Die Wachau – eine Reise wert

Partnerschaft Dürnstein-Tegernsee. Foto: Petra Kurbjuhn

Kulturreisetipp von KulturVision

Seit tausend Jahren gibt es eine Beziehung zwischen der Wachau und Tegernsee, die 2001 mit einer Partnerschaft der Stadt Tegernsee zu Dürnstein besiegelt wurde. Eine Reise in das Weltkulturerbe Wachau ist aus vielen Gründen empfehlenswert. Machen wir uns auf.

Da wäre also die Geschichte. Während des 11. Jahrhunderts kamen die Kuenringer aus dem bayrisch-sächsischen Raum nach Österreich und erhielten um Eggenburg und Gobelsburg große Gebiete als Reichslehen. Im Dienst des österreichisch babenbergischen Landesfürsten erwarben sie einen Großteil des Waldviertels. Das Kloster Tegernsee in Bayern setzte sie als Vögte über die dem Stift gehörenden Besitzungen in der Wachau ein.

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Burgruine Dürnstein. Foto: Petra Kurbjuhn

Dann ist die Legende um Richard Löwenherz (1157–1199), englischer König und heldenhafter Kreuzfahrer, dem berühmtesten Gefangenen des Mittelalters auf der Burg Dürnstein, zu erwähnen. Die heutige Ruine bietet einen großartigen Ausblick über die Donau, die hier in Dürnstein einen großen Bogen schlägt.

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1000 Jahre alte Beziehung Tegernsee Dürnstein. Foto: Petra Kurbjuhn

Auch vom Stift Dürnstein in der Mitte der Stadt ist das Panorama eindrucksvoll. Zudem bietet das Augustiner Chorherrenstift Herzogenburg Niederösterreich eine neu gestaltete Ausstellung, die einlädt, sich Gedanken zu machen über „das Gute – das Schöne – das Wahre“.

Lesetipp: Drei Tage auf dem Waldviertler Kulturpfad

Womit wir bei der Kultur sind. Und die reicht in der Wachau nicht tausend, sondern 25 000 Jahre zurück. Am 7. August 1908 stieß man bei der Freilegung altsteinzeitlicher Siedlungsreste bei Willendorf auf eine Frauenfigur. Unter dem Namen Venus von Willendorf wurde sie weltberühmt. Die 11 Zentimeter große Statuette stellt eine nackte beleibte Frau dar.

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Denkmal der Venus an der Ausgrabungsstelle in Willendorf. Foto: Petra Kurbjuhn

Auffallend ist, dass sie kein Gesicht hat, sondern dass der Kopf ornamental gearbeitet ist. Wir stehen im „Venusium“ in Willendorf vor einer Replik der Venus und fragen uns, warum der steinzeitliche Künstler zwar die mütterliche Figur schuf, ihr aber kein Antlitz verlieh.

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Wir erfahren auch, dass sich der Chef des eigentlichen Finders der wertvollen Figur, ein einfacher Arbeiter, den Fund unter den Nagel riss. Das Museum in Willendorf ist ein kleiner, feiner Ort, in dem der Wanderer wichtige Informationen über steinzeitliche Funde in ganz Europa erhält.

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In den Weinbergen bei Spitz. Foto: Petra Kurbjuhn

Auf dem Weg von Aggsbach Markt nach Spitz haben wir Willendorf in den Weinbergen entdeckt. Der Weg vermittelt eine Menge Wachau-Feeling. Es blüht, die Weinbauern sind unterwegs in der Pflege ihrer Weinstöcke, in den kleinen Orten längs des Weges gibt es Einkehrmöglichkeiten und rechts von uns schlängelt sich die Donau mit einer Unzahl an Schiffen.

Tausend Eimer Wein

Gegenüber am Hang erhebt sich die Burgruine Aggstein, eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Niederösterreichs. Vor uns tut sich der Tausendeimerberg in Spitz auf. Er trägt seinen Namen deshalb, weil er in guten Jahren tausend Eimer Wein liefert. Bevor wir ihn erklimmen, nähern wir uns dem berühmten „Roten Tor“, einem Stadttor, das die Schweden im Dreißigjährigen Krieg einnahmen.

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Donaublick von Weißenkirchen. Foto: Petra Kurbjuhn

Vom Tausendeimerberg ist der Blick ins Donautal sensationell, allerdings ist der Weg in der Sonne bei 35 Grad im Schatten eine Herausforderung und wir erholen uns im „Spitzerl“ am Donauufer ausgiebig bei Gespritztem und Salat.

Maria Laach – die Sonnenterrasse

Die Wachau hat neben Historie und Kultur eine Menge an Natur zu bieten. Unser Domizil in Maria Laach, der Sonnenterasse auf knapp 600 Höhenmeter, hat uns schon am ersten Urlaubstag gezeigt, dass wir es mit herrlicher bergiger Gegend zu tun haben. Der Weg auf den Jauerling mit 960 Metern ist schweißtreibend, aber wir finden danach im Pool des familiengeführten Hotels Ringl Entspannung.

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Der Jauerling-Gipfel ist ein großes Plateau. Foto: Petra Kurbjuhn

Eigentlich wollten wir ja den Welterbesteig Wachau gehen. In 14 Etappen führt er durch die wunderschöne Landschaft, aber wir entschieden uns dann doch für einen festen Standort und haben es mit dem beschaulichen Maria Laach und dem Hotel mit aufmerksamen, freundlichen Service nicht bereut.

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Der Welterbesteig führt in 14 Etappen durch die Wachau. Foto: Petra Kurbjuhn

Einer unserer Wanderungen führte uns dann zu einem weiteren wesentlichen Anziehungspunkt in der Wachau, dem Wein. Wir gingen durch die Weinberge hin zu einem abgelegenen Hof bei Weißenkirchen, dem Weingut Pomaßl. In der Kühlbox fanden wir Getränke vor, eine schwangere Katze schnurrte um unsere Füße.

Freisingerhof in Weißenkirchen

Bei der Rückkehr nach Weißenkirchen entdeckten wir den Freisingerhof, den ehemaligen Weinlesehof des Bistums Freising am Freisinger Platz mit weißblauer Fahne.

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Der Freisingerhof in Weißenkirchen. Foto: Petra Kurbjuhn

Einen Tegernseer Platz analog des Dürnsteiner Platzes in Tegernsee fanden wir in Dürnstein nicht, dafür aber den Tegernseerhof in Unterloiben. Sein Name reicht über 1000 Jahre zurück, als Kaiser Heinrich II. dem Benediktinerkloster Tegernsee „zwei Huben Land“ in der Wachau schenkte. Heute ist der Tegernseer Wein aus der Wachau auch im Tegernseer Tal erhältlich.

Austausch der Kommunen

Und so schließt sich der Kreis, denn die Partnerschaft Dürnstein-Tegernsee lebt. Wie Bettina Hartmann von der Stadtverwaltung Tegernsee berichtet, gibt es einen jährlichen Austausch der beiden Kommunen und zwischenzeitlich treffen sich auch die Vereine. Pfarrei und private Freundschaften tragen ebenso zur Partnerschaft bei.

Empfehlenswert ist eine Reise in die Wachau zu jeder Zeit. Im Frühjahr zur Marillenblüte, zum Wandern, zum Heurigen im Herbst, zum Genießen von Kultur und Natur. Vieles blieb unerwähnt, so beispielsweise das Stift Melk, die Schallaburg, die Kunstszenerie in Krems. Wachau, wir kommen wieder.

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