
Fischermütze und Netzstrümpfe
Hubert Holzner und Karin Schwarzer. Foto: Petra Kurbjuhn
Theater in Warngau
Einen vergnüglichen Theaterabend bescherte die Theaterbühne Warngau dem Publikum im voll besetzten Saal vom Gasthof zur Post mit dem Stück „St. Pauli am Tegernsee“ von Maximilian Vitus. Und es gab eine gute Nachricht. Wirtin Petra Spiegler will den Gasthof nun doch noch ein weiteres Jahr betreiben.
Das Stück des bayerischen Erfolgsautors, das auch vom Komödienstadel und dem Chiemgauer Volkstheater aufgeführt wurde, spielt eigentlich in dem bayerischen Fischerdorf St. Peter, wurde aber von Regisseur Hubert Holzner kurzerhand an den Tegernsee verlegt. Auch hier spielt die Fischerei eine große Rolle. Es atmet den Charme der Nachkriegszeit, es wird noch mit Mark bezahlt und die Geschlechter- und hierarchischen Rollen entsprechen den fünfziger Jahren.
Hubert Holzner hat die Komödie professionell inszeniert und spielt selber eine der Hauptrollen. Der arme Bonifaz, Fischerknecht bei Chef Christian, muss diesem aus der Klemme helfen. Und das tut Hubert Holzner gewohnt souverän und liebevoll-grantig. Jener also kommt nach 15 Jahren und nach dem Tod seiner Frau und des Vaters ins heimische Tegernsee zurück, um die Fischerei zu übernehmen. Benedikt Holzner spielt Christian überlegen, ein wenig weltmännisch und kommt durch eine Heiratsannonce in die Bredouille.

Franziska Büchler, Benedikt Holzner, Hubert Holzner, Chrstine Stieglbauer, Karin Schwarzer, Hubert Deflorin (v.l.). Foto: Petra Kurbjuhn
Auf diese nämlich antwortete die Hamburgerin Martha, die jetzt unerwartet am Tegernsee auftaucht. Für Karin Schwarzer eine Paraderolle. Sie sieht nicht nur übermäßig geschminkt und in wechselnder sehr aufreizender Kleidung, etwa in Leoparden Leggings oder Netzstrümpfen sehr nach St. Pauli aus, sie spricht ein perfektes Hochdeutsch und umgarnt ihren vermeintlichen Heiratskandidaten, den Bonifaz anstelle Christian in Hamburger Fischer-Outfit spielen muss, ganz ungeniert zur Freude des Publikums.

Hubert Holzner mit dem Gepäck von Martha. Foto: Petra Kurbjuhn
Denn was tut man nicht alles, wenn man einen wohlhabenden Mann haben will, da nimmt man auch einen Alten. „Boni“ flötet Martha und lässt von einem Burschen (Andreas Hainz) ihr Gepäck ins Fischerhaus bringen.
Dort aber residiert Monika als Hausnerin. Christine Stiegelbauer erscheint in Nachthemd, Strickjacke, Socken und ungekämmt, kann aber auch proper daherkommen und ist in ihrer resoluten Art seit Jahren die Seele des Hauses, hat auch ein Auge auf den Bonifaz geworfen und freut sich, als sie ihren Dienstherren Christian duzen darf.

Hubert Holzner und Christine Stieglbauer. Foto: Petra Kurbjuhn
Dieser landet bei seinem ersten Angelversuch im See einen Volltreffer. Er hat keine Renke, sondern Eva am Haken und nach Verbinden der Wunde bandeln die beiden miteinander an. Franziska Büchl ist ein liebenswertes, natürliches Mädchen, das sich spontan verliebt und mit den Ränken ihres Vaters nichts zu tun haben will. Peter Schwojer, der Wirt vom „Hecht“ wird von Hubert Deflorin authentisch als macht- und geldbesessener Typ gespielt, der gern Christians Anwesen erwerben würde und entsprechende Lügengebäude aufbaut.

Franziska Büchl und Benedikt Holzner. Foto: Petra Kurbjuhn
Allerdings ist auch die Wirtin zur „Seerose“ am Anwesen, nicht unerheblich aber auch am Christian interessiert. Martina Koeber ist die nicht mehr ganz junge und sehr erfolgsorientierte Notburga in feschem Outfit.

Martina Koeber und Hubert Holzner. Foto: Petra Kurbjuhn
Aus all diesen Wünschen, Plänen und Vorstellungen der Protagonisten entwickelt sich ein heiteres Verwirrspiel, in dem am Ende auch ein Gendarm (Markus Schindler) auftritt, es gibt also wohl ernste Vorkommnisse.
Was das Stück auszeichnet, ist zum einen das spielfreudige Ensemble, das in gewohnter Weise zum Erfolg des Abends beiträgt. Es sind aber auch die witzigen Dialoge, in die der Autor immer wieder Redewendungen einbaut, die zur Erheiterung dienen. Etwa: „Wenn auf dem Gipfel Schnee liegt, ist es im Tal noch grün“, mit Hinweis auf die Manneskraft im reifen Alter.

Hubert Deflorin und Karin Schwarzer. Foto: Petra Kurbjuhn
Zudem mischt das Auftauchen des „jungen feschen Madels aus Hamburg“, wie es 2. Vorstand Andreas Beilhack zur Begrüßung formulierte, das Dorfleben am Tegernsee gehörig auf und bringt es nachhaltig durcheinander.
Sogar die Musiker Hans Hinterholzner, Franz Kapfhammer und Georg Scheuerer passen sich in ihr Stückauswahl dem Thema an und spielen etwa „Rote Lippen muss man küssen“ von Cliff Richard oder „Seemann, lass das Träumen“ von Freddy Quinn.

Schlussapplaus. Foto: Petra Kurbjuhn
Und so ändert sich alles, Bonifaz trägt Hamburger Schiffermütze, Monika wedelt mit rosa Tanga und natürlich geht alles gut aus, wer aber wen kriegt, das wird nicht verraten.
Zum Weiterlesen: Liebe, Treue, Eifersucht im „Schneesturm“