Freude statt Lampenfieber – die Band Kreuzberg

Die Band Kreuzberg: Beate Thaller, Johannes Mehringer, Dominikus Bücker und Norbert Thaller (v.l.). Foto: privat

Konzert in Weyarn

Was braucht es dazu, dass sich vier in Beruf und Familie engagierte Menschen zehn Jahre lang regelmäßig zu Proben im Kellerstudio treffen? Vier bis fünf Konzerte schaffen sie pro Jahr, spielen sich in die Herzen der Miesbacher und es wird spekuliert, dass sogar eine Straße nach ihnen benannt wurde. Am 21. Januar sind sie in der WyHalla zu Gast.

Kreuzberg – das ist nicht nur ein Ortsteil in der beschaulichen Stadt Miesbach, sondern steht für Folk, Jazz und Klezmer, unters Volk gebracht von Beate und Norbert Thaller, Johannes Mehringer und Dominikus Bücker. Zehn Jahre ist es her, seit eine Geburtstagsfeier im Hause Thaller sich in ein unvergessliches musikalisches Zusammensein wandelte, das nach Wiederholung schrie. Genauso zwanglos wie Norbert Thaller damals die Gitarre auspackte, ein Nachbar die Geige holte und Beate Thaller dazu sang, entwickelten sich die Proben der vier Musizierenden im Laufe der Zeit.

Streben nach emotionaler Präsenz

„Norberts Gitarrenspiel hat sich in den Jahren zu einer immer feineren Begleitung mit viel Bewegung entwickelt“, erkennt Dominikus Bücker die Leistung seines Freundes an. Von der Freude am Streben nach emotionaler Präsenz und Gestaltung, die auf das Publikum überspringt, erzählt Beate Thaller. Wie ist das alles neben anspruchsvollen Berufen und Familienleben möglich?


Die Band Kreuzberg. Foto: privat

Die zentrale Erklärung liegt wohl in der verbindenden Macht der Musik, erklärt Beate Thaller, im Leben außerhalb des Probenraumes Fachärztin für Neurologie. Daneben ist es aber auch die Wertigkeit, die alle vier Bandmitglieder den gemeinsamen Treffen geben, sowie eine Portion Verständnis für die Situation jedes Einzelnen. So werden weder Proben noch Konzerte während der Heuernte veranschlagt, da Bassist Johannes Mehringer nicht nur als Gemeindereferent für die katholische Kirche, sondern auch als Landwirt tätig ist. Er nimmt dafür die Anreise von Kreuth auf sich, während die drei restlichen Bandmitglieder innerhalb eines Radius von 50 Metern am Kreuzberg in Miesbach wohnen.

Entspannt sein ist auch eine Option

Alle vier sind durch ihre Berufe Auftritte in der Öffentlichkeit gewohnt und stehen gerne auf der Bühne – im Falle Kreuzberg besonders gerne gemeinsam. Mit ihrer Formation, die kein Schlagzeug beinhaltet, nehmen sie in Kauf, bestimmte Musik-Genres nicht bedienen zu können. An musikalischer Inspiration und Bandbreite fehlt es dennoch nicht, im Gegenteil. Beate Thaller fand über Dominikus Bücker einen Zugang zu Folk, dieser wiederum, der Teufelsgeiger und Professor für Energietechnik, bekam Lust auf Jazz und alle sind begeistert von der Stilrichtung Klezmer und Gipsy Jazz, die Norbert Thaller ins Spiel brachte.


Im Konzert. Foto: privat

Bodenständig wirken die vier Musiker und sind sich bewusst, dass es die Spielfreude ist, die sie vermitteln wollen. Vier bis fünf Auftritte im Jahr sind möglich und werden von den Menschen begeistert angenommen – sei es im Waitzinger Keller oder bald wieder in der WeyHalla in Weyarn. Einen Vorteil hat das Amateurmusiker-Dasein: „Das Publikum verzeiht uns kleine Fehler. Stolpern ist erlaubt“, schmunzelt Norbert Thaller, der sich im Berufsleben als Internist hingegen kein Stolpern erlauben kann.

Jenseits von Familie und Beruf

Keine CDs oder internationale Touren in Planung also, aber viel Freude für die Menschen aus der Umgebung. Da kommt es schon vor, dass Dankesbriefe von begeisterten Konzertbesuchern im Postkasten landen. Bei aller lokaler Berühmtheit ist es die Bescheidenheit, die besticht. „Ohne das Einverständnis und die Unterstützung unserer Partner wäre Kreuzberg nicht möglich“, sind sich alle vier Musizierende einig. Insgesamt sieben Kinder im Alter zwischen sechs und 24 Jahren haben die Bandmitglieder und sind stolz darauf, dass ihr Nachwuchs sie als aktive, kreative Menschen auf der Bühne wahrnehmen, vielleicht sogar als Vorbilder.


Beate Thaller. Foto: privat

Doch zurück in den Probenkeller von Kreuzberg. Schon nach den ersten Klängen des serbischen Volksliedes „Ajde Jano“ hat weder Berufs- noch Familienleben das Sagen, sondern ausschließlich das Zusammenspiel von Stimme, Violine, Gitarre, Melodion und Kontrabass. Mitreißend, stimmungsgeladen, kraftvoll. Vielleicht wurde doch die Straße nach der feurigen Band benannt und nicht umgekehrt?

Dieser Text erschien in der 38. Ausgabe der KulturBegegnungen auf Seite 20. Die Band Kreuzberg gibt am 21.1. um 20 Uhr ein Konzert in der WeyHalla in Weyarn.

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