„Kein Berg ist es wert, dass man sein Leben dort lässt“

Im Barocksaal zum Finale des Internationalen Bergfilmfestivals 2016

Im Barocksaal zum Finale des Internationalen Bergfilmfestivals 2016. Foto: Monika Ziegler

Schlussfeier des Internationalen Bergfilmfestivals Tegernsee

Es war nicht der spektakuläre Sieg, sondern der Erfolg des Scheiterns, der gestern Abend den Großen Preis der Stadt Tegernsee beim 14. Bergfilmfestival gewann. Insgesamt waren es eher die kritischen und leisen Filme, die die Jury überzeugten. Dazu passten auch die Eingangsworte von Heiner Geißler.

„Ist wirklich das Bruttosozialprodukt das entscheidende, nach wir wir streben sollen?“, so fragte der Schirmherr des Festivals. Dieses erfasse nicht die Gesundheit der Kinder, die Freude am Spiel, Schönheit der Dichtung, Glück der Liebe und auch nicht den Mut des Abenteurers am Berg und die Schönheit der Berge. „Ihr hier in Tegernsee, ihr zeigt das wahre, das wichtigere Leben als da, was wir in der Zeitung vorgesetzt bekomen und dafür danke ich euch.“

Bergfilmfestival Schirmherr Dr. Heiner Geißler und Festivalsdirektor Michael Pause

Schirmherr Dr. Heiner Geißler und Festivalsdirektor Michael Pause. Foto: Monika Ziegler

Für diese mit viel Beifall aufgenommenen starken Worte dankte Festivalsdirektor Michael Pause und dankte seinerseits dem 130 freiwilligen Helfern des Festivals und hob den Begegnungsaspekt zwischen Filmemachern und Publikum beim Festival besonders hervor. Die feierliche Preisverleihung wurde von der Tegernseer Tanzlmusi stimmig umrahmt.

Bergfilmfestival Jury kritisch und begeistert

Als Sprecher der fünfköpfigen Jury bewertete Peter-Hugo Scholz die diesjährigen Filme so: Neue Kameratechniken, sowie obligate Drohnen, was nicht immer sinnvoll sei, auch der Filmton sei oft störend, brauche man wirklich Hollywood-Sound? Auch Zeitraffer und Werbeästhetik schätzte er bei den Filmen kritisch ein, wohingegen er ehrliche Dokumentationen mit sparsamen Mitteln gedreht als positiv hervorhob. Am besten hätten der Jury Filme gefallen die sich nicht am Mainstream orientieren, sondern Hintergründe und Probleme aufzeigen.

Bergfilmfestival Die Jury: Vorn: Ingrid Runggaldier, Lisa Röösli, Karla Braun-Elwert, hinten: Dr. Peter-Hugo Scholz, Adi Stocker und Festivalsdirektor Michael Pause (v.l.).

Die Jury: Vorn: Ingrid Runggaldier, Lisa Röösli, Karla Braun-Elwert, hinten: Dr. Peter-Hugo Scholz, Adi Stocker und Festivalsdirektor Michael Pause (v.l.). Foto: Archiv Bergfilmfestival

Von 180 eingereichten Filmen wurden in den vergangenen Tagen in Tegernsee 85 Filme aus sieben Ländern gezeigt. Lobend erwähnte die Jury den Film von Fulvio Mariani und Mario Casella (Schweiz) „Afghan Winter“, einer bedächtig anmutenden Reise auf Skiern duch das kriegsgeschundene Afghanistan. Auch „In Between“ von Rolf Steinmann, eine wie Malerei wirkende Szenerie mit statischen Moschusochsen, wurde lobend erwähnt. Den Sonderpresi der Jury erhielt „Metronomic“ von Vladimir Cellier, ein witziger Streifen über fliegende Musiker.

Der Otto-Guggenbichler-Nachwuchspreis wurde von Sohn Stefan verlesen, er geht an Franz Müller und Johannes Kürschner mit „Simply the Worst“, ein ungemein komischer Streifen mit witzigen Untertiteln. Die beiden Preisträger aus Dresden dankten mit der Videobotschaft: „Dausend dank nach degoansee.“

Tragisches Leben einer nepalesischen Familie

Ernst hingegen geht es im Film von Amy Benso und Scott Squire „Drawing the tiger“ zu, bester Film der Kategorie „Lebensraum Berg“. Die Kanadier zeichneten in siebenjähriger Arbeit das tragische Leben einer nepalesischen Familie nach. Der Film „Jumbo Wild“ von Nick Waggoner (USA) wurde in der Kategorie „Naturraum Berg“ ausgezeichnet. Er zeigt, wie ein Wintersportzentrum in unberührter Natur errichtet werden soll. Offensichtlich gebe es in Amerika dieselben Probleme wie in Deutschland, kommentierte Michael Pause. In den Alpen sei es jetzt genug mit der Erschließung durch Lifte.

Einen berührenden Film hat Eliza Kubarska mit „K2 – Touching the sky“ gedreht, der den Preis des Deutschen Alpenvereins für den besten Alpinfilm erhielt. Sie brachte die Nachkommen von Bergsteigern, die am K2 vor 30 Jahren ihr Leben ließen, an den Berg. Der Film stellt die Frage: „Wo hört die Selbstbestimmung auf und wo fängt die Verantwortung gegenüber der Familie an?“

Eine Antwort gibt im Barocksaal der Protagonist des Siegerfimes diesjährigen Festivals. Der Kletterer Daniele Nardi sagt: „Kein Berg ist es wert, dass man sein Leben dort lässt“. In seinem Film „Verso l’ignoto“ (Ins Unbekannte) beschreibt Federico Santini den dreimaligen Versuch, den Nanga Parbat im Winter über die Diamir-Flanke zu besteigen. 300 Meter vom Gipfel entfernt gibt der Extrembergsteiger Daniele Nardi letztlich auf, das Scheitern am Berg in selten erzählter Ehrlichkeit, wie die Jury lobt.

Der Publikumspreis geht in diesem Jahr an „Anna und die wilden Tiere – Wo pfeift das Murmeltier?“ von Christiane Streckfuß. An dieser Wahl hätten sicher die zahlreichen Kinder Anteil, die das Festival besuchten, meinte Michael Pause.

Am heutigen Sonntag werden die Siegerfilme ab 9.30 Uhr im Ludwig-Thoma-Saal gezeigt.

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