Kalender

Vom Foto zum Elfchen

Titelblatt vom Kalender. Foto: Manfred Lehner

Projekt in Valley

Eine neue Perspektive auf Valley gibt der immerwährende Kalender, den Anja Gild und Manfred Lehner im Rahmen der Valleyer Kulturtage 2023 produziert haben. Er verbindet Foto und Text in neuer, ungewohnter Form und erweckt beim Betrachtenden spannende Bilder.

Die Idee sei ihr gekommen, als sie ihrer Mutter einen Foto-Text-Kalender produziert habe und die Texte zu lang waren und nicht zum Foto passten, erzählt Anja Gild. Die Journalistin, Seminarleiterin und Autorin entschied, die zu langen Texte auf Transparentpapier vor das Foto zu platzieren und erfand damit ein neues Format.

Der zweite Anstoß für den neuen Valleyer Kalender gab ihr die Arbeit als Seminarleiterin für Unternehmenskommunikatoren, in denen sie ihre Teilnehmenden lehrt, Ministories zu verfassen. „Das wird in Unternehmen für verschiedene Anlässe gebraucht“, erklärt Anja Gild, „ob als Pitch bei Präsentationen, für Teaser in Artikeln oder für Posts in social media.“ Immer müsse man lange Texte eindampfen, um die Essenz herauszuholen.

Anja Gild und Bernhard Wolf
Anja Gild. Foto: privat

Das habe sie nun mit Menschen machen wollen, die es beruflich nicht benötigen und auch nichts mit Schreiben zu tun haben. Gemeinsam mit dem Valleyer Fotografen Manfred Lehner suchten sie aus seiner Sammlung Fotos aus, die einen neuen Blick auf die Gemeinde werfen, aber doch zuordenbar sind. „Bei den Fotos war mir besonders wichtig, dass sie symbolisch aufgeladen sind“, sagt der Fotograf, „wie beispielsweise bei ‚Zwei leere Stühle‘, ‚Der sichere Hafen‘, ‚Kreuz über der Kirche‘ oder die ‚Gleise nach irgendwo‘. Die Bilder sollten dabei die Fantasie anregen aber auch zu freier Interpretation animieren.“

Kalender
Eins der von Manfred Lehner ausgewählten Fotos „Die Vögel“. Foto: MZ

13 Menschen aus Valley oder in starker Beziehung zur Kommune fanden sich für das literarisch-kreative Schreibprojekt ein, das Anja Gild nicht nur erklärte, sondern auch für jeden lesbar auf großen Papierbögen niedergeschrieben hatte.

Die Fotos lagen auf den Boden und jeder konnte sich eins, was ihn oder sie ansprach, nehmen. In einem ersten Schritt schrieben die Teilnehmenden in einer vorgegebenen Zeit ihre freien Assoziationen zu ihrem Foto auf. Einige lasen sie vor.

Perspektivwechsel und Eindampfen

Im zweiten Schritt sollten die Schreibenden einen Perspektivwechsel vornehmen von sich selbst zu einem Protagonisten auf dem Foto. Das konnte ein Vogel ebenso sein wie ein Kirchturm oder die Mangfall. Aus der Sicht dieses Objektes wurden wiederum die Assoziationen zu Papier gebracht und teilweise vorgelesen.

Jetzt folgte das schrittweise Eindampfen der Texte. Als erstes wurde ein sogenanntes Elfchen produziert. Dabei sind 11 Wörter auf fünf Zeilen so zu verteilen, dass die Reihenfolge so aussieht: 1, 2, 3, 4, 1.

For sale: baby shoes, never worn

Noch kürzer ist dann die six word story, ein berühmtes Beispiel stammt von Ernest Hemingway: For sale: baby shoes, never worn („Zu verkaufen: Babyschuhe, nie getragen“), an die sich alle 13 Schreibenden wagten.

Hier das Ergebnis zu dem Foto „Die Vögel“: Erster Flug gen Süden. Noch üben!

Die Autorinnen und Autoren überließen ihre jeweils vier Texte zum gewählten Foto den beiden Initiatoren, die dann zu jedem Foto zwei auswählten. „Wir haben die Texte genommen, die am nächsten am Bild dran waren und waren uns immer einig“, erzählt Anja Gild.

Kalender
Manfred Lehner. Foto: privat

Manfred Lehner gestaltete daraufhin das Layout so, dass jedes Bild eine eigene Farbe im Hintergrund hat. Auf dem Bild liegt jeweils das Transparentpapier mit dem dazugehörigen Text. Der Betrachtende liest also zuerst den Text und erzeugt damit innere Bilder, die aus Erinnerungen und Erfahrungen stammen. „Erst danach sieht er das eigentliche Bild“, sagt Anja Gild, und so entstehe die Spannung zwischen Text, Foto und eigenen inneren Bildern.

Am Ende des Kalenders sind die Fototitel und die Namen der Autorinnen und eines Autors zu finden.

Die beiden Initiatoren stellten Valleys Bürgermeister Bernhard Schäfer das Projekt vor, woraufhin die Gemeinde die Druckkosten übernahm, alles andere lief über ehrenamtliche Arbeit. „Den Löwenanteil hatte Manfred Lehner mit der Grafik“, betont Anja Gild. Die h&m Druck GmbH in Kreuzstraße produzierte 200 Exemplare, die jetzt zum Verkauf in der Gemeinde Valley ausliegen.

Manfred Lehner wird vom 22. Februar bis 31. März 2024 seine Ausstellung „Venedig“ im Kulturzentrum Waitzinger Keller in Miesbach zeigen.

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Bitte besuchen Sie uns auf