DRAMADAMA im Valleyer Schloss Bräu

Dramadama

Ein Hochgenuß: Das 12-köpfige Ensemble von DRAMADAMA im Valleyer Schloss Bräu. Foto: Manfred Lehner

DRAMADAMA in Valley

Eine Premiere? Eine Explosion! Das erste Mal seit über einem Jahr ist wieder Theater in der Valley – mit der neuen Gruppe DRAMADAMA von Lydia Starkulla, Shakespeares (leicht modifizierter) berühmtester Komödie und einem völlig neuen Bühnenkonzept.

Eine Premiere in Vor-Corona-Zeiten war eine Premiere. Eine Premiere nach 15 Monaten Spielzwangspause ist eine Explosion – an Schauspielfreude, Energie, Regieeinfällen, Zuschauerlust und einfach an Lebensgefühl. Die Explosion hat auch einen Namen: Die kurz vor dem Lockdown gegründete Schauspielgruppe DRAMADAMA e.V. spielte die frech-frivole Komödie „Viel Lärm um Nichts“ (nach William Shakespeare) im Saal des Valleyer Schloss Bräu. Regie: Lydia Starkulla und dazu zwölf Schauspieler, die einfach nur noch glücklich waren, endlich wieder spielen zu können.

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Neues Bühnenkonzept: Der ganze Saal verwandelt sich zu einer riesigen Bühne (v.l. Daniel Rasch, Andrea Beier, Paula Baumgartner, Regina Deflorin D’Souza). Foto: Manfred Lehner

Die neu gegründete Gruppe riss mit ihrer Energie, ihrer Schauspielkunst und ihrem Witz die 50 Zuschauer 90 Minuten lang (ohne Pause) mit sich – mehr dürfen aus bekannten Gründen im Moment nicht in den Saal. Aber die Begeisterung stand den Zuschauern auf den Gesichtern: Spontanes Lachen, Klatschen, Staunen, Erstarren, Erleichterung, es war, als wären 100 Zuschauer im Saal.

DRAMADAMA: Großes Schauspiel mit bestechendem Wortwitz

William Shakespeare scheint kein Kind von Traurigkeit gewesen zu sein, als er Ende des 16ten Jahrhunderts „Much ado about Nothing“ verfasste. Im Gegenteil: Kaum eine Szene (bis auf die beinahe tragisch endende erste Vermählungsszene) lässt sexuell-frivole Anspielungen, Wortspiele, Wortewitz, aber auch brillant hervorgebrachte gegenseitige Beleidigungen vermissen. Meisterhaft und mit spitzer Zunge necken sich die schöne Beatrice (Andrea Beier) und ihr Gegenspieler Benedikt (Jochen Geipel), bis sie sich schließlich als ebenbürtige Charaktere unsterblich ineinander verlieben. Meisterhaft auch das Intrigenspiel der Dienerschaft Margarete (Regina Deflorin D’Souza) und des teuflisch-intriganten Borachio (Albert Ambacher). Typisch Komödie halten sie die wesentlichen Handlungsfäden in der Hand und kosten ihre Rollen bis zur letzten Sekunde lustvoll aus.

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Laienschauspiel auf höchtem Niveau

Lydia Starkulla versteht es ebenso meisterhaft, ihr theatererfahrenes, miteinander vertrautes und hoch motiviertes Laien-Team in die Rollen hineinzuführen. Sie selbst behielt die Technik, die Musik und das Textbuch im Blick – aber das hätte sie getrost schließen können. Ihre Gruppe zeigte, was sie unter erschwerten Umständen in den letzten Wochen auf die Beine gestellt hat. Tatsächlich konnte das Team erst zwei Wochen vor der Premiere als gesamtes Ensemble proben, vorher konnte nur in kleineren Grüppchen gespielt werde. Aber letztlich fügte sich das ganze Schauspiel zu einem perfekten Teppich zusammen.

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„Schlankes“ Theater: Nur wenige Requisiten unterstreichen die teils dramatische Handlung. Regina Deflorin D’Souza tröstet die verleumdete Braut Paula Baumgartner. Foto: Manfred Lehner

Keine Bühne scheint die beste Bühne

Die Schauspielerin und Theaterregisseurin Lydia Starkulla zeigte indes starke Nerven und passte kreativ ihr ganzes Bühnen- und Requisitenkonzept der Herausforderung an, jederzeit flexibel auf irgendwelche Veränderungen reagieren zu müssen: Es gibt schlicht keine Bühne. Das Ensemble spielt in der Mitte des Saals, auf der Theke, unter der Theke, aus den Fenstern des Sudhauses, stürmt die Treppe vom Sudhaus herunter, kommt aus dem Haupteingang, dem Hintereingang, dem Seiteneingang in den Saal. Der Raum steht keine Sekunde still. Dieses Bühnenkonzept erweist sich als die geniale Idee schlechthin: Schauspiel auf Augenhöhe, in direktem Kontakt (natürlich unter Abstandswahrung) mit dem Publikum, das an allen vier Wänden an Tischen platziert sozusagen Teil des Schauspiels wird. So hat noch niemand den Saal erlebt – der ganze Raum eine Bühne und die Zuschauer mittendrin.

Kostüme und Requisiten – weniger ist mehr

Starkulla und ihr Ensemble entschieden sich auch in der Wahl der Kleidung für ein schlichtes Konzept: Alle in weißen oder cremefarbenen Kostümen, kaum Dekor, alles einfach. Für Veränderungen genügen wenige sparsam eingesetzte Requisiten: Ein Brautschleier für die zauberhafte Hero (Paula Baumgartner), die von ihrem Vater Don Leonato (Daniel Rasch) mit dem verliebt-naiven Grafen Claudio (Ludwig Stürzer) verheiratet werden soll; Papp-Masken für den Maskenball; ein Geldsack für Don John (Leonhard Obermüller); Stöcke statt Waffen für die wunderbar verpeilten Wachen Dogberry (Gisela Emmi Siade) und Sexton (Anja Erbricht), Schwerter für den edlen Prinzen Don Pedro (Christian Selbherr) und seine Granden; und schließlich eine Bibel für den Pater (Rainer Hoffmann), der viele Komplotts und Intrigen, Verleumdungen und Liebesspiele später Hero und Claudio endlich vermählen konnte.

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Bei der Generalprobe: Der intrigen-spinnende Diener Borachio (Albert Ambacher) ist umstellt von Ludwig Stürzer, Christian Selbherr, Daniel Rasch (v.l.). Foto: Manfred Lehner

DRAMADAMA ab jetzt in der Valley

Tatsächlich hatte der Lockdown 2020 die frisch aus der Taufe gehobene Schauspielgruppe kalt erwischt. Keine einzige Probe, nichts war mehr möglich. Wenigstens stand zu diesem Zeitpunkt schon fest, dass der Schloss Bräu Saal die zukünftige Bühne der Laienschauspielgruppe DRAMADAMA sein wird. Im April dieses Jahres dann die Entscheidung, in die Proben zu gehen – immer unter dem Damoklesschwert Corona. Damit zieht in das Theaterdorf Valley eine neue Schauspielgruppe ein – jetzt sind es wieder vier aktive Ensembles, die für eine lebendige, junge Theaterszene sorgen.

Der kleinste Zuschauer war übrigens dreieinhalb Jahre und der Neffe der Regisseurin. Er blieb die ganze Zeit sitzen – nur einmal wollte er den Raum verlassen. Als die Wachen den frechen Diener Borachio mit ihren Stöcken bedrohten, flüsterte er entrüstet: „Das tut man nicht“ und verschwand an der Hand seiner Oma für ein paar Minuten in der Schloss Bräu Küche.

Kartenreservierung telefonisch unter 0177 / 57 43 123 oder per Mail unter karten@dramadama.de. Die Abendkasse im Schloss Bräu öffnet jeweils 1,5 Stunden vor der Aufführung. Es gibt pro Vorstellung nur noch wenige Restkarten. Mehr Infos zu DRAMADAMA und dem Theaterstück: www.dramadama.de

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