Joseph Stieler – der Maler in Bildern und Geschichten

Joseph Stieler am Tegernsee - Das Buch von Sonja Still über den Hofmaler Joseph Stieler

Sonja Stills Stieler-Buch erschien im Alitera Verlag – am bekanntesten ist heute Stielers Beethoven-Porträt, dass die Umschlagrückseite ziert. Foto: IW

Buchvorstellung

Kurz vor dem Corona-Shutdown erschienen und noch nicht offiziell präsentiert: Seit März ist ein Buch über den Königlich Bayerischen Hofmaler Joseph Stieler auf dem Markt. Geschrieben hat es die Journalistin und Tegernseer Heimatführerin Sonja Still.

Es ist ein besonderes Buch geworden. Ein Bildband, der genauestens recherchiert, auf charmante Art das Leben und Wirken des Malers Joseph Stieler erzählt. Verfasst in einem leichtfüßigen Stil, den man gerne liest und sich dabei freut, wie kurzweilig sich das Wissen über den Europäischen Adel und die Künstler, Musiker und Literaten des 18. und 19. Jahrhundert anlesen lässt. Joseph wer? Nicht jedem ist der Name Joseph Stieler bekannt. Und doch kennt jeder mindestens das berühmte Beethoven-Porträt, das er vor 200 Jahren von dem großen Komponisten malte. Jetzt, 2020 im Beethoven-Jahr anlässlich des 250. Geburtstages, ist es quasi omnipräsent. Wer war also dieser Bayerische Hofmaler Joseph Stieler?

Im Stielerhaus bleibt das Erbe lebendig

Sonja Still, im Tegernseer Tal als Autorin und Journalistin mit kulturgeschichtlichem Interesse und großem Wissensschatz bekannt, macht es den kunstinteressierten Lesenden leicht, einzusteigen in den Bilderkosmos, die Zeit und das Leben Joseph Stielers. Dass der Maler ab 1829 ein Sommerhaus in Tegernsee „Auf der Point“ bezieht, schafft auch für die Lesenden im Landkreis einen interessanten geografischen Bezug. Im dortigen „Stielerhaus“, dass heute zum Hotel Westerhof gehört und behutsam restauriert und umgebaut wurde, um das Wirken Stielers lebendig zu halten, sollte auch im März das Buch bereits offiziell präsentiert werden.

Joseph Stieler Porträt der Mutter Mutter_C_Neumeister_Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG
Das Porträt seiner Mutter malte der talentierte Joseph Stieler mit 14 Jahren. Foto: C. Neumeister Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG

Der Bildband beginnt mit einem Porträt, dass der jugendliche Maler im Alter von 14 Jahren von seiner Mutter anfertigte. Staunend lässt sich feststellen, dass Stielers Talent in diesem jungen Alter bereits eine herausragende Reife zeigte. Da der aus einer Mainzer Künstlerfamilie stammende Stieler mit diesem exzeptionellen Talent ausgestattet war, ließ auch sein Erfolg nicht lange auf sich warten. Nach Studium in Wien und Aufenthalten in Warschau und Paris gelangte er schließlich zu einem Auftrag, der ihm mehr als alle Werke zuvor in seiner Karriere voran bringen sollte: Er malte im Auftrag von Auguste Amalie, der Tochter des ersten Bayerischen Königs, ein Porträt ihrer Kinder, das auch dem königlichen Großvater außerordentlich gefiel und eine lebenslange Reihe von Folgeaufträgen innerhalb der Europäischen Monarchie nach sich zog.

König, Hofmaler und die Schönheitengalerie

Insgesamt 500 Werke sollten schließlich Stielers Erfolg markieren, einschließlich der berühmten „Schönheitengalerie“, die er gemeinsam mit König Ludwig I.
konzipierte. Die Autorin stellt geschichtliche und kunsthistorische Zusammenhänge her, recherchiert in Archiven und Museen und spricht mit den Nachkommen. Sie verortet und ordnet ein, und schafft es zugleich, die Betrachtenden des Bandes für die kunstfertigen Details der Porträtmalerei Stielers zu begeistern.

 Joseph Stieler am Tegernsee - sein berühmtes Beethoven-Porträt wird heuer 200 Jahre alt, Grund für das Stielerhaus, zu feiern
Stielers berühmtes Beethoven-Porträt wird heuer 200 Jahre alt – es ziert die Fassade des Stielerhauses in Tegernsee. Foto: IW

Nicht nur die zahlreichen Porträts der Vertreter der Europäischen Adelshäuser sind von Bedeutung. Vielmehr hat der  Königliche Bayerische Hofmaler mit seinen Bildern auch ein unschätzbares „Who is who“ der damaligen Europäischen Kunstszene geschaffen. Goethe, Schiller, Humboldt, Tieck und Brentano – sie und viele weitere „Stars“ saßen ihm Modell. Vielen dieser Gemälde werden die Betrachtenden des Buches bereits in Lexika oder Schulbüchern begegnet sein, ohne bewusst den Erschaffer, den Maler wahrgenommen zu haben.

Verlobungsbild Herzog Max und Ludovica
Das Verlobungsbild von Herzog Max und Ludovica vor der Kulisse des Tegernsees (Ausschnitt). Foto: privat

Einen wichtigen Teil des Buches nehmen auch die Kreide-Tusche- und Bleistiftstudien und Skizzen zu den Bildern ein, aus denen sich viel über die Arbeitsweise des Malers ableiten lässt und die aus heutiger Sicht beinahe noch lebendiger wirken als die imposanten und gefeierten Ölbilder. Stieler war zweifelsohne ein genauer Beobachter und Menschenkenner, der sich in die Porträtierten hineinversetzte, um sie in schönster Pose und feinstem Gewand wiederzugeben. Viele der Porträts verzichteten aber auch auf Pomp und Orden, was die Dargestellten volksnaher wirken ließ, als sie tatsächlich waren, schließlich war das die Zeit der Klassik und Romantik.

„Joseph Stieler – Superstar!“

Zu diesem Fazit kommt die begeisterte Autorin und nennt Stieler den „Helmut Newton seiner Zeit“ – was wiedergibt, dass, wer etwas auf sich hielt in jener Zeit, von ihm abgebildet sein wollte. Trotzdem ist sein Name heute weitestgehend unbekannt. Schade, befand Sonja Stiller, die die Atmosphäre des Stielerhauses über der Point am Tegernsee und auch das Vermächtnis des Künstlers schätzt. Wenn sie ihn den Menschen generell und den Bewohnern des Tegernseer Tals insbesondere näherbringen wollte – es ist ihr gelungen.

Weiterlesen: Sonja Still: Der Miesbach Reiseführer- Genuss, Geschichte und Geschichten

Das Buch „Joseph Stieler – Der Königlich Bayerische Hofmaler“ ist 2019 im ALITERA Verlag mit der ISBN: 978-3-96233-194-8 erschienen.

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