Fake News und Lügenpresse – im Spannungsfeld der Wahrheit

Monika Ziegler startet den Abend mit der Folie: Worum geht´s: Fake News - mit dem Bild von Donald Trump

Journalistin Monika Ziegler: Worum geht´s bei Fake News? Foto: Petra Kurbjuhn

Talkshow in Holzkirchen – eine Veranstaltung der Reihe Anders wachsen

Donald Trump hat das Wort „Fake News“ kreiert, die AfD die „Lügenpresse“. Beide Wortschöpfungen stellen die Richtigkeit der Medienberichterstattung in Frage. Wo liegt die Verantwortung des Journalismus und wo die der Konsumenten?

Im Spannungsfeld zwischen Wahrheit und Lüge, penibler Recherche und hohem Zeitdruck, seriösem Journalismus und Sensationsberichterstattung fällt der Begriff immer wieder: Fake News. Worum geht es genau?

Trotz Orkan Friederike hatten sich am Freitag zahlreiche Interessenten ins Foolstheater aufgemacht. Das Thema Fake News brennt unter den Nägeln. Journalistin Monika Ziegler fand es an der Zeit, die Verantwortung im Zeichen der Lügenpresse-Vorwürfe und wild durch die Social Media kursierenden Falschmeldungen unter die Lupe zu nehmen. Im Rahmen der Reihe Anders wachsen ist auch Medienkompetenz ein wichtiges Thema. In BR-Moderator Stefan Scheider und Fake News Spezialist Maximilian Muth fand die Initiatorin von KulturVision begeisterte Mitstreiter – für die Vorbereitung und Durchführung des Abends im KULTUR im Oberbräu.

Leseverhalten deutlich verschoben

Am Anfang stand die Frage: „Wie gefährlich sind Fake News im Netz?“ 90% der Jugendlichen beziehen ihre täglichen Informationen aus den Social Media. Eine andere Statistik besagt, dass die Deutschen im Schnitt nur 7 Sekunden täglich mit einer Tageszeitung verbringen. Das Leseverhalten hat sich deutlich Richtung Online verschoben. Das ist erst mal weder verwunderlich, noch extrem besorgniserregend. Nachrichten können mobil von überall konsumiert werden. Es kommt darauf an, welche Art von Nachrichten man im Netz Glauben schenkt.

Fake News im USA Wahlkampf

Google hat längst eingeräumt, dass der amerikanische Wahlkampf von Russland aus manipuliert wurde. Wie das passieren konnte, ist einfach erklärt. Menschen reagieren stärker auf polarisierte Meldungen, beispielsweise „extrem dafür“ oder „extrem dagegen“. Also wurden Seiten programmiert, die den Wahlkampf polarisierten und diese zugleich mit Werbung gespickt. Die Seitenbetreiber haben Millionen verdient und Amerika hat Donald Trump gewählt. Aber ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht. Das Thema ist so komplex, dass es gilt, das Knäuel an mehreren Enden zu entwirren.

Monika Ziegler und Maximilian Muth auf der Bühne des Foolstheater zum Thema Fake News
Monika Ziegler und Maximilian Muth auf der Bühne des Foolstheaters zum Thema Fake News. Foto:Petra Kurbjuhn

Monika Ziegler hat mit Stefan Scheider bei der Vorbereitung Nachrichtensequenzen ausgewählt, die es dem Nutzer schwer machen zu entscheiden, was gerade passiert. Mit entsprechendem Text versehen, können sie in jegliche Richtung interpretiert werden. Welche Bilder wählt der Journalist und in welchen Kontext stellt er sie?

Pressekodex ist Ehrensache

Der Pressekodex definiert eindeutig die seriöse Medienarbeit. Wahrheit steht an oberster Stelle. Quellen müssen offen gelegt werden. Es ist eine Sorgfaltspflicht definiert. Die Berichterstattung darf weder menschenverachtend, noch diskriminierend sein und auch kein Sensationsjournalismus. Redaktionelle Beiträge und Werbung werden strikt voneinander getrennt. Die eigene Meinung des Journalisten hat nichts im Beitrag verloren. Seine Aufgabe ist es, die Meinungsbildung des Lesers anzuregen.

Nicht alle Medien halten sich daran. Die Konsumenten stört das oft erstaunlich wenig. Im Gegenteil, die öffentlich-rechtlichen Sender werden angefeindet, wenn sie den Ehrenkodex strikt umsetzen. Die ARD beispielsweise berichtet weder über Beziehungsdelikte noch Mord an Privatpersonen. Die Kritiker bemängeln, sie würde Nachrichten zurückhalten.

Gerüchte verbreiten sich schneller als Wahrheiten

Schwierig wird es, wenn in den Social Media Kanälen der Journalismus seriöser Medien untergeht – zwischen persönlicher Berichterstattung, die keinem Pressekodex verpflichtet ist. Die Gatekeeper-Funktion der Journalisten ist außer Gefecht gesetzt. Nachrichten sickern durch, werden zu Gerüchten und bauschen sich auf. Sie setzen die Medien unter Druck, schneller zu reagieren. Kann man noch schnell reagieren und zugleich sorgfältig recherchieren?

Interessantes berichtete Max Muth aus seinem Arbeitsalltag beim BR. Natürlich gibt es auch einen Ehrenkodex für den Multimediabereich: „Be right, be first, be clean“. Und dessen Steigerung lautet: „Be first, but first be right“. Es geht darum, Erster in der Berichterstattung zu sein, aber erst dann, wenn der Wahrheitsgehalt der Nachricht sichergestellt ist.

Maximilian Muth arbeitet als Fake News Spezialist beim BR
Maximilian Muth arbeitet als Fake News Spezialist beim BR. Foto: Petra Kurbjuhn

Die öffentlich-rechtlichen Sender haben inzwischen Verifkationsstellen errichtet. Dort arbeitet Max Muth – an der Schnittstelle zwischen Netzthemen, Social Media und Wahrheitsnachweis. Viele unter Fake News eingestufte Meldungen seien schlichtweg schlecht recherchierter Journalismus. Auch Satire würde oft missverstanden, so Muth. Die Sender wägen ab, ob alle im Netz gefundenen Falschmeldungen richtig gestellt werden. Statt des Wortes „nicht“ im Dementi komme beim Rezipienten oftmals nur die Wiederholung des falschen Inhalts an.

„Nicht ganz richtige Nachrichten“

Max Muth benutzt statt des Fake News Begriffes lieber die Umschreibung „nicht ganz richtige Nachrichten“. Dafür, wie man Falschmeldungen in den Social Media von wahrer Berichterstattung unterscheiden kann, hat er einen Tipp: Wenn sich etwas zu gut oder zu schlecht anhöre und man sich extrem in der eigenen Meinung bestätigt fühle, sei meist etwas faul. Dann helfe nur, die Nachricht sacken lassen, bevor man sie per Klick einfach weiter verbreitet.


Monika Ziegler erläutert den Pressekodex. Foto: Petra Kurbjuhn

Gesunde Skepsis, gesunder Menschenverstand

Jeder Nutzer müsse selbst Medienkompetenz und eine gesunde Skepsis entwickeln, jeder trägt Verantwortung. Max Muths Plädoyer: Jeder solle sich Medien suchen, denen er vertraue. Vor allem appellierte er an alle Menschen mit gesunden Menschenverstand und einer demokratischen Grundhaltung, an die „schweigende Masse“, sich an Diskussionen im Internet zu beteiligen. Es sei wichtig, zu zeigen, ob man einverstanden sei oder nicht. Sonst überlasse man das Netz denen, die nur das schrieben, was ihnen nicht passe und oft mit großer Hetze und Häme polarisierten.

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