Die Herrlichkeit des Paradieses

Sixtus Lampl (1941-2026). Foto: Privat

Nachruf auf Dr. Sixtus Lampl

Am vergangenen Freitag ist Dr. Sixtus Lampl gestorben. Sein Tod hinterlässt eine Lücke im kulturellen Leben des Landkreises Miesbach und darüber hinaus. Ein Nachruf.

„Dass er die Herrlichkeit des Paradies erlebt.“ Mit diesem barocken Motiv betitelte KulturVision-Autorin Verena Huber ihren Artikel über die Konzertreihe bayerischer Barockmusik, die Dr. Sixtus Lampl im Jahr 2018 auf die Beine stellte. Das barocke Bayern habe neben den Höchstleistungen der bildenden Künste ebensolche in der Musik hervorgebracht, heißt es in dem Text. Und diese Höchstleistungen hör- und spürbar zu machen, gehört zu den Lebensleistungen des Begründers des Valleyer Orgelzentrums. Nahezu ein Universalgelehrter ist er gewesen, blickt man auf seine breite Ausbildung: Christliche Philosophie, Theologie, Kirchen- und Kunstgeschichte hat er studiert und in Musikwissenschaft promoviert. Thema der Promotion war die Klosterkirche Tegernsee.

Bewahrung der Musik

Klöster sind seit Entstehen des christlichen Mönchtums spätestens im 6. Jahrhundert nach Christus immer Orte des Geistes gewesen. Hier wurde universales Wissen gelehrt und konserviert, auch über in Sachen Bildung dunkle Zeiten hinweg. Hier spielte ein Verständnis von Musik eine Rolle, das heute mitunter in Vergessenheit gerät oder doch zumindest nicht mehr im Zentrum steht: Musik als klingendes Evangelium und vertontes Gebet. Und will man mit etwas religiösem Pathos formulieren, dann realisiert Musik die hörbare Präsenz Gottes auf Erden. Dr. Sixtus Lampl hat sich Zeit seines Lebens der Bewahrung dieser Musik verschrieben – was die Noten, aber auch was die Instrumente selbst angeht.

Einzigartiges Orgelzentrum – und Lebenswerk

Konservieren war integraler Bestandteil seines Lebens. Von 1977 bis 2006 arbeitete der 1941 in Westenhofen am Schliersee geborene Musikwissenschaftler als Konservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege und war in dieser Rolle für die Bewahrung von Baudenkmälern zuständig. Ab 1980 fielen auch Orgeln in seinen Zuständigkeitsbereich. Diese Arbeit ist auch der Ausgangspunkt des Valleyer Orgelzentrums. Denn als Konservator fiel ihm eine historische Orgel aus Landshut gewissermaßen in die Hände. Aus der einen Orgel wurden mit der Zeit immer mehr, 1987 kauften Sixtus und seine Ehefrau Inge Lampl das Alte Schloss in Valley, das heute über 60 historische Instrumente beherbergt – eine weltweit einzigartige Einrichtung. Mit der Gründung der „Dr. Sixtus und Inge Lampl Stiftung“ im Jahre 2021 sicherte er die Zukunft dieser weltweit einzigartigen Einrichtung. 2025 wurde ihm für sein Lebenswerk der Bayerische Verdienstorden verliehen, bereits seit 1997 war er Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Bewahren als Zugänglichmachen

Doch nicht nur die Instrumente hatten die Aufmerksamkeit des Konservators. Auch die Bewahrung historischer Noten aus dem Barock hatte er sich zur Aufgabe gemacht. Noten, die heute nur noch wenige Menschen lesen können, übertrug er in eine moderne Notation und machte sie so für heutige Menschen zugänglich. Bewahren hieß für ihn daher nie, Kulturerzeugnisse einzuschließen, sondern das Gegenteil: verfügbar machen, präsent halten, eben zugänglich machen. Dies gilt insbesondere für die Hörerfahrung: So begann er schon 1963 mit der Wiederaufführung unbekannter Werke aus bayerischen Klöstern. Daraus wiederum entstand Ensemble und Konzertreihe, die heute unter dem Namen „Musica di Baviera“ Freunde der Barockmusik entzücken. Legendär sind auch die von Dr. Sixtus Lampl organisierten Kulturfahrten, über die auch KulturVision berichtete.

Vorgeschmack auf das Paradies

Die Zeit des Barock ist geprägt von einer innigen Verbindung der damaligen Menschen zu Gott. Geprägt durch die aufkommenden Fortschritte in Philosophie und Wissenschaft, aber auch durch die Wirren der damaligen (zum Teil religiös motivierten) Kriege, entwickelten die barocken Menschen eine besondere Frömmigkeit. Sicher waren Dr. Sixtus Lampl die Feinheit barocker Frömmigkeit mehr als vertraut, hat er sie doch bewahrt und für uns Heutige zugänglich gemacht. Und so darf man sich sicher sein, dass er nun, wo er im Alter von 85 Jahren Jahren verstorben ist, die „Herrlichkeit des Paradieses“ selbst erlebt. Dafür, dass er zu Lebzeiten den Menschen einen Vorgeschmack darauf gegeben hat, wird er stets in Erinnerung bleiben.

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