Über Kunst in Unternehmen

Kunst in Unternehmen

Giovanni Segantini „Mittag in den Alpen“. Foto: segantini-film.ch

Lesetipp der Redaktion

Ein leidenschaftliches und fachlich fundiertes Plädoyer für Kunst in Unternehmen haben der Philosoph Christoph Quarch und der Unternehmer Jan Teunen mit „Wo die Seele singt“ verfasst. Um im Wirtschaftsjargon zu sprechen: Das ist eine Win-Win-Situation. Die Ideen sind insbesondere in Krisenzeiten, wo es um Entdeckergeist geht, empfehlenswert.

Das Buch ist groß und mit 318 Seiten gewichtig. Sein Einband ist zartrosa und die Schrift auf dem Einbanddeckel golden. So sieht ein Handbuch oder Ratgeber für die Wirtschaft nicht aus. Auch im Inneren ist es anders gestaltet. Schwarze Schrift wechselt mit pinkfarbener ab, die Seiten zwischen den Kapiteln erscheinen in starker Farbigkeit und enthalten Dichterworte.

Der Leser wird neugierig, wenn er schon in der Einleitung davon liest, dass Menschen in einer bestimmten Umgebung „Ja“ sagen und damit ihrer Schaffenslust und Kreativität Ausdruck verleihen. Warum tun sie das? Weil sie beseelt und von Leidenschaft und Begeisterung erfüllt sind. Die Umgebung, der Raum schafft „eine Art Gewächshaus menschlicher Potenzialentfaltung“.

Weg aus der Krise

Christoph Quarch und Jan Teunen wollen mit ihrem Aufruf für Kunst in Unternehmen einen Weg aus der Krise der Wirtschaft zeigen, einer Krise, die sich im Fehlen von Menschlichkeit äußert. Im Fehlen von Sinn, von Geist, von Schönheit und Poesie. Sei das nur ein Nice-to-have fragen sie, sei nicht Funktionalität, Produktivität, Digitalisierung und Effizienz das einzig wichtige?

Kunst in Unternehmen
„Wo die Seele singt“, mit vielen Einmerkern versehen. Foto: MZ

Nein, auch wenn die Arbeitswelt digital optimiert sei, wenn die Funktionalität steige, nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg werde sich nur dann einstellen, wenn sich die schöpferischen Potenziale der Mitarbeiter voll entfalten können. Und deshalb sei es die Kernaufgabe von Unternehmensführung, die Menschen zu beseelen und zu begeistern.

Ein probates Mittel dazu sei es, Büros und Produktionsräume in lebendige Orte zu verwandeln, Orte der Freude, des Sinns, der Schönheit. Und das gelingt mit Kunst. Es reiche aber nicht, die Wände mit Kunst zu füllen, der Betrachter müsse sich den Kunstwerken auch wissend und emotional nähern. Diese von Friedrich Schiller geforderte “ästhetische Erziehung des Menschen“ indes käme heute im Bildungswesen zugunsten der reinen Wissensvermittlung zu kurz.

Was ist der Mensch?

Das Buch ist in die Kapitel „Mensch“, „Kunst“ und „Unternehmen“ gegliedert. Der Mensch, so beziehen sich die Autoren auf die altindischen Veden, habe die Aufgabe, die ursprüngliche Ordnung, die durch seine Geburt ein wenig durcheinandergekommen ist, wiederherzustellen. Auch für die alten Griechen war die kosmische Ordnung das Vorbild für den Menschen. Dies zu erreichen, nannte Viktor Frankl den „Willen zum Sinn“. Aber der Mensch lebt nicht isoliert, sondern in Beziehungen. Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber drückte es so aus: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Und letztlich ist der Mensch ein mehrdimensionales Wesen, dessen Dimensionen Leib, Ich, Seele und Geist gleichermaßen erblühen und wachsen müssen. Der Weg dahin sei die Begegnung mit der Welt, die die Kunst miteinschließe.

Demokratie
Der Autor Dr. Christoph Quarch beim Philosophischen Tag 2018 in Anderlmühle/Valley. Foto: MZ

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Im zweiten Kapitel beschreiben die Autoren das Wesen von Kunst, das laut der alten Griechen niemals das Werk von Menschen sei, sondern sich allein der Inspiration der Muse verdanke. Allerdings komme in der Kunst nur das zum Vorschein, was schon in der Welt vorhanden, aber unsichtbar sei. Balzac nannte das „verdichtete Natur“. Und damit weitet Kunst den Horizont und stiftet Sinn. Sie nährt Innovationskraft, Fantasie und emotionale Intelligenz der Menschen, begeistert und beflügelt sie. Wird Schönheit wirklich die Welt retten, wie der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski sagte? Provoziert Kunst? Heilt sie?

Unternehmen als Garten

Auf all diese Fragen gibt das Kompendium fundierte Antworten. Es beschreibt aber ebenso das Wesen von Unternehmen. Als Haus, als Schiff und als Garten. Das letzte Bild des Gartens passt gut zur Rückgebundenheit an die Natur ebenso wie an die Offenheit für die Zukunft. Um Lebendigkeit, Blüte, Wachstum und Nachhaltigkeit in diesem Garten zu erwirtschaften, bedarf es, so schreiben die Autoren, der Kunst.
Und warum nun genau tut Kunst Unternehmen gut? Weil sie die Menschen begeistert, Räume der Innovation öffnet, für Anderes und Fremdes sensibilisiert und die Identität des Unternehmens stiftet und bewahrt. Wichtig dabei sei, dass Kunst die kommunikative und integrative Kraft in Unternehmen stärke und die Menschen zusammenbringe.

Die Autoren haben sogar ein praktisches Manual zur Kunstbegegnung erarbeitet. Sie ermuntern Unternehmer, Künstler in das Unternehmen zu holen und stellen im letzten Kapitel Firmen vor, die dies bereits erfolgreich praktizieren.

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Im Landkreis Miesbach trat beispielhaft das Unternehmen Kroha jahrelang als Förderer der Kunst in Erscheinung, hier fanden Ausstellungen zahlreicher Künstler statt und Unternehmer Franz Kroha stattete auch das Foyer und Büroräume mit Kunst aus.

Christoph Quarch, Jan Teunen „Wo die Seele singt – Über Kunst in Unternehmen“, Remedium Verlag, 2019. Aktuelle Angebote zu Vorträgen, Kursen und Publikationen von Christoph Quarch finden Sie auf seiner Webseite.

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