„Brauchen wir was zum Lachen, Liebling?“

papan im Olaf Gulbransson Museum

papan nimmt sich gerne Lebensweisheiten vor. Foto: Olaf Gulbransson Museum

Ausstellung in Tegernsee

Die Figuren des Cartoonisten Manfred von Papen alias papan gehen humorvoll-lakonisch mit dem Leben und seinen Herausforderungen um. In Tegernsee sind derzeit über einhundert Originalzeichnungen und Objekte zu sehen. Es sind Aufforderungen zum Schmunzeln, denen sich niemand entziehen kann.

Wer durch die aktuelle Ausstellung in Tegernsee geht, wird mit einer farbenfrohen Bilderwelt konfrontiert, in der die Menschen und ihre Beziehungen fein säuberlich seziert werden. Hier und da wird man vermutlich jemanden auflachen hören  – der Schalk blitzt allenthalben aus jedem der farbigen Bilder. papan hat viele Jahre Cartoons für „Die ZEIT“ gezeichnet, den „Stern“ und die Süddeutsche. Mit seiner damaligen Partnerin, der Karikaturistin Franziska Becker, hat er gemeinsam Bücher geschaffen und schließlich sogar für die feministische Frauenzeitschrift „Emma“ gezeichnet.

Wort und Bild

Dabei war es keineswegs das Malen und Zeichnen, das am Anfang stand, sondern die Sprache. Und diese Liebe zu den Worten ist hineingeflossen in die unzähligen Cartoons, die keine Titel brauchen, denn alle werden von der Sprache getragen. Und genau darin liegt ihr Zauber. Oftmals ist es sogar ein Wort, ein Satz, der die erste Inspirationsquelle ist, der die Fantasie papans beflügelt. „Selbstbewusstes Bauwerk“ beispielsweise sei so ein Wort, lacht der Künstler. Überhaupt lacht er häufig. Drum heißt die Ausstellung auch nicht von ungefähr: „papan. Wer keinen Spaß versteht, versteht auch keinen Ernst“.

papan im Olaf Gulbransson Museum - Ausstellung
papans Bilder kommen mühelos ohne Titel aus – sie sprechen für sich.  Foto: Olaf Gulbransson Museum

„Gudrun und Renate hatten jahrelang versucht, ihre Männer durch Zungenküsse in Frösche zu verwandeln“, liest man beispielsweise unter einem der Bilder, „doch blieben sie, was sie waren“. Darauf zu sehen sind auf einer Parkbank drei Frauen, auf dem Schoß einer von ihnen jedoch sitzt ein Frosch. Denn: „Nur Ilse konnte ihren Traum verwirklichen.“ So in etwa erzählt papan Geschichten aus dem Beziehungsleben von Männern und Frauen, von Gruppen und Familien. Die Ausstellung im Olaf Gulbransson Museum ist in zwölf Themenbereiche gegliedert. Diese sind sowohl thematisch als auch technisch äußerst facettenreich.

papans Helden „entfalten“ sich

Charakteristisch für die Figuren ist die feine, sparsam mit Tusche gezeichnete Form, die feine Linie klarer Konturen. Wie er diese Konturen mit Farben füllt, ist seiner Laune überlassen. Mal sind es Aquarellfarben, häufiger aber Buntstifte, gewöhnliche Buntstifte aus der Schreibwarenabteilung des Drogeriemarktes, nicht aus dem Spezialkünstlerbedarf. Überhaupt haben es ihm die einfachen Materialien und Gegenstände angetan. Teebeutel tauchen des Öfteren auf, Tüten vom Bäcker, deren Werbung der Künstler augenzwinkernd einbezieht. Es sind zerknitterte Papiertüten, auf denen sich seine Helden „entfalten“ dürfen.

Ausstellung papan
papan zitiert Goethe, wie wir ihn noch nicht kennen. Foto: Olaf Gulbransson Museum

Als Ausgleich zur Kopf- und Zeichenarbeit nimmt er sich Sperrholz und Säge zur Hand und sägt seine Figuren kurzerhand aus – wie das Paar, das in der Tegernseer Ausstellung steht und das kleine, etwa kniehoch angebrachte Bild seiner ehemaligen Lebensgefährtin und Künstlerfreundin, der Karikaturistin Franziska Becker, betrachtet.

Grillen und Eintagsfliegen sind auch nur Menschen

„Älterwerden ist eine Möglichkeit, lange zu leben“ – solche skurrilen Lebensweisheiten haben es ihm ebenso angetan wie Zitate berühmter Persönlichkeiten. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt einen Goethe, wie er ihn garantiert noch nicht kannte. Zeit sollte man sich unbedingt auch nehmen und die zahlreichen Gießharzobjekte genauer betrachten. Deren Geschichten entwickeln sich auf mehreren Ebenen in Miniaturen, die aus Fundobjekten, eingeschlossenen Insekten und papan Figuren bestehen und humorvolle Geschichten erzählen. So spielen etwa Grillen Geige und Klavier, drei Wespen sitzen an einer Bar und trinken Bier und ein Eintagsfliegenmännnchen verhüllt mit seinen Flügeln geschickt den Liebesakt mit einer von papans Heldinnen. Ist es Hilde oder Erika?

Es gibt also viel zu entdecken in der Welt des augenzwinkernden papan, der das Kind in sich bewahrt hat, das Staunen, die Neugier und die Begeisterung ebenso wie das Lachen, das ansteckend ist.

Die Ausstellung „papan. Wer keinen Spaß versteht, versteht auch keinen Ernst“ ist noch bis zum 12. Mai im Olaf Gulbransson Museum in Tegernsee zu sehen, sie wird von einem vielseitigen Kinderprogramm begleitet.

Weiterlesen: Tomi Ungerer im Olaf Gulbransson Museum: Der kleine Unterschied 

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