Seitenspiel: Zwei Künstlerinnen schöpfen aus der Natur

Links Malerei Raquel Hofers, rechts von Nele von Mengershausen.

Links Seitenspiel aus handgeschöpftem Papier, Raquel Hofer. Rechts Blütenspiel,  Nele von Mengershausen. Repro: KN

Ausstellung in Bayrischzell

Nele von Mengershausen und Raquel Hofer verbindet seit Jahren eine innige Künstlerfreundschaft und jetzt die Gemeinschaftsausstellung: „Seitenspiel“. Gemeinsames und Gegensätzliches – in Blättern, Blüten und Papier.

Auch das Zarte und Behutsame verbindet beide Frauen. Und die Kraft, die dahinter wirkt. In schwarz gehaltene Bilder auf der einen Seite. Weiße Blätter, helle Farben auf der anderen. Unmöglich, sie beim Hängen der Ausstellung zu mischen, bemerkt Nele von Mengershausen in ihrer Einführungsrede. In der Gegenüberstellung beginnt die Korrespondenz, das Spiel zwischen den Seiten: Den Seiten aus Papier, die in großen und kleinen Rahmen in der Galerie am Tannerhof hängen. Und das Spiel zwischen den Seiten des Treppenhauses, den Wänden rechts und links. Hier schwarz dort weiß, beide von ungeheurer Leichtigkeit und faszinierender Ausdrucksstärke zugleich.

Nele von Mengershausen: Verwandlung, digitaler Scan.
Nele von Mengershausen: Verwandlung, digitaler Scan. Foto: Ines Wagner

Das Schwarz, so Nele von Mengershausen, habe sie gewählt, um aus der dunklen Farbe noch stärkere Differenzierungen herauszuarbeiten. Sie wolle dem Schwarz seinen schlechten Ruf nehmen. Statt dessen hat sie das Geheimnisvolle hervorgehoben. Denn geheimnisvoll ist ihr Thema, das sie in erstaunlicher Vielfalt variiert: Die Königin der Nacht. Im floralen, im poetischen, im märchenhaften Sinne, aber auch in der technischen Umsetzung spielt sie die ganze Tastatur der Darstellungsmöglichkeiten auf und ab.

Foto: Raquel Hofer: Liebesbriefe, Mischtechnik.
Raquel Hofer: Liebesbriefe, Mischtechnik. Foto: Ines Wagner

In den weiß gehaltenen Bildern Raquel Hofers brechen dunkle Zonen an die Oberfläche. Die wilde Kraft der Natur, unbändigbar, steckt auch im Leben der Künstlerin. Zwischen der Kindheitsheimat Kolumbien und der Wahlheimat Deutschland verortet die Münchnerin ihre Kunst. „Papier ist wie Haut“, sagt sie, „es finden sich darin Spuren von Werden und Vergehen“. Das Spiel mit den Seiten zieht sich durch ihr Werk. Im Laufe der Jahre sind zahlreiche Künstlerbücher entstanden.  Immer wieder arbeitet die Künstlerin mit im handgeschöpftem Papier aus dem Zuckerrohr ihrer kolumbianischen Heimat. Das wird bemalt, gerollt, gefaltet, geschichtet.

Raquel Hofer Fantasien mit handgeschöpftem Papier
Raquel Hofer. Foto: Ines Wagner

Nele von Mengershausen geht das Seitenspiel im wahren Wortsinn spielerisch an. Sie blättert wie eine neugierige Botanikerin in den Seiten der 70 bis 80 zarten Blätter, aus denen die Blüte der Königin der Nacht besteht. Sie blüht nur eine Nacht lang, die geheimnisvolle Pflanze, und regt damit die Künstlerin umso mehr zur Fantasie an.
Nele von Mengershausen: Verwandlung, digitaler Scan.
Nele von Mengershausen: Verwandlung, digitaler Scan. Foto: NvM

In ihrer Generation habe man an den Kunstakademien zur Abstraktion erzogen. Alles Naturnahe sei verpönt gewesen. Lustvoll und spielerisch geht sie deshalb heute „rückwärts“ hin zum Naturalen. Ihre detaillierten Naturstudien sind eine „Übung in Demut“. Die filigranen Zeichnungen loten den Spannungsbogen zwischen schwarz und weiß aus. Aus dem Zeichnerischen entwickelt sie Abstrakes, auch Surrealistisches.

Hauchzart und vergänglich

Es gibt viel in den Bildern zu entdecken. Um die hauchzarten Blütenblätter vor der Vergänglichkeit zu bewahren, hat Nele von Mengershausen sie gepresst in die Malerei eingearbeitet. Eine andere Serie zeigt Scans der hochsensiblen Blütenfragmente. Die hauchfeinen, liniendurchzogenen Vergrößerungen sind eine poetische Märchenlandschaft für sich.

Nele von Mengershausen (rechts) im Gespräch mit Besucherinnen der Vernissage
Nele von Mengershausen (rechts) im Gespräch mit Besucherinnen der Vernissage. Foto: Ines Wagner

Auch in den Arbeiten von Raquel Hofer steckt zauberhafte Poesie. Die Titel ihrer Arbeiten spiegeln gleich Haikus das Empfinden der Künstlerin wieder. „Drei Sonnen brauche ich“ und „Wie ein Blatt – das Leben“ mögen in die Heimat Kolumbien führen. Abstrakte Geologie spiegelt sich in den Malprozessen wider. Verdichtungen, Schichtungen, Bruchzonen erinnern an Ausgrabungen, wie Grundmauern früherer Kulturen. Eingearbeitete Buchstaben und Satzfragmente überwinden die Sprachlosigkeit im neuen Land, der neuen Kultur. Geöffnete Hände mögen annehmen und abwehren, Fäden spinnen Wege der Versöhnung.

Auch Nele von Mengershausen hat viele Jahre auf zwei Kontinenten gelebt und künstlerisch gearbeitet. Das viele Gemeinsame und doch Unterschiedliche macht den Zauber der Duo-Ausstellung aus.

Weitere Artikel über Ausstellungen in der „Galerie im Treppenhaus 1967“ im alten Badehaus am Tannerhof:

Weitere Veranstaltungen am Tannerhof finden Sie auf der Website unseres Kulturpartners.

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