Paul Flora - aus den Venedig-Veduten - im Olaf Gulbransson Museum Tegernsee

Was folgt auf Wagenbreth?

Paul Flora – aus den Venedig-Veduten. Foto: KN

Programmvorschau auf das Ausstellungsjahr 2017

Ende 2016 hatte das Olaf Gulbransson Museum seine Besucher mit der ungewöhnlich jungen, vielschichtigen und frech-fröhlichen Ausstellung des Zeichners, Illustrators und Grafikers Henning Wagenbreth überrascht. Wie geht’s 2017 weiter?

Keine Sorge, für alle, die das fulminate Wagenbreth- Œuvre noch nicht gesehen haben – die Ausstellung läuft noch bis zum 29. Januar 2017. Als „erste allgemeine Verunsicherung“ in den Räumen des Olaf Gulbransson Museums hatte Prof. Bernhard Maaz, Gerneraldirektor der Bayrischen Staatsgemäldesammlungen, die Ausstellung Henning Wagenbreths bei der Vernissage bezeichnet. Warum? So schwunghaft jung, farbenfroh und umfassend, von der Briefmarke über elektronische Comics bis hin zum dreidimensionalen, raumfüllenden Illustrationssystem „tobot“! Das war etwas gänzlich Neues in den Museumsräumen in Tegernsee – und doch im Geiste der Tradition des Hauses, nämlich an die hohe Humorquote Olaf Gulbranssons anknüpfend.

Henning Wagenbreth: Installation ”tobot” im Olaf Gulbransson Mue´seum Tegernsee – halb Spielzeug, halb Roboter.
Henning Wagenbreth: Installation ”tobot” – halb Spielzeug, halb Roboter. Foto: Ines Wagner

Am 12. Februar 2017 geht es dann weiter mit Bildergeschichten für kleine und große Menschen. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch präsentiert die Ausstellung „Da bin ich“ spannende Abenteuergeschichten mit ungewöhnlichen und liebenswert-verrückten Helden. Wie hervorragend es die Zeichner verstanden haben, einfühlsame Einblicke in die kindliche Welt zu geben, davon erzählen die ausgestellten Zeichnungen. Zugleich zeigen sie einen fantasievollen Bruch mit Konventionen und romantisch-verklärten oder naiven Vorstellungen einer heilen Kinderwelt. Neben den inzwischen zu Klassikern avancierten Zeichnern Wilhelm Busch, F. K. Waechter und Volker Kriegel bietet die Ausstellung auch die Gelegenheit, den Kinderbuchillustrator Philip Waechter kennenzulernen, dessen Werke erstmals gemeinsam mit denen seines Vaters ausgestellt werden.

Sonderausstellung „Da bin ich“, Philip Waechter im Olaf Gulbransson Museum Tegernsee

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Sonderausstellung „Da bin ich“, Philip Waechter. Foto: KN

Nach Roboterinstallationen und Kinderbuchillustrationen wird es von Mai bis September wieder ernst im Olaf Gulbransson Museum: Mit der Ausstellung „Trügerische Idylle“ – Literaten und Künstler am Tegernsee 1900 bis 1995. Mit den Wittelsbachern waren um 1900 international renommierte Schriftsteller und Künstler an den Tegernsee gekommen, welche die Inspiration für ihre Kunst und Literatur aus der landschaftlichen Schönheit des Tales und der einfachen Volkskultur speisten.

Wandel des kulturellen Miteinander am Tegernsee

Die Sonderausstellung geht der Frage nach, wie sich die heitere Idylle mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus nach und nach als Täuschung erweist und wie der kulturellen Vielfalt ein Ende gesetzt wird. Unter den ausgestellten Werken sind Grafiken von Thomas Theodor Heine und Olaf Gulbransson aus den Beständen den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München und dem Lenbachhaus.

Sonderausstellung „Trügerische Idylle“, Olaf Gulbransson.
Sonderausstellung „Trügerische Idylle“, Olaf Gulbransson. Foto: KN

Außerdem zeigen Fotos und Originaldokumente aus den Nachlässen von Ludwig Thoma, Ludwig Ganghofer, Grete Weil, Max Moor und der Familie Mann vom Wandel des kulturellen Miteinander am Tegernsee von 1900 bis 1945.

„Das üble Alphabet“

Dem großartigen Zeichner Paul Flora ist die letzte Sonderausstellung 2017 gewidmet. Mit kratzender Feder hat der Tiroler Humorist und Karikaturist eine unverwechselbare Welt erschaffen, deren feine Linien und Kreuzschraffuren menschliche Schwächen oder das Zeitgeschehen kritisch, spöttisch und liebevoll wiedergeben. Kernstück der Ausstellung bildet „Das üble Alphabet“ mit seinen 26 Buchstabenzeichnungen aus der Reihe der sogenannten „Winzlinge“. Floras Zeichnungen aus der Lagunenstadt Venedig bilden einen weiteren Schwerpunkt, ergänzt durch retrospektive Arbeiten und die eine oder andere Kuriosität. Ob mein Lieblingsbild Floras „Der rote Ball“ aus der Raben-Serie dabei ist? Ich werde mich überraschen lassen.

Natürlich wird das Ausstellungsprogramm auch in 2017 von vielfältigen Matineen und Vorträgen ergänzt. Die Reihe startet am 12. März 2017 mit „Andy Warhol“ – Referentin ist Dr. Nina Schleif, Leiterin der Grafischen Sammlungen im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg. Am 2. April berichtet Dr. Bernhard Graf, Historiker und Filmemacher über „Sisis Vater – Herzog Maximilian in Bayern“. Und beispielsweise am 17. September referiert Alexander Kluy, Journalist und Autor zum Thema „Berliner Manhatten Ballade – George Grosz und der Traum von Amerika.

Weitere Informationen zum Olaf Gulbransson Museum, beispielsweise die detaillierte Vortragsvorschau, finden Sie im Flyer des Museums und auf der Webseite. Hier ist der Link.

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