„Ohne Kultur kann man nicht leben“

Diskutierten beim Valleyer Kulturpodium: Angela Falkenhahn, Franz Schnitzenbaumer, Moderatorin Monika Ziegler, Thomas Tomaschek und Jens Zangenfeind (von links nach rechts). Foto: Petra Kurbjuhn

Kulturpodium in Valley

Dass Kultur im Landkreis Miesbach eine große Bedeutung hat, darin waren sich alle Teilnehmer des Kulturpodiums einig. Auf Einladung von KulturVision diskutierten vier Politiker über die Gestaltung von Kultur und Kulturförderung. Bei viel Einigkeit zeigten sich auch einige Unterschiede.

Diskussion und Musik beim Kulturpodium

Eine Frau und drei Männer sitzen auf dem Podium im Valleyer Schlossbräu, daneben die drei Musiker von „Watching the Cat“, die für eine musikalische Einordnung der Diskussion sorgen. Etwas Nervosität ist zu spüren, schließlich wollen die vier Diskutanten bei der Kommunalwahl im kommenden März ins Landratsamt einziehen. Angela Falkenhahn (SPD), Franz Schnitzenbaumer (CSU), Thomas Tomaschek (Grüne) und Jens Zangenfeind (FWG) kandidieren für das Amt des Miesbacher Landrats, jetzt sitzen sie auf dem Podium in Valley und diskutieren über den Wert von Kultur.

Kultur als Daseinsfürsorge

Das Kultur von besonderer Bedeutung ist, betonten dabei alle Kandidaten. Jens Zangenfeind, seit 2014 Bürgermeister der Gemeinde Hausham, sah in der Kultur eine tragende Säulen der Gesellschaft. In der Kultur erhalte man Gedankenanregungen und lerne Anstand und Respekt, so Jens Zangenfeind. Für Thomas Tomaschek, Gemeinderat in Rottach-Egern und Mitglied des Kreisrates, gehört Kultur zur Grundversorgung, denn “ohne Kultur kann man nicht leben”, sagte der Grüne. Franz Schnitzenbaumer, seit 2006 Bürgermeister von Schliersee, wiederum sah in der Kultur “das Salz in der Suppe”, das die Gedanken freier mache. Und Angela Falkenhahn, Gemeinderätin in Valley, erhob Kultur zur Daseinsfürsorge – die indes aus ihrer Sicht im Landkreis zu wenig Bedeutung erhalte.


Angela Falkenhahn (links) und Franz Schnitzenbaumer halten Kultur für wichtig. Foto: Petra Kurbjuhn

Kulturförderung optimieren

Hier setzte Monika Ziegler, Vorsitzende von KulturVision und Moderatorin des Kulturpodiums, an. Ob denn Kultur nicht auch ein Faktor für die Wirtschaftsförderung sei, fragte sie zunächst in die Runde der Politiker. “Klar, das ist ein Standortfaktor”, brachte Jens Zangenfeind die Meinungen der Podiumsteilnehmer auf den Punkt. Doch Monika Ziegler hakte nach: “Was können wir tun, um die Kulturförderung zu optimieren”, wollte sie wissen. Sie verwies darauf, dass es im Landkreis Miesbach – im Gegensatz zu vielen anderen Landkreisen in Bayern – kein staatliches Kulturmanagement gibt. Heißt: Weder für Fragen zu finanzieller Fördermöglichkeiten noch für rechtliche Fragen oder sonstige Bedarfe Kulturschaffender gibt es im Landratsamt eine zentrale Anlaufstelle.

Landratsamt oder REO?

Dies wollen die vier Politiker ändern, so war ihren Äußerungen auf dem Valleyer Kulturpodium zu entnehmen. Angela Falkenhahn verortete das künftige Kulturmanagement im Landratsamt. Das sah auch Thomas Tomaschek als “angebracht und angemessen” an und versprach: “Wenn ich gewählt werde, schaffe ich eine solche Stelle”. In eine etwas andere Richtung argumentierte Jens Zangenfeind. Er schlug vor, im künftigen Kreistag eine Referentenstelle für Kultur einzurichten und die Koordination der Kultur bei der Regionalentwicklung Oberland (REO), einem Kommunalunternehmen des Landkreises Miesbach, anzusiedeln. “Dabei muss der Landrat der oberste Kulturförderer sein”, ergänzte Jens Zangenfeind. Dem stimmte auch Franz Schnitzenbaumer zu. Es sei der richtige Weg, die REO zu beteiligen. “Man muss ihnen halt den Auftrag dazu geben, sich um Kultur zu kümmern”, hielt der 63-jährige fest.


Thomas Tomaschek (links) und Jens Zangenfeind diskutieren auf dem Kulturpodium über die Zukunft der Kulturförderung im Landkreis Miesbach. Foto: Petra Kurbjuhn

“Was uns fehlt, ist ein Wacken”

KulturVision hatte im Vorfeld der Podiumsdiskussion Kulturschaffende dazu aufgerufen, Fragen an die Kandidaten einzureichen. Eine davon befasste sich mit der Unterstützung des Landkreises für ein mögliches Musikfestival. “Wir haben davon schon einige, aber was uns fehlt, ist ein Wacken”, lautete Thomas Tomascheks Antwort darauf. Wacken ist ein berühmtes Heavy Metal-Festival im Norden Deutschlands. Der Kulturmanager könnte sich eigenen Aussagen zufolge so etwas vorstellen und verwies dabei auf die Notwendigkeit, Unternehmen in die Finanzierung von Kulturveranstaltungen einzubinden: “Wir brauchen mehr von solchen Public-Private Partnerships (PPP)”. Würde man auch die Partnerlandkreise und Partnergemeinden einbinden, wäre das aus Sicht Jens Zangenfeinds ein “Beitrag zum gelebten Europa”. Auch für die Etablierung eines Regionalmuseums zur Geschichte und Kultur des Landkreises zeigte sich der Haushamer Bürgermeister offen.


Das Valleyer Schlossbräu war gut gefüllt mit interessierten Besuchern aus der Kultur. Foto: Petra Kurbjuhn

Rolle der Kulturstiftung

Als Thema kam während des Valleyer Kulturpodiums immer wieder die jüngst gegründete Kulturstiftung auf. Wie berichtet stimmte der Kreistag Ende des vergangenen Jahres für die Gründung einer Kulturstiftung. Ihre Aufgabe besteht in der finanziellen Unterstützung der Landkreiskultur. Zuschauer Georg Alt wollte wissen, ob die Podiumsteilnehmer im Falle ihrer Wahl zum Landrat etwa bei Charity-Events für die Stiftung werben würden. Das bejahten die Podiumsteilnehmer, Jens Zangenfeind sah Kultur als Chefsache an. Mit-Kandidat Thomas Tomaschek verwies darauf, dass die Kulturstiftung unabhängig arbeiten soll, weswegen der Landrat nicht Teil des Stiftungsrats sei. Dem gehören Kulturförderer und -schaffende wie etwa BR-Moderator Stefan Scheider und Girgl Ertl (Weyhalla) an.

Kultur als Demokratieförderung

Wie es um die Erinnerungskultur bestellt sei, wollte Zuschauer Matthias Bär wissen: “Was wollen Sie tun, um zu verhindern, dass unsere Gesellschaft in den Rechtsextremismus rutscht”, fragte er. Auch hier zeigte sich Einmut unter den Landratskandidaten: Kultur komme eine wesentliche Rolle bei der Demokratieförderung zu, wie Moderatorin Monika Ziegler zusammenfasste. Wichtig, so war von den Gesprächspartnern zu hören, seien etwa geeignete Veranstaltungen und das wiederholte Erinnern an die Geschichte. Mit diesem Aufruf endete denn auch das Kulturpodium. Ob die Wahlentscheidung der Zuschauer durch das Podiumsgespräch beeinflusst wurde? Man wird es vermutlich nie erfahren. Monika Ziegler jedenfalls habe die Entscheidung bereits getroffen, berichtete sie. “Ich verrate sie aber nicht”, ergänzte die KulturVision-Chefin.

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