
Kreativität kennt keine Grenzen
Zur Vernissage: Sabine Tomaschek, Violeta Prytula, Abderrahmen Ben Toumia, Viktor Tertychniy, Valerie Kovdrya, Svitlana Sobetska, Max Niedermeier, Yuliia Shkafar, Olga Kasperchuk. Nicht auf dem Bild sind Zhanna Fiedosova-Mamedova sowie Alona Liashenko und Max Fischer, die zusammen Fishenko sind. Foto: PIA e.V.
Ausstellung in Tegernsee
Künstlerinnen und Künstler mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund waren eingeladen, sich mit ihren Werken im Alten Schalthaus in Tegernsee zu präsentieren. Zu verdanken ist die Initiative dem Förderverein PIA e.V., Pakt für Integration und Arbeit.
Deren 1. Vorstand Max Niedermaier erklärt gemeinsam mit Veronika Bauer, 2. Vorstand, und Organisator der Ausstellung Sabine Tomaschek im Grußwort, dass ihnen kulturelle Teilhabe und Integration ein besonderes Anliegen ist. Kunst als universelle Sprache könne Brücken bauen, Menschen verbinden und zum Nachdenken anregen.
So sollte die Ausstellung nicht nur eine Präsentation von Malerei, Fotografie und Gedichten sein, sondern es solle auch ein Raum der Begegnung, des Austauschs und der Wertschätzung geschaffen werden.

Kovdria Valeriia: Kalte Spiegel. Foto: MZ
Kovdria Valeriia kommt aus dem Gebiet Donezk in der Ostukraine und studiert Jura. Sie kam 2022 nach Bayern und arbeitet mit der renommierten Künstlerin Ekaterina Zacharova aus Gmund zusammen. Kunst sei für sie mehr als ein Hobby, sagt sie, sie drücke Gefühle, Gedanken und Erinnerungen aus. Ihre Bilder sind von Melancholie gezeichnet. Landschaften im Nebel, gespiegelte Eisflächen, aber auch Stillleben.

Olga Kasperchuk: Fotografie. Foto: MZ
Olga Kasperchuk wurde 1986 in Mykolajiw, der Stadt der Schiffbauer, geboren und studierte in Kiew Kartografie und Geodäsie. Sie absolvierte auch eine Ausbildung zur Fotografin und zum Coach für metaphorische Karten. Dies bereichere ihre kreative und emotionale Sicht in der Kunst, sagt die Mutter dreier Kinder, die 2022 nach Bayern kam. Mit ihrer Fotografie habe sie für sich eine Möglichkeit geschaffen, die Welt tiefer zu sehen und zu fühlen. Die Fotografin präsentierte Fotografien von Landschaften und Personen.

Svitlana Sobetska: Stickbild. Foto: MZ
Svitlana Sobetska stammt aus Odessa, dort studierte sie Wirtschaft und Management, absolvierte eine Ausbildung in Psychologie und lernte im Atelier eines Malers. Sie sagt: „In meiner Kunst verbinde ich Lebenserfahrung, Psychologie und Gefühl – ein Weg, das Unsichtbare sichtbar zu machen.“ In der Ukraine betreute sie bereits Integrationsprojekte für Geflüchtete. Sie zeigte Malerei in Tusche und Aquarell, Tierbilder und Stillleben, sowie Stickbilder in Tegernsee.

Violeta Prytula: Gedicht. Foto: MZ
Violeta Prytula ist 20 Jahre alt und wurde in der ostukrainischen Stadt Dnipro geboren. Seit ihrer Kindheit interessiert sie sich für Literatur und besuchte kreative Kurse und Veranstaltungen. Jetzt habe sie begonnen, Gedichte zu schreiben, sagt sie und freue sich, dass sie einige davon in ukrainischer Sprache und deutscher Übersetzung vorstellen dürfe.

Abderrahmen Ben Toumia: „Autoportrait écorché. Foto: MZ
Abderrahmen Ben Toumia kommt aus Tunesien. Er studierte Bildende Kunst und Grafikdesign in Frankreich und Tunesien, nahm an mehreren internationalen Festivals teil und erhielt den 1. Preis im Wettbewerb für arabische Kalligrafie. Er zeigte in Tegernsee die beeindruckende Serie „Autoportrait écorché“, auf Deutsch „Selbstporträt gehäutet“, in denen er Muskelstränge und Knochen freilegt.

Zhanna Fiedosova-Mamedova: Herbstmorgen am Schliersee. Foto: MZ
Zhanna Fiedosova-Mamedova wurde in Kiew geboren und studierte Design und bildende Kunst, absolvierte eine Weiterbildung in Keramik und ließ sich zur Kunsttherapeutin ausbilden. Mit ihrer Marke „Fedosova Illustration & Design“ nahm sie an zahlreichen Ausstellungen teil. Nach Beginn des Krieges engagierte sie sich bei UNICEF in Kunsttherapie und leitet auch jetzt in Schliersee kreative Workshops. Inspiriert von der Bayerischen Landschaft malt sie in Öl und Aquarell.

Fishenko: ?AI = IA?. Foto: MZ
Fishenko ist der Name des Künstlerpaares Alona Liashenko und Max Fischer, das gemeinsam Werke mit Markern und Buntstiften zeigte. Sie kommt aus Charkiv und studierte Architektur, war als Innenarchitektin, Grafikdesignerin, im Bereich Animation, Cartoon- und Kurzfilme tätig. Er kommt aus München und studierte Lehramt, ist als Lehrer an einer Mittelschule tätig. Sie zeigten miteinander verbundene Bilder, in denen sie Assoziationen zu AI und Variationen zu Ice cream illustrieren.

Viktor Tertychnyi: Malerei. Foto: MZ
Viktor Tertychnyi wurde in der ostukrainischen Stadt Lugank geboren, studierte Maschinenbau und war als Führungskraft im Werkzeugmaschinenbau tätig. Mit seiner Frau zog er 2013 nach Ausbruch des Krieges nach Charkiv, wo er eine künstlerische Ausbildung in Petrikov-Malerei absolvierte. Als der Krieg 2022 ausbrach, floh das Ehepaar nach Otterfing, wo er bis heute an Ausstellungen teilnimmt. Neben der Petrikov-Malerei sind es in erster Linie Blumen, die er malt.
Zur Vernissage sagte Organisatorin Sabine Tomaschek: „Die Gemälde, Fotografien und Gedichte laden uns ein, innezuhalten, genauer hinzusehen und den eigenen Empfindungen nachzuspüren. Sie erzählen von Hoffnung, von Sehnsucht und von der unerschöpflichen Kraft der Fantasie. Und das vielleicht schönste Zeichen des Erfolgs: Bereits jetzt haben sich weitere Kunstschaffende gemeldet – ein klares Signal dafür, dass dies nicht die letzte Ausstellung dieser Art sein wird.“
„Gehen Sie aufeinander zu“
Die Koordinatorin des Netzwerkes Integration bei PIA e.V. stellte die Frage: Was bedeutet eigentlich Integration? „Integration heißt, Menschen in eine Gemeinschaft einzubinden – ihnen das Gefühl zu geben, dazuzugehören. Und was kann Menschen stärker verbinden als Kunst – ob Musik, Malerei oder Poesie – die wir gemeinsam erleben?“
Sie rief dazu auf: „Gehen Sie aufeinander zu, nehmen Sie sich einen Moment, schenken Sie ein Lächeln – so beginnt echte Gemeinschaft.“
Zur Vernissage musizierte eine kleine ukrainische Band mit Mariia Bashlyk von der Caritas, Viktor Tertychnyis Frau Olga Krupko am Piano und Svitlana Koreiba an der Bandura.
Zum Weiterlesen: Olga Krupko und Viktor Tertychnyi in der 44. Ausgabe der KulturBegegnungen, Seite 6