Kulinarische, geistige und körperliche Genüsse

Kulturwekstatt

Rolf Brandthaus war nicht nur Gastgeber, sondern auch Mitwirkender: Gemeinsamer Auftritt mit seinem Saxophonlehrer Thomas Tomaschek. Foto Anja Gild

Es war ein bisschen wie in einem Sommernachtstraum: Im Anderlmühler Tal in Valley trafen sich Musiker, Bildhauer, Maler, Kulturfreunde. Der Gastgeber: Der Verein Kulturwerkstatt im Oberland. Der Anlass: Fünfjähriges Jubiläum. Die Gäste: Auserlesen. Ein Interview mit Initiator Rolf Brandthaus.

Rolf Brandthaus ist dem Tod schon mehrfach von der Schippe gesprungen. Er weiß, was Leben und Lebensglück bedeutet. Und er kennt das Wort „Spurwechsel“. Es ist ihm ein vertrautes Wort. Manchmal nicht ganz freiwillig. Immer aber mit vollem Engagement: Elektrotechniker, Informatiker, Musikkneipenbesitzer, Kulturmanager. Wenn er sich auf eine neues Gleis setzt, nimmt er Fahrt auf. Eine Fahrt, die 2013 in die Gründung der Kulturwerkstatt im Oberland führte. Heute vor fünf Jahren startete Rolf Brandthaus mit der Eröffnungsveranstaltung „Magic Night“.

Rauschende Kulturnacht

Zum diesjährigen Jubiläum ist es ihm ein Leichtes, aus der Fülle seines kulturellen Netzwerks Hochkarätiges hervor zuzaubern: Vernissage mit der Bildhauerin Cornelia Hammans und der Malerin Sabine Kühner; eine rauschende Kulturnacht, die im gemeinsamen Auftritt vom Soloflötisten der Münchner Philharmoniker, Michael Kofler, und dem Professor für Gitarre, Martin Maria Krüger, gipfelte. Drei Stunden Programm, Essen, Trinken, Lauschen.

Am Sonntag dann Finissage mit Weißwurst-Frühschoppen beim Zitherspiel des Valleyer Schusters Hans Obermeier. Die rund 60 Gäste sind in den wunderschönen Räumlichkeiten von Carola Wagner-Manslau und Marc Tügel oberhalb der Mangfall dem Lebensglück gewiss ein Stück näher gekommen.

Herr Brandthaus, hätten Sie vor fünf Jahren gedacht, dass Sie heute mit der Kulturwerkstatt Jubiläum feiern?
Daran gedacht nicht. Aber auch nie bezweifelt.

Kunst und Kulinarik

Was machte Sie schon damals so sicher, dass Ihr Kulturkonzept aufgehen würde?
Zwanzig Jahre „Klassische Musikwirtschaft“ am Goetheplatz in München, ein ziemlich großer Freundeskreis – darunter viele Künstler, Kulturschaffende, Kunst- und Kulturliebhaber – und die Freude an der Schönheit von Kunst und Kultur waren einst der Auslöser zur Gründung der „Kulturwerkstatt im Oberland“. Die damit verbundene Leidenschaft und immerwährende Begeisterung.

Kunst und Kulinarik – so die Idee der Kulturwerkstatt. Essen Sie und Ihre Frau Christine gerne?
Ja, Essen hat bei uns einen hohen Stellenwert. Ich bin ein leidenschaftlicher Koch. Bei uns gibt es jeden Mittag Punkt 1 Uhr ein Mittagsgericht. Bodenständige Küche mit regionalen Produkten hoher Qualität, Fisch, Fleisch oder Pasta, Risotto immer mit Gemüse oder Salat. Und nicht zu vergessen ein Dessert.

Können Sie uns in einem Satz die Vision des Vereins sagen?
Menschen für die Schönheit von Kunst und Kultur begeistern und damit ihrem Lebensglück ein Stück näher bringen.

Das Oberland ist bekannt für seine rege Kulturszene. Wie positionieren Sie sich und Ihren Verein in dem kulturellen Gesamtangebot?
Kunst erleben und genießen ist zu unserem Markenzeichen geworden. Immer einen Schritt voraus sein. Qualität steht an oberster Stelle. Wir suchen das Besondere, das Einzigartige: Die Themen, die Künstler, den Ort der Veranstaltung, die Geselligkeit und die Kulinarik. Das muss alles harmonieren, eine Einheit sein. All das ist aufwendig in der Produktion, aber nachhaltig in ihrer Wirkung.

Kulturwerkstatt
Herzliches Dankeschön an Gastgeber Carola Wagner-Manslau (li.) und Marc Tügel (re.), die ihre Räume im Anderlmühler Tal dem Jubilar zur Verfügung stellten. Foto Anja Gild

Wie viele Veranstaltungen hat die Kulturwerkstatt Oberland in den fünf Jahren schon organisiert?
Wir konzentrieren uns auf nur wenige Veranstaltungen pro Jahr. So haben wir in den letzten fünf Jahren insgesamt 21 Veranstaltungen organisiert.

Sie sind ja Elektroingenieur und Informatiker. Das will so gar nicht zu Kunst und Kulinarik passen. Verbindet diese beiden Welten überhaupt etwas?
Mehr als man zunächst vermutet. Ich war über 35 Jahre im Vertrieb und Marketing tätig. Meine Aufgabe bestand darin, innovative Produkte für den deutschen Markt zu suchen und einzuführen. Ich habe gelernt, die Bedürfnisse der Menschen zu erkennen und auf diese einzugehen. Heute sind es nicht mehr Maschinen und EDV, heute sind es Menschen, die ich suche und zusammenbringe.

Klassische Musikwirtschaft

Herr Brandthaus, ein Blick auf Ihre wechselvolle Biografie zeigt, dass Sie nie aufgeben. Ist das eine Eigenschaft, die Sie in Ihrer Kulturarbeit benötigen?
Das ist keine kulturspezifische Eigenschaft. Das hat damit zu tun, was einem das Leben lehrt, persönliche Erkenntnisse, der Schaffensdrang und die Suche nach Anerkennung.

Sie haben vor vielen Jahren gemeinsam mit Ihrer Frau Christine zwanzig Jahre lang eine klassische Musikwirtschaft in München geleitet. Wo war das genau?
Angefangen haben wir 1978 im „Kreuzbräu“, einem der schönsten Bierkeller Münchens, in der Brunnstraße, der sehr bald dem heutigen Asamhof weichen musste. Danach wurde das „Mariandl“ am Beethovenplatz zur endgültigen Heimat der klassischen Musikwirtschaft.

Was war das Besondere an der Musikwirtschaft?
Die Idee war, auf der einen Seite jungen Musikern erste Erfahrungen mit Auftritten in der Öffentlichkeit zu bieten, andererseits einem anspruchsvollen Publikum neben hochklassigen Konzerten in der Münchner Szene eine Alternative bei Speis und Trank begleitet von Tafelmusik zu offerieren. Alles bei freiem Eintritt, was nur möglich war durch die großzügige finanzielle Unterstützung des Kulturreferats der Stadt München, dessen Leitung damals in den Händen der späteren Gasteig-Chefin Brigitte von Welser lag.

Warum haben Sie eigentlich aufgehört? Es war doch eine Herzensangelegenheit!
Nach 20 Jahren hat 1998 der damalige Wirt krankheitsbedingt den Betrieb aufgeben müssen. Nachfolger wurde Josef Bachmaier, bekannt als Inhaber des Fraunhofer Theaters, der bis zum heutigen Tag den Betrieb ganz in damaligem Sinn mit Kunst und Musik ausfüllt.

Profitiert die Kulturwerkstatt von der damaligen Zeit?
Ja, natürlich. Die ganzen Erfahrungen im Umgang und der Wirkung eines Vereins fließen in die heutige Tätigkeit.

Ein Jubiläum erzählt immer davon, was alles erreicht wurde. Frech gefragt: Was haben Sie denn noch nicht erreicht?
Wir würden uns wünschen, noch mehr Menschen zu erreichen und für unsere Idee zu begeistern.

Projekt „Malerwinkel“

Die übliche Frage: Gibt es ein Event, dass Ihnen retrospektiv besonders am Herzen lag?
Ja, das Projekt „Malerwinkel“, mit seiner einmaligen kulturellen Öffnung eines Elitehotels für ein breites Publikum und dem erfolgreichen Zusammenwirken von Künstlern unterschiedlichster Spezies. Eine gelungen Symbiose von Kreativität und Publikumsakzeptanz.

Sie sprechen in Ihrem Imagefilm auf Facebook von Kultur, Seele, Gesundheit. Sie haben den Verein nach einer großen Lebenskrise gegründet. Trägt Ihr Wirken zu Ihrer persönlichen Gesundheit bei?
Nicht umsonst wird von der WHO Gesundheit als ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens definiert. Wenn wir uns nicht wohlfühlen, werden wir krank! Wohlbehagen entsteht durch kulinarische, geistige und körperliche Genüsse. Genüsse inspirieren und fördern die Kreativität! Kunst ist das Ergebnis eines kreativen Prozesses. In der Kunst findet der Mensch Entspannung und Wohlbefinden! Wohlbefinden fördert die Gesundheit. Nicht jeder Tag ist gleich. An schlechten Tagen besinne ich mich ganz auf diese Prinzipien. Es hilft, sehr sogar.

Kraft von Kunst und Kultur

Wie ist Ihre Vision für die nächsten fünf Jahre?
Die Welt gerät immer mehr aus den Fugen. Unsere heutigen Wirtschafts-, Gesellschafts- und Politikformen sind obsolet. Sie sind Auslaufmodelle, weil veraltet. Sie haben keinen Bestand mehr, weil ohne Inhalte. Sie sind nicht zukunftsfähig, weil altbacken. Ein neuer Zeitgeist ist gefordert. Hier findet die Kraft von Kunst und Kultur ihren Ansatz. Die Besinnung und die Vermittlung der Bedeutung von Werten und Tugenden insbesondere bei der Jugend ist uns ein Anliegen. Die Sehnsucht nach einem guten Leben und einem friedvollen Miteinander. Den Menschen Maß und Richtung geben. Dem Spiel, der Musik und dem Tanz wurden schon in der Antike grundlegende Bedeutung zugemessen. Kunst und Kultur bedarf keiner Sprache, sie muss einfach nur gelebt werden, damit die Seele sich ausbreiten kann.

Im Oberland wird von Kulturschaffenden immer wieder diskutiert, dass Kunst und Kultur zu wenig öffentlich gefördert wird. Wie überlebt Ihr Verein eigentlich finanziell?
Unser Verein finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Eintrittsgeldern und Spenden. Nur durch ein enormes ehrenamtliches Engagement, Spenden aus eigenen Reihen und ein sorgfältiges Haushalten mit den Kosten, kann der Verein überleben. Hier wäre ein zusätzliches Engagement potenzieller Kulturförderer wünschenswert. Eine öffentliche Förderung findet für uns in großzügiger Weise vor Ort durch Sachspenden statt.

Herr Brandthaus, vielen Dank für das Gespräch.

Das wird Rolf Brandhaus mit der Kulturwerkstatt dieses Jahr noch anbieten: 30. Sep. 2018: in Zusammenarbeit mit KindA: Tagesseminar, wandern und philosophieren mit Dr. phil. Christoph Quarch „Was das Geheimnis der Begeisterung ausmacht“. 11. Okt. 2018: Der Film „Jugend ohne Gott“ im Beisein der Produzentin Sophia Aldenhoven. 10. Nov. 2018: Ballroom Night – Gala Tanzball mit Tanz- und Showeinlagen.

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