sich danach erkundigt, dreht sich die alte Dame zum ersten Mal um und fragt „Zeichnest du auch gern?“ Die kurze Szene aber wird überdeckt von der frustrierenden Tatsache, dass die Tochter der Bewohnerin ihr zum zweiten Mal denselben Elefanten zum Geburtstag geschickt hat.

1. Holzkirchner Kurzfilmtage
Sebastian Wanninger bei dem von ihm organisierten Bayerischen Kurzfilmtag an der Oberland-Realschule. Foto: Petra Kurbjuhn

Lesetipp:

Einen Mantel-und-Degen-Film ist „Cor glaciem“ von Leif E. Eisenberg, den der junge Holzkirchner vor zwei Jahren in der 11. Klasse drehte. Die independent production überzeugte nicht nur vom Inhalt, sondern ebenso von der Technik, denn die winterliche Landschaft, in der sich die dramatischen Liebes- und Duellszenen anspielen, wurden teilweise mit einer Drohne gedreht. Im anschließenden Gespräch erzählten die Filmemacher, welchen Aufwand sie getrieben haben, um die Qualität, die auch Profis überzeugte, so erreichen.

Kurzfilmabend
Das Müllmonster spielt mit dem Müll. Foto: Melanie Kappel und Michael Stiegler

Mit einer Welturaufführung punktete die Mittelschule Holzkirchen, die mit Unterstützung von Dramaturgin Sabine Schreiber den Film „Rocky“ drehten. Hier geht es um Mülltrennung, aber nicht nur. Mit der Unterstützung der ganzen Schule haben die Schülerinnen und Schüler der 5./6. Klasse einen lebendigen Film mit der Frage gedreht: „Warum habt ihr so viel Müll?“
Ein Anliegen von Tom Modlinger, mit diesem Kurzfilmabend Vernetzungen unter den Filmeschaffenden herzustellen, wurde hier realisiert. Als Sabine Schreiber über technische Probleme berichtete, bot spontan Sebastian Wanninger Hilfe an.

Film in Holzkirchen
Jonas Breutel und Kameramann Simon Huber (v.l.) am Set von „PLötzlich Mörder“. Foto: Jonas Breutel

Eine zweite Uraufführung fand mit dem Film von Jonas Breutel „Allein“ statt. Gewalt gegen Obdachlose ist ein aktuelles Thema, das der junge Filmemacher mit der Botschaft „Habt Mut für andere einzustehen“ verknüpfte. Der Protagonist im Film bekommt eine zweite Chance, nachdem er zunächst tatenlos Angriffen zuschaute. Zudem ist der Film ein Zeitdokument, da er auf der alten Fußgängerbrücke in Holzkirchen gedreht wurde.

Lesetipp:

Rache ist süß

Fünf sehenswerten Filmen von Nachwuchsschaffenden hatte Tom Modlinger zwei kurze Streifen etablierter Filmemacher gegenübergestellt, die die eher ernsten Themen auflockerten. Köstlich der niederländische Film mit der Botschaft „Rache ist süß“, der die Nahrungskette von Insekt zu Frosch zu Storch zu Krokodil zu Mensch und zu Insekt symbolisiert. Köstlich auch der Film „Surprise“, der mit der Erwartungshaltung des Menschen spielt.

Am Ende des Abends kam es zu Begegnungen im Foyer, Vernetzungen zwischen Profifilmern im Publikum und den Studierenden, erste Kooperationen wurden vereinbart. Tom Modlinger freute sich, dass sein Konzept aufging.

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