
Reduziert auf das Maximum
Manfred Lenzer vor „Magic Okavango 01 und 05“ (Afrika). Foto: Reinhold Schmid
Foto-Ausstellung in Holzkirchen
Manfred Lenzer hat sich inzwischen einen Namen gemacht auf dem Feld der künstlerisch-experimentellen Fotografie. In der Abfüllerei in Holzkirchen zeigt er derzeit 18 ausgewählte Arbeiten aus seiner Serie „Reduziert auf das Maximum“. In ihnen zeigt er eindrucksvoll, dass ein Bild viel eher von seiner Gesamtwirkung lebt als von einer Ansammlung von Details.
Seine beruflichen Wurzeln, die auch von der Fotografie geprägt waren, hat er längst verlassen: Manfred Lenzer, 1955 in Köln geboren, studierte Fotoingenieurwesen und war 36 Jahre lang Leiter der forensischen Fototechnik im Bayerischen LKA. Schon in dieser Zeit habe ihn die „kreative Seite“ der Fotografie als Ausgleich zum rein technisch-wissenschaftlichen Fotografieren, wo es um kleinste Details geht, immer begleitet, so der Otterfinger Künstler. „Die Kunst des Sehens“, die künstlerische Fotografie, ist es nun schon seit langem, die ihn antreibt und fasziniert.

„Mystic Damaraland“ (Afrika), 50 x 100 cm. Foto: Reinhold Schmid
Liebe zum Detail
Die Vernissage in der Holzkirchner „Abfüllerei“ war überschaubar besucht, dies aber von sehr interessierten Besuchern. Das ZAMMA-Festival und Biergarten-Wetter schienen in der Übermacht zu sein. Manfred Lenzer erklärte in seiner kurzen Einführungsrede, worum es ihm in seiner vierten großen Serie nach „Bella Italia“, „Völlig losgelöst“ und „Vergängliche Schönheiten“ geht, und begann mit zwei Zitaten: „Der springende Punkt beim Fotografieren ist, dass du die Dinge nicht mit Worten erklären musst.“ (Elliot Erwitt) und „Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“ (Albert Einstein). In der aktuellen Serie „Reduziert auf das Maximum“ verzichtet der Fotokünstler konsequent bis radikal auf die Wiedergabe von Details, beschränkt sich auf das große Ganze und erzielt damit eindrucksvolle Ergebnisse. Manchmal möchte man meinen, man habe es mit reduzierter Landschaftsmalerei zu tun.

„Der Sommer“, 44 x 54 cm. Foto: MZ
Farbe, Form und Licht
„Inzwischen bilde ich Dinge und Szenen ab, die zwar real existieren, aber als Momente und Emotionen so nur für mich sichtbar sind. Dabei habe ich meistens schon das spätere Bild im Kopf. Und manchmal bin ich selbst überrascht, wie gut es das zeigt, was ich empfunden habe“, erklärt er. Und weiter: „Es gibt nichts Langweiligeres als messerscharfe Fotos“, bekennt er und reduziert seine Fotos auf das Wesentliche, das was das menschliche Auge als erstes wahrnimmt, nämlich Farbe, Form und Licht. Details betrachtet er zunächst einmal als völlig uninteressant.

„Corona 06“, 60 x 70 cm. Foto: Reinhold Schmid
Details weglassen
Ein Paradebeispiel dafür ist „Corona 06“, das einzige Winterbild in der Ausstellung und in der Coronazeit gemacht. Es besticht durch eine einzigartige Klarheit und Schlichtheit, zeigt zwei Klappstühle und ihre Schatten. Details: keine, Komposition: beeindruckend.
Für den Otterfinger gibt es zwei Möglichkeiten, Details wegzulassen: „Entweder haben die Bilder gleich in der Kamera keine oder sie werden später bei der Vorbereitung für den Druck entfernt.“ Für die erste Variante verfügt er über eine Vielzahl von geeigneten Kameras. Um die maximale optische Wirkung zu erzielen, arbeitet der 70-Jährige mit hochwertigen Materialien wie Chromaluxe und gebürstetem Aluminium, was manchmal – je nach Lichteinfall – zu verblüffenden unterschiedlichen Anmutungen führt.

„An der Mangfall“ und „Mystic“ (Jasberg). Foto: Reinhold Schmid
Motive aus Nah und Fern
Um seine Motive zu gewinnen, ist Manfred Lenzer viel unterwegs. In der kleinen Holzkirchner Ausstellung hängen Bilder aus der unmittelbaren Umgebung, wie dem Jasberg oder der Mangfall, genauso wie aus Südtirol, Nord- und Ostsee, Dänemark und sogar Afrika. Vier großformatige Abzüge im Format 50 x 150 cm vermitteln einen Eindruck von der Weite und Farbenpracht dieses Kontinents.