Der Muttertag – Ein Tag zu Ehren der Frau

Foto für den Muttertag

Ein Blumenstrauß und frisches Gebäck zum Frühstück – ein Bild, das am heutigen Muttertag in vielen Familien auftaucht. Foto: Selina Benda

Sonntagskolumne zum Muttertag

Miesbach – Abgehetzte Männer vor den Blumenläden, Väter mit Kindern frühmorgens beim Bäcker und den ganzen Tag Familienausflüge in die schönsten Ecken der Region. Es ist wieder soweit: Am heutigen Sonntag, den 9. Mai 2021, feiert Deutschland den Muttertag. Neben der Diskussion um die Kommerzialisierung dieses Feiertages, stellt sich vor allem die eine Frage: Wie hat sich die Rolle der Mutter in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Die Verehrung der Mutter geht weit zurück in die Zeit der Götterhuldigung im antiken Griechenland. Der Ursprung des eigentlichen Feiertages, der in den meisten Ländern der Welt sogar gesetzlich festgelegt ist, liegt jedoch in einer US-amerikanischen Frauenrechtsbewegung. 1865 wurde die Mütterbewegung „Mothers Friendship Day“ von der Amerikanerin Ann Maria Reeves Jarvis gegründet. Jarvis Tochter, Anna Marie Jarvis, schaffte es durch jahrelange Arbeit, dass der US-Kongress am 8. Mai 1914 eine Resolution erließ, die den zweiten Sonntag im Mai als gesetzlichen Feiertag in den USA bestimmte: den Muttertag. Ihr Ziel: Die Leistungen der Frauen und Mütter mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken und zu ehren.

Nicht die Rolle der Mutter, die der Frau hat sich geändert.

Mütter standen im Jahr 1950 zur offiziellen Einführung des Feiertages in der Bundesrepublik Deutschland gänzlich anderen Rahmenbedingungen gegenüber, als dies im Jahr 2021 der Fall ist. Heutzutage ist es vor allem der Anspruch der Frauen an sich selbst, der völlig neue Herausforderungen schafft. „Die Rolle der Mutter an sich ist dieselbe geblieben, jedoch ist Frau sein und Mutter sein nicht mehr das Gleiche“, sagt Janaa Schlick, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes und Mütterzentrums in Miesbach.

Lesetipp: Gleichberechtigung oder auf der Strecke geblieben?

Zwar würden weibliche Personen durch die Geburt ihrer Kinder diese beiden Rollen automatisch vereinen, jedoch passe das klassische Bild der Mutter als Organisatorin aller Familienprozesse nicht mehr in sein veraltetes Gewand. „Immer mehr Frauen lassen sich nicht mehr auf die Mutterrolle reduzieren“, erklärt Schlick. Die Selbstverwirklichung der Frau rückt immer mehr in den Vordergrund, sei es beruflich oder persönlich.

Gesellschaftlicher Druck und ungefilterte Kritik.

Neben allen Bemühungen, sich selbst als Person nicht zu verlieren, sehen sich vor allem junge Mütter in der heutigen Zeit dem gesellschaftlichen Druck ausgesetzt, ihre Kinder auf die bestmögliche Art und Weise zu erziehen – sei es nun autorativ, laissez-faire oder doch permissiv? Auch vor über 70 Jahren haben sich Mütter mit der Erziehung ihrer Kinder auseinandergesetzt, doch waren die Informationen, welche ihnen zu Grunde lagen, weniger komplex. Der Unterschied liegt im Fortschritt der Wissenschaft und Forschung. Die Möglichkeit, zudem schnell und umfassend an all diese Informationen zu gelangen, sind Fluch und Segen zugleich.

Janaa Schlick ist Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes und Mütterzentrums Miesbach und selbst Dreifachmutter. Foto: Kinderschutzbund (Ausschnitt)

„Gesellschaftlich werden da natürlich Erwartungen geschaffen, die bei den Frauen wiederum enormen Druck auslösen“, erklärt Janaa Schlick. Auch die Art und Weise, wie sich Mütter heutzutage ungefilterter Kritik stellen müssten, sei absolut konträr zur damaligen Zeit, erklärt die Dreifachmutter. Vor allem die Anonymität des Internets trägt dort ihre Früchte: „Die Austauschmöglichkeiten der Mütter haben sich enorm erweitert, wir stehen dadurch deutlich mehr im Fokus, sowohl für Kritik als auch Bewunderung.“

„Der goldene Weg liegt in der Mitte.“

All diese Erwartungen, ob gesellschaftlicher oder persönlicher Natur, haben die Mütter vor allem von einem entfernt: Ihrer Intuition. Das bestätigt auch Schlick: „Ich würde mir mehr Gelassenheit wünschen. All diese Informationen und Meinungen Anderer torpedieren das Vertrauen der Mütter in sich selbst.“ Vor allem in der Erziehung der Kinder gäbe es kein Richtig oder Falsch, Mütter müssten wieder mehr auf ihre „innere Stimme“ hören. Denn „der goldene Weg liegt sprichwörtlich in der Mitte“, behauptet Schlick. Die größte Herausforderung unserer Zeit gründet also im Verlust der natürlichen Mutterinstinkte, dem Ursprung allen Seins auf dieser Erde.

„Ist den Muttertag feiern denn überhaupt noch zeitgemäß?“

„Absolut“, ist sich Schlick sicher. Die Wertschätzung einer Rolle, die mit solch hohen Ansprüchen und Leistungen verbunden ist, sollte auf alle Fälle gefeiert werden. Und mit der Rückkehr und dem Vertrauen in die eigene Intuition, kehren die Mütter heutzutage auch immer mehr zu dem Grundgedanken der Gründerin des Muttertages zurück. Denn sie haben mittlerweile nicht mehr nur die ihnen mit der Geburt ihrer Kinder zugespielte Rolle als Mutter inne, sondern entdecken auch immer mehr die Frau in sich als eigenständige Person wieder. Vielleicht würde das Jarvis wieder etwas versöhnen können, denn die Amerikanerin haderte lange mit der Kommerzialisierung dieses Feiertages und kämpfte sogar, wenn auch erfolglos, für dessen Abschaffung. Vielleicht ist es heutzutage also noch wichtiger, den Muttertag in seiner vollen Gänze ausgiebig zu feiern. Mit tollen Blumensträußen, frischem Gebäck zum Frühstück und Familienausflügen in die schönsten Ecken der Region – alles zu Ehren der Frauen, als Mütter.

Foto von Selina Benda

Am Muttertag zieht es die Familien an die schönsten Ecken der Region, wie hier an den Schliersee. Foto: Selina Benda

Muttertagstraditionen weltweit

    Serbien: Eine Tradition in dem Binnenstaat ist es, dass sowohl am Mutter- als auch am Vatertag, die jeweiligen Familienmitglieder am Morgen im Bett gefesselt werden und sich dann bei den Kindern freikaufen müssen.
    Indonesien: Am 22. Dezember wird in dem südostasiatischen Land der Muttertag, der „Hari Ibu“ mit am ehrvollsten gefeiert. Dort geht es vor allem um die Bedeutung der Frauen für ihre Familien und das Land. Der Staat stellt an diesem Tag ein großes Angebot an Workshops und Seminaren für Frauen zur Verfügung, um ihnen unter anderem den Einstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen.
    Mexiko: Besonders festlich feiern die Mexikaner den Muttertag am 10. Mai. Viele Mütter erhalten von ihren Arbeitgebern den halben Tag frei  und die Schulen organisieren große Feiern. Die ganze Familie ehrt die Mütter mit Liedern.

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