Wieder gefragt: Motivation und Selbstkontrolle

Motivation und Selbstkontrolle

Lisa und Fiona besitzen Motivation und Selbstkontrolle. Foto: Sebastian Horn

Statt Science Slam

Für heute Abend war wieder der Science Slam im Foolstheater geplant, ein Abend, an dem Jugendliche beweisen, was sie können, an dem locker und verständlich Wissen serviert wird und das Ganze mit Musik und Ranking einen hohen Unterhaltungswert hat. Aber…

…wie alle Präsenzveranstaltungen aus der Reihe „anders wachsen“ mussten wir auch diese uns besonders am Herzen liegende Präsentation absagen. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte haben alle Hände voll zu tun, den Schulbetrieb am Leben zu halten, für Projekte außerhalb des regulären Schulbetriebes bleibt keine Zeit. Im vorigen Jahr hatten wir Glück: Der Science Slam war die letzte Veranstaltung vor dem ersten Shutdown.

Sekundärtugenden für ganzes Leben bedeutsam.

Schade, dass wir das nicht in diesem Jahr fortsetzen konnten, denn gerade in Krisenzeiten kommt es neben der Wissensvermittlung ganz besonders auf die sogenannten Sekundärtugenden an. In der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ war jüngst unter dem Titel „Haltet durch!“ ein umfangreicher Bericht darüber zu lesen. Danach helfen Sekundärtugenden nicht nur in der Krise, sondern sind für das ganze Leben bedeutsam.

Fehlende Motivation ist Hindernis

Eigentlich hatten sie schon mal ausgedient, die Tugenden Disziplin und Gewissenhaftigkeit. Jetzt, so zeigen Studien, kommen sie wieder zu Ehren, allerdings nicht mit preußischem Zackzack, sondern eher in der Form von Motivation und Selbstkontrolle. In der Jugendmedien-Studie JIM meinten 59 Prozent der befragten Schüler fehlende Motivation als größtes Hindernis beim Homeschooling, nur sechs Prozent benennen fehlende IT-Ausstattung als Problem.

Interessanterweise tritt dabei ein Geschlechterunterschied zutage. 46 Prozent der Eltern von Buben sagten, dass ihre Kinder schwer zu motivieren seien, bei Eltern von Mädchen war der Anteil nur halb so groß. Wir konnten in der Coronakrise zwei Schülerinnen gewinnen, die mit großer Gewissenhaftigkeit und Disziplin, aber auch mit Wissen und Talent Artikel für dieses Onlinemagazin schreiben.

Lesetipp: Kulturelle Aneignung oder Versteckter Rassismus

Lisa Horn und Fiona Eder sind motiviert, sie haben Lust, zu Themen, die sie umtreiben, noch mehr zu wissen. Dann recherchieren sie, lesen, fragen Freundinnen und schreiben zuletzt einen Artikel, den wir kaum redigieren müssen.

Abitur
Die Siegerin des Science Slam 2020 Elisa Pfleger. Foto: Petra Kurbjuhn

Genau das ist aber auch die Philosophie des Science Slam. Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen schreiben eine Seminararbeit. Viele suchen sich dabei ein Thema, das sie sehr interessiert und wo sie tiefer einsteigen möchten. Sie werden Experten. Ihre fertige Seminararbeit dürfen sie dann in der Klasse in einem Referat vorstellen. Sie wird bewertet und landet im Archiv.

Expertenwissen vorgestellt

Beim Science Slam laden wir Schülerinnen und Schüler dazu ein, auf einer Bühne in zehn Minuten vor Publikum ihr Expertenwissen vorzustellen. Möglichst unterhaltsam, in jedem Fall aber für jeden verständlich. Im Publikum sitzen Freunde, Eltern, Lehrkräfte, Großeltern und Menschen, die Lust auf Wissen haben.

Benjamin und Lea Wittmann
Lea und Benjamin Wittmann gestalteten den Science Slam 2020 musikalisch. Foto: Petra Kurbjuhn

Jeder hat den so viel zitierten Mehrwert. Die Schüler können sich beweisen, die Schulen zeigen, was ihr Unterricht hervorbringt und das Publikum lernt etwas dazu. Fachlichkeit kann nicht hoch genug bewertet werden in einer Zeit, in der sich jeder zum Experten macht, weil er einmal eine Studie gelesen hat.

Im Münchner Feuilleton war ein Beitrag zum Thema „Niedrigschwellig“ zu lesen. Chris Schinke schrieb, wie gefährlich es sei, wenn dieser viel benutzte Begriff in den Medien und der Kulturlandschaft Oberhand bekommt. Die Phänomene, wie Corona- oder Klimakrise seien viel zu komplex, als dass sie simpel und banal erklärt werden könnten.

Wissenschaft ist nicht niederschwellig

Wissenschaft ist nun einmal nicht niederschwellig, die Erkenntnisse ändern sich auch, wie uns die Pandemie schmerzlich gezeigt hat. Wenn das Jugendliche schon in der Schule erfahren, wenn sie mit Widersprüchen lernen umzugehen, dann sind sie gerüstet für unsere komplizierte Zeit. Und wenn sie dann noch motiviert sind, weil sie Anerkennung für ihre Arbeit bekommen, ja dann steht einem lebenslangen Erfolg nichts im Weg.

Mit Motivation und Selbstkontrolle zum Erfolg

Zurück zum Artikel in der ZEIT. Hier kommt noch eine wichtige Sekundärtugend zum Tragen, die Selbstkontrolle. Bekannt ist die Marshmallow-Studie, bei der Kinder sich entscheiden konnten, ob sie die Süßigkeit sofort essen oder warten und dann zwei davon bekommen. Die Forscher begleiteten die Probanden, die heute 40 Jahre alt sind. Das Ergebnis ist eindeutig. Bei großer Selbstkontrolle ist das Einkommen hoch, die Gesundheit gut und es gibt geringe Straffälligkeit und Drogenabhängigkeit.

Wie aber Kinder und Jugendliche zu Motivation und Selbstkontrolle bringen? Ich habe Lisa Horn und Fiona Eder gefragt. „Ich glaube, dass man ein Ziel vor Augen haben muss, egal ob in der Schule oder außerhalb“, sagt Lisa, „in der Schule geht es darum etwas zu lernen, damit man später einen Beruf hat, der Freude macht.“ Darüber hinaus aber müsse man dankbar sein, dass man überhaupt ohne etwas bezahlen zu müssen, in die Schule gehen dürfe.“ Wow, und das von einer 14-Jährigen.

Fiona fügt hinzu, dass man auch dann weitermachen solle, wenn mal etwas nicht klappt. „Mir persönlich hilft es außerdem sehr, es mit meinen Freunden zusammen zu machen, weil ich es da einfach deutlich gründlicher mache und es noch mehr Spaß macht.“

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