Ludwig

Ein einzigartiges Experiment

Ludwig II (Sebastian Schlagenhaufer) auf der Couch von Dr. von Gudden (Ramon Bessel). Foto: Stefan Rossmann

Theater in Miesbach

In dem Zweipersonenstück „Ludwig II – Der bayerische Patient“ treffen posthum König Ludwig II und Nervenarzt Dr. Bernhard von Gudden aufeinander. Am 30. Januar dürfen Sie dabei sein, wenn Sebastian Schlagenhaufer (SSch) als König und Ramon Bessel (RB) als sein Arzt sich wiederbegegnen. Im Interview machen sie darauf neugierig.

MZ: Wie seid Ihr auf die Idee mit diesem Theaterstück gekommen?
SSch: Ich habe schon vor 15 Jahren König Ludwig auf der Kleinkunstbühne gespielt und wollte ein Einpersonen-Kabarett schreiben, bin dann aber auf ein Buch über Dr. Gudden gestoßen und diese Person hat mich interessiert. So ist aus dem Einmann Kabarett ein Zweimann Theaterstück geworden.

MZ: Das Ende der beiden ist ja ungeklärt, wie endet dein Stück?
SSch: Das war das Problem, denn ich hatte das Stück schon 2019 fertig geschrieben und wir haben es erst vor einem Jahr uraufgeführt. Die beiden treffen sich heute in Form einer Therapiesitzung wieder und vielleicht können sie am Ende zur Klärung der Todesumstände beitragen.

Ludwig
Gemeinsam auf der Couch. Foto: Stefan Rossmann

MZ: Wie kann der König zu einer Therapiesitzung bewegt werden?
RB: Ludwig denkt, er sei zu einer Audienz geladen, in der er über sein Leben berichten soll. Dabei geht es auch um Parallelen zur heutigen Zeit und wie sein Leben aus heutiger therapeutischer Sicht einzuordnen ist, etwa ob er geisteskrank war, seine Homosexualität oder seine Beziehung zu Sisi. Der Tod ist nur das Finale.

MZ: Und wie findet sich Ludwig II heute?
SSch: Er kommt, um die Dinge ins rechte Licht zu rücken und findet sich super, sieht keinen Grund zur Veränderung.
RB: Beide, der König und der Arzt leben in ihrer geistigen Welt von vor 145 Jahren, sind keine anderen geworden. Nach indischer Philosophie braucht es Hunderte von Reinkarnationen, um nur Kleinigkeiten des Wesens zu verändern.

Ludwig
Im Disput. Foto: Stefan Rossmann

MZ: Wo treffen sich die beiden denn?
RB: Darüber reden wir nicht. Sie sind sehr vertraut, hatten ja genügend Zeit zur Reflektion. Auch Gudden hält viel von sich. Er war ein bahnbrechender Wissenschaftler und Psychiater, seiner Zeit weit voraus. Er hatte ein modernes Verständnis für den Umgang und die Unterbringung von psychisch Kranken, so sprach er sich dafür aus, Fixierungen nur für den äußersten Notfall anzuwenden.

MZ: Woher habt Ihr Eure Informationen?
SSch: Es ist alles historisch korrekt, aber für das Theater zurechtgerückt. Ich habe aus Ludwigs Tagebüchern und dem Briefverkehr mit Sisi recherchiert.
RB: Gudden hat im Stück einen Aktenschrank und zitiert wörtlich. Wir haben oft im Publikum Experten sitzen, die kritisieren wollen, aber sie waren immer begeistert von unserem Mix aus der korrekten Wissenschaft und Unterhaltung. Beispielsweise geht es um die Homosexualität Ludwigs, mit der er als König Probleme hatte. Und es gibt auch einiges zum Lachen, aber nicht auf Kosten der beiden Figuren, sondern weil das Leben komisch ist. Neulich war jemand von einem historischen Verein aus Oberfranken da und hat uns in eine Klinik eingeladen.
SSch: Das ist die erste Klinik, die Gudden geleitet hat und dort ist er immer noch sehr präsent. Wir lassen ihn nicht schlecht wegkommen, er stand unter den Zwängen des politischen Räderwerks.


Gudden auf der Couch. Foto: Stefan Rossmann

MZ: Was heißt das konkret?
RB: Es ist ungerecht, den Arzt heute als Henker Ludwigs hinzustellen. Er hat das Gutachten, das seinerzeit zur Entmündigung des Königs führte, als Ferndiagnose angefertigt, weil Ludwig nicht zur Verfügung stand. Jetzt leidet er unter seinem Ruf und es wollen sich beide rehabilitieren. Ludwig ist nicht verrückt und Gudden ist nicht sein Henker. Beide haben das dringende Anliegen, mit den Menschen von heute zu sprechen. Und so landet Gudden dann sogar selbst auf der Therapiecouch.

MZ: Wie kommt das Stück beim Publikum an?
RB: Wir hatten vor einem Jahr Premiere und haben es etwa 15-mal gespielt, sind für dieses Jahr schon 26-mal gebucht. Wir sind erstaunt, wie identitätsstiftend das Thema in Bayern ist. Ludwig ist eine wichtige Person in der Selbstwahrnehmung der Menschen.

MZ: Das Stück hat auch humoristische Züge?
RB: Es gibt Bezüge zur Jetztzeit mit kleinen kabarettistischen Ansätzen. Die beiden kommentieren Dinge und lassen Sprüche ab.
SSch: Zum Beispiel werden Ludwig seine teuren Bauten vorgeworfen und er sagt: Ich habe mit eigenem Geld gebaut und heute wird mit fremdem Geld gebaut. Und: Es gibt genug Geld auf der Welt und wenn es nicht hier ist, ist es woanders.

MZ: Gibt es auch Musik?
RB: Musik wird eingespielt von Jost Hecker am Cello, es sind ausschließlich Variationen zum Walkürenritt von Richard Wagner und sie dienen als Kapitelmarker.

Sebastian Schlagenhaufer ist Autor, Kabarettist, Schauspieler und Moderator. Ramon Bessel ist Musikkabarettist, Musiker und Schauspieler. Wenn Sie Zeuge dieses einmaligen Experiments werden wollen, am 30. Januar um 20 Uhr haben Sie die Gelegenheit im Kulturzentrum Waitzinger Keller in Miesbach.

Zum Weiterlesen: Kabarett im Dritten Reich und heute in Waakirchen

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