Das Kreuz von Meide Büdel in Rottach-Egern

An keinem Tag des Jahres steht das Kreuz so sehr im Mittelpunkt wie am Karfreitag. Das zeitgenössische Kreuz von Meide Büdel an der Evangelischen Auferstehungskirche von Olaf Andreas Gulbransson in Rottach-Egern ist ein mutiges Zeichen zum Dialog und zum Aufbruch.

Dieses Kunstwerk stellt unsere gewohnte Vorstellung in Frage. Denn das Kreuz wird nur durch eine feine vertikale Linie skizziert. Und das kreuzförmige Mal, gespalten in zwei kubische mit Feuer geschwärzte Blöcke, ist lediglich 34 cm hoch, 64 cm breit und 30 cm tief. Die Plätze, die in der traditionellen Ikonographie Maria und Johannes einnehmen, sind leer.

Die Bildhauerin Meide Büdel, vertraut mit dem Spannungsfeld von Kunst und Kirche, verleiht der Bereitschaft Jesu Christi, Leid und Qualen der Menschen auf sich zu nehmen, eine moderne Gestalt. Die Qualen der Menschheit sind reduziert auf zwei starke aus Gummi festgehaltene Riemen. Sie gleichen einem vor Schmerz zum Bersten angefüllten menschlichen Brustkorb.

Die Evangelische Kirchengemeinde Tegernsee – Rottach-Egern – Kreuth hat sich ihre Entscheidung zu dieser äußerst reduzierten Aussage nicht leicht gemacht. Pfarrer Dr. Martin Weber sucht daher bewusst den Dialog. Denn „die Kirche von Olaf Andreas Gulbransson war schon zur damaligen Zeit eine Revolution. Dem Geist der Kirche als aufrüttelndes, theologisches Bauwerk wird nur eine zeitgemäße Darstellung gerecht. Es kann nur wie damals sein: An den Grenzen des Machbaren, mit echter Tiefe, mit großem Ernst und ohne die bestehende Architektur der Kirche zu gefährden“.

Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler hat sehr persönliche und theologisch fundierte Betrachtungen zu Meide Büdels Kreuz verfasst. Sie stellt fest: „Das Kreuz lenkt den Blick auf einen emphatischen und sympathischen Gott, der alle Lebenswege mitgeht, weil er am eigenen Leibe erfahren hat, was Leiden ist, was auch Menschen einem antun können. Und weil er uns allem Leid zum Trotz ein Leben in Fülle zeigen will. Das Kreuz ist Erinnerung an unsere Endlichkeit und zugleich Zeichen der Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus“.

Text/Foto: Isabella Krobisch

Link: tegernsee-evangelisch.de Bildnummer: 1333692710

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