Petra Steiner

Ist der Bauer geizig?

Petra Steiner bei der Vernissage ihrer Fotoausstellung „Brauch und Gebrauch – ist der Bauer geizig?“ Foto: Helen von der Hoeden

Stadel-Fotos im Heimatmuseum Schliersee

In ihrer Fotoausstellung im Heimatmuseum Schliersee zeigt Petra Steiner historische Stadel aus Bayern und Österreich. Bei der Vernissage warb die Fotografin um einen zärtlichen Blick auf diese einfachen Bauten. Doch ist der Bauer, der sie errichtet hat, wirklich geizig?

Der Untertitel „Ist der Bauer geizig?“ hatte schon vor der Eröffnung für Gesprächsstoff gesorgt. Ob sie mit ihrer Ausstellung einen Bauernkrieg im Leitzachtal anzetteln wolle, sei sie gefragt worden, erzählte Petra Steiner am Mittwochabend im Heimatmuseum Schliersee. Das wolle sie auf keinen Fall. Die Fotografin, die im Pinzgau geboren wurde und heute in Fischbachau lebt, versteht ihre Schau als Hommage an die Bäuerinnen und Bauern. Die Hütten auf ihren Bildern seien die Helden der Architektur.

Die Ausstellung ist im Heimatmuseum Schliersee vom 15. bis zum 31. Oktober im Rahmen des Schlierseer Kulturherbstes zu sehen. Petra Steiner fotografierte für das Architekturforum Miesbacher Kreis und hat Stadel in Bayern und Österreich aufgenommen, unter anderem im Ausseerland, im Pinzgau, in Osttirol und im Ennstal.

Petra Steiner
Die großformatigen Drucke hängen an Seilen von der Holzdecke, dazwischen kommt das Publikum ins Gespräch. Foto: Helen von der Höden

Schlicht und auf das Wesentliche konzentriert

Johannes Wegmann, Architekt, Initiator des Schlierseer Kulturherbstes und Erster Vorsitzender des Schliersee Touristik Vereins, eröffnete den Abend. Nach der Ausstellung von Georg Brinkies sei dies die zweite Kunstausstellung des Kulturherbstes, und zwar eine ganz andere. Sie berühre, weil sie über schöne Bilder hinaus ein Zeichen dafür setze, woher man komme. Die Stadel bezeichnete er als die einfachsten Gebäude des Alpenraums, schlicht und auf das Wesentliche konzentriert. „Da ist alles drin.“

Besonders hob Johannes Wegmann hervor, wie wandelbar diese Bauten sind. Sie würden stetig erweitert und ausgebaut, eine Weiterentwicklung, die beim Wesentlichen bleibe. Den Bogen schlug er zum Ausstellungsort selbst. Auch das Heimatmuseum hat eine neue Fläche bekommen, angebaut an ein historisches Gebäude. „Wir entwickeln die Gebäude weiter.“ So sei auch die Ausstellung eine Weiterentwicklung, die sich auf das Wesentliche konzentriere.

Petra Steiner
Johannes Wegmann bei der Ansprache zur Eröffnung im Heimatmuseum Schliersee. Foto: Helen von der Höden

Vom Heulager zum Fotomotiv

Werner Pawlovsky, der Vorsitzende des Architekturforums Miesbacher Kreis, erinnerte an den ursprünglichen Zweck der Bauten. Die Stadel wurden gebaut, um Futter und Heu zu lagern. Deshalb seien sie einander ähnlich und zugleich ungemein vielfältig. Heute brauche die Landwirtschaft sie nicht mehr, weil Silos ihre Aufgabe übernommen hätten.


Werner Pawlovsky spricht bei der Vernissage vor der Wand mit den kleineren Stadel-Fotografien. Foto: Helen von der Höden

Eine Fotoausstellung zum Durchgehen

Wie ähnlich und wie verschieden die Stadel sind, zeigt die Hängung. Die großformatigen Drucke auf hellem Papier sind an dünnen Seilen von der Decke abgehängt und schweben frei im Saal. Am Eröffnungsabend bewegten sich die Gäste mit ihren Weingläsern zwischen den Bildern und kamen davor ins Gespräch.


Petra Steiner im Gespräch mit Gästen zwischen den frei hängenden Drucken. Foto: Helen von der Höden

An den Wänden hängen kleinere Fotografien, und an den Säulen sind kleine gerahmte Fotografien erst auf den zweiten Blick zu entdecken. Unter jedem Bild nennt ein Schild die Region wie Hinterberg, Garmisch-Partenkirchen, Pinzgau, Osttirol und Ennstal. Fast alle Stadel hat Petra Steiner frontal aufgenommen, den Giebel zur Kamera, mal auf grüner Wiese und mal im Schnee.


Erst auf den zweiten Blick zu entdecken: eine kleine gerahmte Stadel-Fotografie an einer Holzsäule. Foto: Helen von der Höden


Stadel in fünf Spalten, geordnet nach Regionen von Hinterberg bis ins Ennstal. Foto: Helen von der Höden

Raffinierte Raffinesse

Für Petra Steiner liegt in den Bildern mehr als ein Blick zurück. Nostalgisch sei ihre Arbeit nicht, denn aus den Stadeln lasse sich viel für die heutige Architektur ableiten. Die Kulturlandschaft basiere schließlich auf der Landwirtschaft. Das Funktionale beschränke sich auf das Wesentliche, auf das, was man wirklich braucht. Die Form folge der Funktion, und darin liegt, wie bei Gertrude Stein, eine „raffinierte Raffinesse“.
Wer einen landwirtschaftlichen Betrieb habe, dürfe einen Stadel mit bis zu 100 Quadratmetern Grundfläche ohne Genehmigungsverfahren errichten. Viele der fotografierten Stadel sind alt und ungeschützt dem Wetter ausgesetzt, und doch stehen sie noch. Gerade das verleihe ihnen ihre archaische Wirkung und Ausstrahlung.


Der Blick aufs Detail: ein Stadel im Schnee bei Garmisch-Partenkirchen. Foto: Helen von der Höden

Gebaut aus Notwendigkeit

Die Frage aus dem Untertitel beantwortet die Ausstellung mit ihren Motiven. Wer mit den begrenzten und oft harten Gaben der Natur wirtschaften muss, setzt auf Dauer und baut für lange Zeit. Ändern sich die Anforderungen, wird ein Stadel angepasst und weitergenutzt. Was Außenstehenden wie Sparsamkeit erscheinen mag, ist aus Notwendigkeit und praktischer Fantasie entstanden.
In genau diesen An- und Umbauten sieht Petra Steiner ein Vorbild für die moderne Architektur. Deshalb bat sie das Publikum um „zärtliche Blicke“ bei der Betrachtung ihrer Fotografien.

Fotoausstellung „Brauch und Gebrauch – Ist der Bauer geizig? “ von Petra Steiner im Rahmen des Schlierseer Kulturherbstes im Heimatmuseum Schliersee, Lautererstraße 6, 83727 Schliersee vom 15. bis 31. Oktober 2026. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr.

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Bitte besuchen Sie uns auf