Kulturstätten fotografisch erhalten

Der älteste Altartisch der Welt im Sergiuskloster von Maalula. Foto: Johann Erben/Repro: Petra Kurbjuhn

Fotoausstellung in Holzkirchen

Es ist zutiefst verstörend, wenn man vor den Fotos steht und lesen muss: Palmyra – Grabturm oder Triumphbogen- vom IS gesprengt oder Antikes Theater – hier wurden Menschen vom IS öffentlich enthauptet. Aleppo – die älteste durchgehend bewohnte Stadt der Welt, erwähnt im 3. Jahrtausend vor Christus – völlig zerstört.

Und all das geschah und geschieht jetzt. Nicht irgendwann früher. Johann Erben war vor dem Krieg in Syrien und bat fotografisch festgehalten, was für eine vielschichtige Kultur hier zu finden war. Die Fotos zeigen Panoramen von Städten und Tempelanlagen ebenso wie viele Details. Dem Fotografen ist es damit gelungen, einen Überblick über die Städte Damaskus, Aleppo, Palmyra und andere zu geben, aber er geht auch dicht heran an die einzelnen Stätten der Kultur und Religion.

Heidnische und christliche Heiligtümer

So erfährt der Betrachter, dass es in Palmyra einen Tempel des Baal gab und dass es der Sage nach von Dämonen für König Salomon erbaut wurde. Aber nicht nur heidnischen Göttern wurden Heiligtümer gewidmet, auch die christliche Religion ist überall präsent. So findet man im Sergiuskloster von Maalula wertvolle goldene Ikonen und den ältesten Altartisch der Welt, der ebenfalls vom IS verwüstet wurde.

Hier, so schreibt der Fotograf, spricht man noch aramäisch, die Sprache von Jesus von Nazareth und der Schriftrollen von Qumran. Die größte antike Säulenstraße der Welt hat Johannes Erben in Apamea fotografiert, einer Stadt, in der im 7. Jahrhundert 500 000 Menschen lebten und die 300 vor Christus gegründet wurde.

Moscheen und Kreuzritter-Burgen

Die Religionen lebten hier Tür an Tür. Es gibt Fotografien des Simeonsklosters, gewidmet dem Heiligen Simon, der 30 Jahre lang betend und fastend auf einer Säule zubrachte und es gibt die armenisch-orthodoxe Marienkirche in Aleppo. Es gibt aber ebenso die Umayyaden-Moschee in Aleppo und Damaskus, das Minarett in Aleppo ist inzwischen eingestürzt. Die Zainab-Moschee in Damaskus ist für Nichtmuslime gesperrt, dem Fotografen gelang es dennoch diesen Wallfahrtsort der Schiiten zu fotografieren. Und auch eine Burg der Kreuzritter darf in der zeitgeschichtlichen Dokumentation nicht fehlen.

Viele Detailfotos zeigen die kunsthistorisch so bedeutenden Gebäude in ihrer ganzen Schönheit. So hat Johannes Erben eine Reihe von Friesen an Kirchen und Klöstern fotografiert. An der Atriumskirche in Apamea fand er heraus, dass Architrav und Kapitell durch einen Bleidübel verbunden sind. Er fand Säulen antiker Tempel mit gedrehten Kanneluren, äußerst selten anzutreffen. Fein ziselierte Mosaiken an den Moscheen geben Zeugnis von der Handwerkskunst der damaligen Zeit.

Die architektonischen Kostbarkeiten werden durch einige wenige Bilder des Lebens in Syrien ergänzt. Eine romantische Altstadtgasse in Aleppo oder Brote auf der Mauer, sicher heute so auch nicht mehr vorzufinden.

Die Ausstellung von Johannes Erben ist noch bis zum 29. April im Atrium zu sehen.

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