
Chaos im Hause Langenbach
Barbara Stadler (links) und Melli Scherl von der Theatergruppe Fischbachau im Stück „Ein Haus steht Kopf“. Foto: Marion Riedl
Theater in Fischbachau
Eine wilde Geschichte, großes Schauspiel und viel Komik: Das alles bietet die Theatergruppe Fischbachau in ihrem Stück „Ein Haus steht Kopf“. Im Klostersaal Fischbachau wird das Stück (Regie: Christian Scherl) noch bis zum 06. Februar 2026 gespielt.
Es scheint perfekt
Das Leben könnte so schön sein. Die Zukunft in rosigen Farben malen sich Kurt und Dagmar Langenbach, dargestellt von Tobi Daller und Barbara Stadler, bei einem Gläschen Sekt aus. Die Verwandtschaft ist weit weg, der Großvater ins Pflegeheim abgeschoben und wenn nun die wohlerzogene und außerordentlich gut geratene Tochter Chrissy (Melli Scherl) ihr Studium beginnt, dann kann man sogar nackt durchs Haus laufen. Alles scheint perfekt. Scheint!
Plötzlich steht das Haus auf dem Kopf
Wie ein Tornado bricht das Chaos im Haus Langenbach aus und das Unheil nimmt seinen Lauf. Plötzlich flattert Tochter Chrissy wie eine „Fledermaus“ als Gothic-Verschnitt mit schwarz gefärbtem Haar, Lederklamotten und schwarzen Lippen ins traute Heim und lebt ihre spätpubertäre Phase in vollen Zügen aus. Melli Scherl schafft es mit patzigen Antworten und Gesten, die scheinbar mutierte Tochter zu mimen und das Stück voranzutreiben. Auch die Schwester von Dagmar Langenbach nebst etwas dümmlichem Ehemann nistet sich bei den Langenbachs ein. Veron Liebl und Gerd Sörgl agieren gekonnt miteinander. Vor allem Gerd Sörgl beweist komödiantisches Talent und hat so einige Lacher auf seiner Seite.

Bringt viel Komik auf die Bühne: die Theatergruppe Fischbachau. Foto: Privat
Männermordende Ratschenmafia
Es kommt wie es kommen muss: Auch Langenbachs Bruder Rainer zieht es zurück ins alte Nest, sein altes Zimmer ist noch vorhanden. Ferdinand Vitzthum alias Rainer Langenbach ist mehr als überzeugend. Als etwas zurückgebliebener und weinerlicher Charakter nimmt er zum Teil die ganze Bühne für sich ein. Sein ganzes Spiel ist urkomisch und spiegelt die Spielfreude der gesamten Theatergruppe wider.
Als Opa Adam Langenbach mit seinem Krankenpfleger im Schlepptau auch noch aus dem Pflegeheim ausbüchst und Unterschlupf im Haus Langenbach sucht, ist die Spitze des Eisberges fast erreicht. Thomas Greinsberger als Großvater kann leider nur streckenweise überzeugen, da er sich zum Teil viel zu agil bewegt.
Gekrönt wird das ganze Wirrwarr von der Nachbarin Ruth Fuchs, die vor lauter Neugier die Langenbachs regelrecht „stalkt“. Barbara Schoner kann ihrer Rolle als „männermordende Ratschenmafia“ kaum gerecht werden. Was aber nicht ihrer schauspielerischen Talentlosigkeit geschuldet ist, sondern ihrem Alter: Sie ist viel zu jung. Ihr Part hätte Potential, aber aufgrund ihrer Jugendlichkeit verpufft dieses leider viel zu oft.
Verdeckte Sicht
Tobi Daller und Barbara Staller als Ehepaar Langenbach haben das perfekte Spiel miteinander für sich entdeckt. Beide Akteure brillieren durch ihr schauspielerisches Können. Mit Witz und Charme schauspielern sie sich durch die drei Akte des Stückes. Besonders Tobi Daller begeistert durch seine Mimik, die sich durch das ganze Theater, je größer das Chaos wird, immer weiter steigert. Seinen Höhepunkt findet es, als der Großvater das Haus in eine Spielhölle verwandelt und seine Frau sich aus Verzweiflung ins Koma säuft. Spätestens jetzt bleibt kein Auge mehr trocken.
Das Theatervergnügen wird lediglich dadurch etwas getrübt, dass etwa die Hälfte des Publikums keine Sicht auf die Akteure hat, sobald diese zu dritt auf dem Sofa sitzen. Auf der rechten Bühnenseite positioniert, werden zwei Spieler vom direkt am Rand Sitzenden komplett verdeckt. Der Abend mit der Theatergruppe Fischbachau ist dennoch ein vergnüglicher, der Theaterfreunden vorbehaltlos empfohlen werden kann.
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