Helmfried von Lüttichau in Holzkirchen

Direkt ins Herz

Helmfried von Lüttichau zu Gast in Holzkirchen. Foto: IW

Konzert in Holzkirchen

Der Festsaal des KULTUR im Oberbräu war ausverkauft, der Applaus tosend: Mit seinem neuen Soloprogramm „Weil’s raus muss – das zweite Programm“ begeisterte Schauspieler und Musiker Helmfried von Lüttichau das Publikum in Holzkirchen weit über zwei Stunden. Unterstützt wurde er auch von einem musikalischen Überraschungsgast: dem Rapper Chief Motley.

Helmfried von Lüttichau, vielen bekannt durch seine Rolle als Hansi Staller in der Fernsehserie „Hubert und Staller“, hat in seinem Requisitenkoffer natürlich auch die Polizeimütze dabei. Als Rückkopplung gewissermaßen, bevor es nach vorn und dann quer durch alle Lebens- und Gefühlslagen geht. Seit seinem Abschied aus der Serie tourt der Schauspieler, Lyriker und Musiker unter anderem Solo. Nach über 200 Auftritten mit seinem ersten Programm „plugged“, in dem er mit Gitarre und Humor rockig-melancholisch und augenzwinkernd das Scheitern seines Rockstar Traums parodierte, hat er nun mit „Weil’s raus muss“ einen weiteren Schritt gewagt.

Ein Abend voller Überraschungen und ehrlicher Töne

Tausend Gedanken, Melodien und Ideen schwirren dem Ü60 Newcomer durch den Kopf, und endlich dürfen sie entweichen – raus aus der kontemplativen Stille, hinein in den Dialog mit dem Publikum. Der Wahl-Schlierseer jongliert in seinem neuen Programm zwischen komischen, nachdenklichen und tiefgründigen Momenten. Durch den Abend zieht sich wie ein roter Faden der Dialog mit Wendy, der Assistentin seines fiktiven Hamburger Musikproduzenten, der seine erste „Langspielplatte“ produzieren soll. Wendy mahnt und lobt, fordert und bremst ihn ein: „Jo, sacht Wendi: Humpfry, büs du da nech zu alt för?“

Helmfried von Lüttichau Soloprogramm "Weil's raus muss..."
Helmfried von Lüttichau: „Privat trage ich auch keine Krawatte, das ist mein lyrisches Ich“. Foto: IW

Raus muss alles, was sich angesammelt hat in Helmfried von Lüttichaus vielseitigem Künstlerleben, weil alles wichtig ist, weil alles Seelenheimat ist: Heimlich gehörte Schlager aus den 1970er-Jahren dienen als nostalgische Stimmungsträger, während ein Protestsong Arik Brauers die Weltpolitik streift, Charles Aznavour als Beispiel des lyrischen Ichs dient, Bob Dylan die rockige Seite – auf bairisch natürlich – widerspiegelt und Moliere die Liebe zum Schauspiel. Dazwischen finden sich Liebeslieder und feinsinnige Beobachtungen des Alltags, in denen der Schauspieler die Grenzen zwischen Singer-Songwriter, Kabarett und poetischem Storytelling aufhebt – verwebt zu einem Abend, der nie vorhersehbar ist.

Herr Haußmann liest Zeitung - Helmfried von Lüttichau Soloprogramm "Weil's raus muss..."
Helmfried von Lüttichau und sein Programm „Weil’s raus muss“. Foto: IW

Kracher und leise Töne wechseln sich an diesem Abend ab wie Farbfragmente beim Blick durchs Kaleidoskop. Facettenreich auch das schier unerschöpfliche Repertoire an wechselnden Dialekten und Sprachen – ob Helfried von Lüttichau etwa Lieder von Brauer und Ambros singt, Herrn „Haußmann wie Hausfrau, nur mit scharfem ß“ aus dem Schwabenländle parodiert oder den Jedermann heraufbeschwört. Dabei erzählt er mit Charme und Selbstironie von den Herausforderungen des Alters, der Liebe, dem Scheitern und dem Weitergehen. Mit seiner Gitarre nimmt er das Publikum mit auf eine Reise durch seine Welt – mal lustig, mal melancholisch, aber immer unmittelbar, echt und nah.

Zwischen Ironie und Tiefgang

Man spürt hinter jedem Witz Tiefgang und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Leben. Humor und Tiefe sind für Helmfried von Lüttichau keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille, ebenso wie Glück und Melancholie: „Dieser Song handelt von Glück, aber die Melodie ist in Moll, weil es zusammengehört.“ Dass Helmfried von Lüttichau auch ein begnadeter Lyriker ist, beweist schon eine einzige Zeile aus seinem Gedichtband „Was mache ich, wenn ich glücklich bin?“. Kein Wort zu viel, keins zu wenig: „In meinen Armen schlägt mein Herz dich in den Schlaf.“

Helmfried von Lüttichau Soloprogramm "Weil's raus muss..." mit Rapper Chief Motley
Helmfried von Lüttichau und Rapper Chief Motley. Foto: IW

Eine Überraschung des Abends ist der Auftritt des Rappers Chief Motley, bürgerlich Felix Walter und gebürtig aus Neuhaus, mit frischen Beats und energiegeladenen Reimen – ein spannender Kontrast zu den oft leiseren Momenten des Programms. Gemeinsam präsentieren sie einen eigens für den Abend komponierten Rap Song, der Elemente beider Welten vereint: die erzählerische Tiefe des Liedermachers und die rhythmische Ausdruckskraft des Raps.

„Vielleicht gebietet es auch der Anstand, dem Leben etwas zurückzugeben, indem man es leidenschaftlich und wahrhaftig lebt“, sagte Helmfried von Lüttichau in einem Interview mit KulturVision nach dem Ausstieg aus „Hubert und Staller“. Bedenkt man die Vielseitigkeit des Künstlers allein an diesem vor Ideen und Leidenschaft sprudelnden Abend im Oberbräu, spürt man, wie zwingend dieser Abschied von der Serie war, um wieder zu der Wahrhaftigkeit zurückzufinden, all die vielen verschiedenen Facetten zu leben. Der Staller war eine davon. Der Helmfried von Lüttichau ist aber umso vieles mehr.

Weiterlesen: Schliersee flippt aus – Helmfried von Lüttichau „plugged“ in Schliersee

Wer „Weil’s raus muss – das zweite Programm“ in Holzkirchen verpasst hat, kann sich auf den Schlierseer Kulturherbst freuen: Helmfried von Lüttichau wird dabei sein.

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