
Schatzkistl lokaler Historie
Gut Georgenberg in der Gemeinde Glonn. Foto: Hermine Weil.
Buchrezension
Einen ganz persönlichen Blick auf die Welt, der Bekanntes aber nicht immer Präsentes in Erinnerung ruft und Überraschendes parat hält, bietet Hermann Weil mit seinem Buch „Glonn, Georgenberg und der Rest der Welt“. Ebenso einen Fundus lokaler und regionaler Historie.
Persönlich geprägte Spurensuche als Entdeckungsreise durch die Zeiten
„Glonn, Georgenberg und der Rest der Welt“, eine Historie vom Urknall bis 2025 – das klingt erst einmal nach äußerst viel. Wie soll es bewältigt werden? Mit persönlicher Auswahl des Autors, die informativ und unterhaltsam zugleich ist. Thematisiert werden die Schrecken der Vergangenheit, ebenso Kurioses und Rührendes. Zur großen Welt gesellt sich die Region, die Landkreise Rosenheim, Miesbach, Tölz, München und Ebersberg. Hier noch mit eigenem Blick auf Glonn und dessen Gemeindeteil Georgenberg, mit dem gleichnamigen Gut der Lebensmittelpunkt des Autors seit 30 Jahren.
Eine durchaus stimmige Wahl für Hermann Weils abwechslungsreiches Leben, das ihn von seiner Geburtsstadt München aus auf alle fünf Kontinente führte. Er studierte Wirtschaftswissenschaften, war als Reiseleiter in Russland tätig, entschied sich dann für ein Medizinstudium, führte nach seiner Heilpraktikerausbildung eine eigene Praxis, wollte wieder in die Welt und organisierte Motorradreisen rund um den Globus. Schließlich konzentrierte er sich auf die Landwirtschaft, kaufte 1996 Gut Georgenberg. Nun, als „Austragler“, kann er seit 2020 einer weiteren Leidenschaft nachgehen – dem Schreiben.
In seinem neuen Werk befasst sich Hermann Weil nun mit seiner Heimat, möchte aber – wie sollte es anders sein – den Blick auf die Welt natürlich nicht missen. Als den „Versuch einer Spurensuche“ sieht er sein Buch. Die gerät individuell, weltoffen, gedankenvoll und mit dem nötigen Quäntchen Humor. Sie ist bewusst nicht als exakte, wissenschaftliche Abhandlung angelegt. Vielmehr ist „Glonn, Georgenberg und der Rest der Welt“ eine geschichtliche Entdeckungsreise durch die Zeiten.

Autor Hermann M. Weil. Foto: Hermine Weil.
Verschmelzung von klein und groß, von Schrecken und Hoffnungsvollem
Lange Zeit ging es in der Geschichtswahrnehmung vornehmlich um Größe, Masse, Prominenz, das Globale, berühmte Persönlichkeiten. Dem entgegengesetzt steht der zunehmende Trend einer bewussten Hinwendung zum Lokalen und dem Leben der „kleinen Leute“. In „Glonn, Georgenberg und der Rest der Welt“ kommt es kalendarisch aufgebaut zur Verschmelzung.
Die Parallelität der Geschehnisse zeigt die unabdingbare Verwobenheit der großen und kleinen Einheiten, die Auswirkungen des Weltgeschehens auf das Leben vor Ort. Genauso aber, dass die Menschen in den hiesigen Städten und Gemeinden oft andere Sorgen und Prioritäten hatten, eben ihr ganz eigenes Leben.
Georgenberg und der Rest der wWlt
So gibt es anhand der Geschichtstafeln des Buches viel mitzuerleben und zu erfahren. Entsetzliches und im kollektiven Bewusstsein Verankertes wie Kriege und die Pest, aber genauso bahnbrechende Erfindungen wie den Buchdruck in China, die erste Brille im Mittelalter oder die sukzessive Elektrifizierung in der Region. Auch Kurioses, etwa dass Marylin Monroe und Königin Elizabeth II. sich das Geburtsjahr teilten oder in Österreich einst Linksverkehr die Regel war.
Die Besiedlung der Glonner Gegend um 3.500 vor Christus steht der Einführung der Keilschrift und der Hieroglyphen gegenüber. Rosenheim wird als Siedlung gegründet (1234), während sich Friedrich II. beständig mit dem Papst streitet. Die geschichtliche Reise im Buch führt von Europa nach China, zu den Azteken, nach Afrika und wieder in heimische Gefilde. So wird 1822 in Großkarolinenfeld die erste evangelische Kirche Oberbayerns geweiht, ein Jahr nach der Geburt Fjodor Dostojewskis oder 1953 in Glonn das erste Volksfest nach dem Krieg abgehalten, im Todesjahr Stalins.

„Glonn, Georgenberg und der Rest der Welt“ von Hermann M. Weil. Foto: Hermine Weil.
Auf 438 Seiten reist man mit Hermann M. Weil und „Glonn, Georgenberg und der Rest der Welt“ durch kleine und große Ereignisse. In kurzen Absätzen werden diese nie zu langatmigen Abhandlungen, sind mal mahnender, mal kurzweiliger Natur. Ein Buch zum Schmökern für Lesende mit vielfältigem Geschichtsinteresse.