So idyllisch wie es scheint, geht es nicht immer zu am Tegernsee - zumindest im Regionalkrimi

Fokus auf Regionalkrimi

So idyllisch wie es scheint, geht es nicht immer zu am Tegernsee – zumindest im Regionalkrimi. Foto: Der Tegernsee, Dietmar Denger

Neues Festival am Tegernsee

Das 1. Literaturfestival in Gmund am Tegernsee nimmt die idyllische Landschaft als Tatort ins Visier: Passend zum trüb-grauen Novemberwetter lesen in Gmund an unterschiedlichen Orten Krimischriftstellerinnen und -autoren aus ihren Werken. Auch Freunde von Sagen und historischen Geschichten kommen nicht zu kurz und die Jugend schreibt mit – sprich, es gibt ein vielfältiges Programm.

Idylle und Verbrechen liegen zuweilen nah beieinander und so ist der Tegernsee nicht nur Sehnsuchtsort, sondern auch Schauplatz von Verbrechen – jedenfalls zwischen den Buchseiten. Zu den Krimischriftstellern und Autorinnen, die ihre Protagonisten rund um den Tegernsee ermitteln lassen, gehört auch Sabine Eva Meier aus Gmund, Mitglied bei den Mörderischen Schwestern e. V. In Ihrem Krimi „Schuld und Schweigen“ löst Kommissar Bene Meihammer gemeinsam mit Schriftstellerin Lisa Wegner einen Fall, der ausgehend von der historischen Jagerschlacht in Gmund bis in die heutige Zeit nachwirkt.

Bei der Lesung von Sabine Eva Meier im Jagerhaus
Das Jagerhaus hat sich bereits bei der Premierelesung von „Schuld und Schweigen“ dicht gefüllt. Foto: Maria Prenzel

Die Verbindung zwischen Gmunder Ortsgeschichte und fiktivem Krimi wurde bei einer Lesung im Jagerhaus Gmund derart gut angenommen, dass Bürgermeister Alfons Besel schließlich auf die Literatin zukam mit der Idee, gemeinsam ein Literaturfestival für Gmund zu organisieren. Mit im Boot war von Anfang an auch Gmunds Kulturreferent Josef Stecher. Als Veranstaltungspartner wurden das Jagerhaus Gmund mit den Heimatfreunden Gmund e.V. und das Hotel Blyb. gewonnen – und damit perfekte Veranstaltungsorte für das kleine, feine Festival. Ein Arbeitskreis wurde gegründet, ein Teil der Finanzierung erfolgt über das LEADER-Programm.

„Da wir uns als erstes Thema den Regionalkrimi vorgenommen hatten und ich selbst in diesem Genre schreibe“, so Sabine Eva Meier, „hatte ich natürlich schon einige Namen im Kopf“. Auch Barbara Schäfer von der See-Buchhandlung in Rottach-Egern steuerte Vorschläge dazu bei. „Unser wichtigstes Kriterium war, dass die Krimis am Tegernsee spielen mussten, und da ist der Kreis der infrage kommenden Autorinnen und Autoren natürlich nicht allzu groß.“ Tatsächlich wären aber alle, die sie angefragt habe, sofort begeistert und mit dabei gewesen. Doch nicht nur um Krimis sollte sich alles drehen, auch die Regionalgeschichte sollte ihren Platz haben.

Was steht auf dem Programm?

Den Anfang macht am 12. November Birgit Mayr im Jagerhaus, die nach der offiziellen Begrüßung aus ihrem Krimi „Ein genussvoller Tod“ liest. Darin nehmen Kommissarin Erna Salvermoser und ihr Mops Ganghofer die Ermittlungen in einem Mordfall auf. Musikalisch begleitet sie Francesco mit Rock und Blues auf der Gitarre.

Literaturfestival Gmund mit einem Kinder- und Jugendprogramm
Mit Kindern und Jugendlichen erarbeitet ein Autorinnenduo kreative Texte. Kollage: Der Tegernsee, Sabine Ziegler-Musiol

Am 13. November geht’s am Nachmittag weiter im Jagerhaus mit dem Kinder- und Jugendprogramm „Erweckt eure Geschichte zum Leben!“ Angeleitet von den Autorinnen Petra Felsner und Selina Benda entwickeln Kinder und Jugendliche eigene Geschichten. Gemeinsam mit Schauspielerin Daniela März und Harfenistin Barbara Grabichler nimmt dann am gleichen Abend der langjährige Museumsführer im Markus Wasmeier Freilichtmuseum Hans Glanz das Publikum mit auf eine Reise in das bäuerliche Oberbayern um 1750 mit – einer Zeit, in der Glaube, Natur und harte Arbeit den Rhythmus des Lebens bestimmten.

Ursula Weber beim Literaturfestival in Gmund
Autorin und Erzählkünstlerin Ursula Weber. Foto: privat

Historisch-mystisch geht es am 14. November weiter im Jagerhaus. Von barbarischen Raubrittern und furchterregenden Geistern, Burgfräulein und Wilderern handeln die schaurigen Geschichten, welche Ursula Weber mit ihrer eindrucksvollen Erzählkunst zum Leben erweckt. Eine atmosphärische Verbindung zwischen Wort und Klang erschafft an diesem Abend der Tölzer Musiker Martin Regnat an der Ziach und Gitarre.

Gast beim Literaturfestival: Martin Calsow liest aus seinem neuen Quercher-Band
Martin Calsows Reihe um Max Quercher blickt hinter die Idylle des Tegernsees. Sabine Ziegler-Musiol

Eine Lesung mit Krimischriftsteller Martin Calsow eröffnet am 15. November die „Literarische Festlesung“. Der Wahl-Bad Wiesseer liest exklusiv aus dem neuen Quercher-Krimi „Quercher und die Erbgierigen“, an dem er derzeit arbeitet. Der Abend im Hotel Blyb. bietet zudem die Gelegenheit, mit den Autorinnen und Autoren beim „Krimi Talk“ ins Gespräch zu kommen, Bücher signieren zu lassen und den Abend bei einem Aperitif zu genießen. Mit dabei ist auch Krimiautor Andreas Föhr, dessen Kommissar Clemens Wallner mit Leonhard Kreuthner am Tegernsee ermittelt. 

Am 16. November schließlich liest Sabine Eva Meier im Hotel Blyb. aus „Schuld und Schweigen“. In dem packenden Regionalkrimi, fußend auf Gmunder Geschichte, müssen die Ermittelnden schnell erkennen, dass man in seiner Heimat ganz genau hinsehen muss, um die Wahrheit zu finden.


Festivalgründerin Sabine Eva Meier liest aus ihrem aktuellen Krimi. Foto: privat

Beim Festivalausklang am 17. November macht das Publikum Bekanntschaft mit Hauptkommissar Markus Kling, der am Tegernsee nach dem Mördern eines toten Tauchers fahndet. Jürgen Ahrens Regionalkrimi „Tegernsee-Verhängnis“ verbindet journalistische Präzision mit atmosphärischer Spannung, wobei der Tegernsee selbst zu einem der Hauptakteure wird. Im Anschluss an die Lesung klingt das Festival bei Gesprächen mit den Autorinnen und Autoren aus, begleitet von kulinarischen Spezialitäten aus der Küche des Backhauses sowie auf jede Menge mörderisch gute Drinks an der Blyb. Bar.

Beim Krimitalk
Drei Krimischreibende und ein Überraschungsgast beim Krimitalk im Blyb. Kollage: Der Tegernsee, Sabine Ziegler-Musiol

Begleitend zum Literaturfestival findet im Heimatmuseum im Jagerhaus Gmund die Ausstellung „Vom Papier zum Buch“ statt, federführend entwickelt von Kulturreferent Josef Stecher.

Wie geht’s weiter mit dem Festival?

„Wenn dieses Jahr alles gut anläuft, möchten wir das Literaturfestival fest im Gmunder Veranstaltungskalender verankern und künftig regelmäßig weitere Festivals veranstalten“, erläutert Sabine Eva Meier. Dabei sei geplant, jedes Jahr ein anderes Thema und Genre zu fokussieren. Außerdem ist ein Verein geplant, bei dem künftig die Organisation des Literaturfestivals angesiedelt sein soll. „Wir verteilen die Arbeit auf mehrere Schultern.“ Mehr verrät sie nicht an dieser Stelle. Es ist wie beim Krimi, ein kleiner Cliffhanger muss sein.

Das Literaturfestival findet vom 12. bis 17. November in Gmund statt. Die begleitende Ausstellung „Vom Papier zum Buch“ ist vom 06. bis zum 22. November im Jagerhaus Gmund zu sehen.

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