
Bedeutung entsteht im Tun
Lizzie Hladik vor einem Teil ihrer Werke. Was darauf zu sehen ist, entscheiden auch die Bestrachtenden. Foto: Paul Winterer
Ausstellung in Holzkirchen
Was auf ihren Werken zu sehen ist, weiß sie nicht im Vorhinein, die Bedeutung entsteht erst im Schaffensprozess. Nun zeigt die Künstlerin Lizzie Hladik einen Teil ihrer Arbeiten im Grünen Zentrum in Holzkirchen.
Bei dieser Ausstellung gerät Kunst in Bewegung. Drei große Ringe aus goldfarbenem Draht, in jedem eine filigrane Frauengestalt aus Silberdraht befestigt, drehen sich gemächlich und werfen zarte Schatten an die weiße Wand. „Neue Sichtweise“ nennt Lizzie Hladik das Mobile und ist glücklich, wenn ein Betrachter die Installation absichtlich oder aus Versehen berührt und dadurch erneut in Bewegung versetzt. „Es darf sich bewegen, es passiert nichts, wenn jemand dagegen stößt“, sagte die Künstlerin zufrieden bei der Vernissage ihrer Ausstellung „Das Besondere im Blick“ in den Räumen der Kanzlei Treukontax des Grünen Zentrums Holzkirchen.
„Was daraus wird, entsteht erst im Tun“
Die Malerin und Bildhauerin zeigt dort einen Querschnitt verschiedener Schaffensperioden seit 2019. Die Mehrzahl ihrer Gemälde ist in Acryl auf Leinwand entstanden. Das beginnt bei einer Reihe von Arbeiten zum Thema Wasser und Licht. „Im Wasser verborgen“ hat sie ein 2022 entstandenes hochformatiges Bild betitelt, das eine herabstürzende Gischt vor blauem, roten und orangem Hintergrund zeigt und in seiner Abstraktheit bewusst keine Antwort auf die Frage gibt, was das nasse Element verbirgt. Ähnlich verhält es sich mit dem Gemälde „Wasserfall mit Grün“. Im Gespräch mit KulturVision verrät Lizzie Hladik zu ihrer Herangehensweise beim Malen: „Ich habe anfangs eine Idee. Was daraus dann wird, entsteht erst im Tun.“ Auch das heißt für die Künstlerin Bewegung: „Meine Lichtkugeln zeichnen sich durch Bewegung aus, sie leben von der Dynamik.“

Lizzie Hladiks Werke dürfen bewegt werden. Foto: Paul Winterer
Bedeutung des Kleinen
Nur wenige Tage vor Ausstellungseröffnung hat sie das in zarten Tönen gehaltene Bild „Blick aus dem Fenster“ vollendet, das lediglich den Hauch einer Andeutung gibt, was der Blick nach draußen bereithält. Lizzie Hladik will auch gar nicht, dass ihre stark ins Abstrakte gehenden Werke den Betrachter festlegen. Zu einem Motiv merkte sie in ihrer kurzen Rede vor einigen dutzend geladenen Gästen lediglich an: „Es spielt eigentlich keine Rolle, ob es Weingläser oder rote Rosen sind.“ In der ihr eigenen Bescheidenheit sagte sie auch: „Es sind zarte stille Arbeiten, nichts bedeutungsvolles, eher etwas Kleines.“ Reminiszenz an noch etwas Kleines: Die Künstlerin erinnerte an ihre Kindheit, als sie bei ihrer Großmutter eine Dose mit lauter Knöpfen fand, die man früher von Kleidungsstücken abschnitt, ehe diese weggegeben wurden. „Ich habe mich stundenlang mit diesen Knöpfen beschäftigt.“ Lizzie Hladik bevorzugt offensichtlich das Kleine.
Lesetipp: Lebenselixiere von Lizzie Hladik
Vernunft und Gefühl
Eröffnet hatte die Ausstellung Peter Widmann. Er ist der Inhaber der Holzkirchner Niederlassung von Treukontax, eine zum Bayerischen Bauernverband (BBV) gehörende Steuerberatungsgesellschaft für Land- und Forstwirte. In seinen Räumen stellen bildende Künstler aus der Region jeweils für ein Jahr aus. Hladik ist die vierte im Bunde. Über sich und seine Mitarbeitenden sagte Widmann: „Wir sind die Gesegneten, die die Bilder das ganze Jahr sehen können.“ In seiner Branche stünden Vernunft und Zahlen im Vordergrund. Umso erfreulicher sei der emotionale Anblick von erlesener Kunst.

Gestaltet „zarte stille Arbeiten“: Lizzie Hladik. Foto: Paul Winterer
Werke können erstanden werden
Widmann ermunterte die Besucher auch gleich zum Kauf von Bildern. Denn zu haben sind alle knapp 30 ausgestellten Arbeiten von Lizzie Hladik. Lücken an den Wänden ließen sich schnell durch Nachschub schließen, merkte die Künstlerin humorvoll an. Die Preise liegen zwischen 450 und 1760 Euro.