„100 Tage Heimat“: ein Wandertipp

100 Tage Heimat

100 Tage Heimat mit Jens Franke und Aiko. Foto: Jens Franke

Wander- und Lesetipp von KulturVision

Heute gehen die Schulferien zu Ende, aber vielleicht hat so mancher Lust, sich im Nachsommer auf Wanderschaft zu begeben. Jens Franke hat es vorgemacht und „100 Tage Heimat“ erkundet.

Einhundert. Die Zahl hatte an sich schon etwas Faszinierendes. Jens Franke wollte sich nach den ersten zehn Arbeitsjahren eine Pause gönnen. Zehn intensive Jahre als Entwickler, Berater und Hochschuldozent. Einhundert Tage Auszeit. Lang genug, um Abstand zu bekommen, und doch nicht zu lang, um den Anschluss an die digitale Medienwelt zu verlieren.

Fußreise mit Aiko

Doch wohin? Schon immer hat es ihn in wilde Landschaften gezogen. Nach Österreich, Island, Schweden und Norwegen, zu Fuß, auf Skiern und im Kanu. Diesmal sollte es eine logistisch leicht praktikable Lösung sein für eine gemeinsame Fußreise mit Aiko, seinem damals fünfjährigen Husky. Da kam ihm Deutschland in den Sinn, das unbekannte Heimatland.

100 Tage Heimat
Aiko schließt Freundschaft. Foto: Jens Franke

Das war zugleich der Moment, als in seinem Arbeitszimmer in Hannover eine Pinnwand entstand, die sich von Tag zu Tag mit Fotos und Ideen füllte, bis die grobe Route durch Natur- und Nationalparks stand. Startpunkt war der geografische Mittelpunkt Deutschlands, das Dorf Niederdorla in Thüringen. Ihn reizte der Gedanke, an einem Mittelpunkt loszulaufen.

Aiko trug während den hundert Tagen brav seinen eigenen Rucksack mit faltbarem Fressnapf, Futter, Schlafplatz und Kuscheltier. Das sorgte immer wieder für neugierige Blicke und interessierte Gespräche auf der Wanderung. Jens Franke ist ein aufmerksamer Beobachter. Er reflektiert und beschreibt detailliert Orte und Landschaft, Wetterverhältnisse und allerlei Begegnungen am Wegesrand.

100 Tage Heimat
Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich. Foto: Jens Franke

Kurzweilig, humorvoll und informativ sind auch seine Beschreibungen der jeweiligen regionalen Küche. Man bekommt sowohl Lust zum Wandern als auch Appetit: Auf Köstritzer Schwarzbier zum Thüringer Rostbrätl ebenso wie zum Gang im schwankenden Baumkronenpfad im Hainich Nationalpark.

Auf den Ahornboden im Karwendel samt Tiroler Kasspatzln oder ein Bad im Kratzmühlsee. Von Thüringen aus ging es zuerst einmal weiter ins Altmühltal und die Fränkische Schweiz. Herr und Hund durchwanderten das Fünfseenland, das Werdenfelser Land und das Karwendelgebirge. Da wusste Jens Franke noch nicht, dass er seinen Wohnort auch geografisch bald in die Nähe verlegen würde.

Jens Franke
Autor und Fotograf Jens Franke. Foto: Jens Franke

Gemeinsam bestiegen sie die Zugspitze, schwammen in der Donau. Am Titisee fotografierte Jens Franke spektakulär die Morgenstimmung. Bewanderte mit Aiko den Pfälzer Weinsteig und den Hunsrück, um bei Bad Wildungen im Edertal 100 Tage später die Wanderung zu beenden. Das letzte Foto: Nebel über dem Edersee. Wehmut liegt darin.

Zunächst hatte Jens Franke nicht im mindesten daran gedacht, dass aus der hunderttägigen Wanderung eine publizierte Liebeserklärung an Deutschlands wilde Schönheit würde. Lediglich einen Blog wollte er schreiben, als Reisetagebuch für sich selbst, Freunde und Familie. Naturfotografie gehörte seit jeher zu seinen Reisen.

Schönheiten Deutschlands

10.000 Fotos mit der Kamera sind es dann geworden und noch mal 8.000 mit dem Smartphone. Aus den regelmäßigen Blogeinträgen, die er am Abend jedes Tages im Internet vornahm, wurde während der Wanderung irgendwann ein stichpunktartiges Festhalten auf Papier. Das Nachdenken und an Worten feilen verdrängte einerseits das Erlebte und setzte ihn andererseits unnötig unter Druck.

Schließlich war er mit Aiko losgelaufen, die Schönheiten von Deutschlands Natur zu erkunden. Dass aus dem Blog schlussendlich ein Buch wurde, hat er seinen zahlreichen aufmerksamen Lesern zu verdanken, die das Thema an ihn herantrugen.

National Geographics

Zugleich wurde der Malik Verlag mit der Reihe „National Geographic“ auf ihn und den fotografisch hervorragend dokumentierten Blog aufmerksam. Sie fragten an, ob er ein Exposé einreichen wolle. So ist aus der Reise am Ende mehr als die Summe ihrer Teile geworden.

100 Tage Heimat
Magie des Waldes. Foto: Jens Franke

„100 Tage Heimat“ ist erfolgreich als Buch erschienen, bereits in zweiter Auflage. Ein Umzug hat stattgefunden – Jens Franke kam bald nach seiner Wanderung mit Freundin Lena und Aiko von Hannover ins Oberland nach Hauserdörfl. Jetzt ist er beeindruckender Natur täglich nah.

Bienenvölker hegen

Er genießt den Vorteil, vom Homeoffice aus arbeiten zu können und wenn die Zeit es erlaubt, mit Aiko zu Fuß oder mit Ski in die Berge zu gehen. Hier kann er die Arbeit als Entwickler, Dozent und Naturfotograf verbinden, seine zehn Bienenvölker hegen, eins mit der Natur sein und trotzdem digital vernetzt bleiben.

Der Text erschien in der 27. Ausgabe der KulturBegegnungen, Seite 19.

Jens Franke: „100 Tage Heimat“, Malik National Geographic.

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