Hans Schneider mit „Landschaft Blumen Schrift“

Landschaft Blumen Schrift

Hans Schneider vor zwei seiner neuen Werke, „Stiller See“ und „Herbstschnee“. Foto: MZ

Ausstellung in Gmund

Heute präsentieren wir Ihnen parallel zwei Künstler, beide Grafikdesigner und beide in freier künstlerischer Arbeit tätig. Zeitgleich haben sie Ausstellungen in Gmund. Hier ist Hans Schneider, schon lange als Maler in der Region bekannt, der in der Raiffeisenbank Gmund neue und alte Werke unter dem Titel „Landschaft Blumen Schrift“ präsentiert.

Der Besucher wird von einem fünfteiligen Gemälde gleichen Inhalts, aber unterschiedlicher Farbgebung empfangen. „Lake of beauty“ nennt der Künstler sein Bild vom Tegernsee. Er will damit die überflüssigen Bemühungen zeigen, die Landschaft schöner zu machen, den See sozusagen zu schminken. „Dieses Thema werde ich noch ein paarmal aufgreifen“, sagt er.

„Landschaft Blumen Schrift“ nennt er die Präsentation, in der er ältere, aber auch ganz neue Arbeiten zu seinen bevorzugten Themen zeigt.

Hans Schneider
Landschaft Blumen Schrift. Foto: MZ

Es ist immer wieder die Landschaft rund um den Tegernsee, die ihn inspiriert. Nicht aber Postkartenmotive, sondern einerseits induziert er bei der Betrachterin Nachdenken zum Zeitgeist und zum anderen malt er Regionen fernab des touristischen Rummels.

In den ersten Bereich fallen solche Bilder wie „Abgeha(c)kt“. Hier bezieht sich Hans Schneider auf eine unerlaubte Fällaktion an der Point, die einen Aufschrei verursachte, dann aber kehrte schnell wieder Ruhe ein. Das Bild zeigt nicht nur eine fiktive Baumanordnung, sondern weist im Wurzelbereich bereits auf architektonische Strukturen hin, als sei der Platz bereits verplant.

Landschaft Blumen Schriftt
„Abgeha(c)kt“ Foto: MZ

Auch „Malerwinkel-Opening“ ist ein kritisches Bild mit ironischem Blick auf die überbordernden Anglizismen. Der Vorhang geht auf, der rote Teppich ist ausgerollt, Events und Happenings und Openings können starten.

Wenn Hans Schneider seine Heimat ohne ironischen Seitenblick malt, dann findet er immer wieder Ausblicke in die Natur von großer Faszination. Ein einfacher Stadel, wie er sagt „abseits vom Drama“ entfaltet seinen Charme in der Abendsonne und dem magischen Blau der Berge im Hintergrund.

Titelbild für Siegerurkunde

Eins seiner Bilder vom Tegernsee, das Hans Schneider in der Raiffeisenbank Gmund zeigt, war das Titelbild der Siegerurkunde beim Bergfilmfestival Tegernsee. „Farbiger See“ heißt es und vermittelt Karibikfeeling aufgrund der grünen Wasserfarbe, so wie sich der See auch jetzt immer wieder zeigt.

Bergfilmfestival
„Weg nach Dürnbach“ und „Farbiger See“. Foto: MZ

Der Künstler erklärt mir, wie seine Bilder entstehen. Er arbeitet mit transparenter Farbe, die er über den Untergrund schüttet, verlaufen lässt und dann auf den Zufall wartet. „Das ist das Geheimnis“, verrät er. Zuweilen tupft er oder er dreht um 90 Grad und erzielt mit immer neuen Farbverläufen spannende Kompositionen, die sich zumeist im Himmel zeigen. Allerdings, diese Bilder sind einmalig, wiederholbar sind die Farbverläufe, die sich durch zwanzig bis dreißig Lasuren ergeben, nicht.

Zufällige Farbverläufe

So bei dem Bild „Rote Wolke 1“, diese bedrohliche Himmelserscheinung habe sich ergeben, erzählt Hans Schneider. Und auch die Spiegelungen im See sind die Folge von zufälligen Farbverläufen und keine naturalistischen Darstellungen. Diese Malweise sei oft viel realistischer als die simple Malerei, meint er.

Er stellt sich vor sein Lieblingsbild, „Herbstschnee“, das habe er eigens für diese Ausstellung gemalt und zeige eine realistische Anmutung im Vorwinter.

Landschaft Blumen Schrift
„Nach dem Gewitter“. Foto: MZ

Gleich daneben findet sich das Bild „Nach dem Gewitter“. Dies sei ein typisches Beispiel dafür, wie bei ihm ein Bild entstehe, zeigt er mir. Ein älteres Bild mit aufgetragener Spachtelmasse habe ihm nicht gefallen. Und nach Courbetschem Vorbild habe er dann mit einem ganz flachen Pinsel Farbe darübergestrichen, so, dass die Täler dunkel blieben. Damit erzielt er einen effektvollen, plastischen Vordergrund.

Das Thema Blumen ist in der Ausstellung insbesondere mit den Lieblingsblumen von Hans Schneider besetzt, den Nachtkerzen. Ihn fasziniere bei diesen als Unkraut verschrieenen Blüten der abrupte Wechsel von Pracht und Sterblichkeit, sagt er.

Hans Schneider Blumen
Nachtkerze (Triptychon). Foto: MZ

Im Triptychon im Erdgeschoss wird deutlich, dass sich der Künstler auf die spitzen Knospen fokussiert, die Blätter seien sehr schwer zu fassen. So geht der Maler hier den Weg von der gegenständlichen Malerei zur Verfremdung, ein typisches Kennzeichen seiner Kunst, das er so begründet: „Damit kann man die Aussage verstärken und zum Kern des Themas vordringen.“

Schrift und Kalligrafie

Das dritte Thema, das den studierten Grafiker immer wieder beschäftigt, ist Schrift und Kalligrafie. Gern baut er in seine Werke typografische Elemente ein und spielt auch hier mit der Technik. So kommen raffinierte Strukturen zustande, wenn er nach dem Farbauftrag eine Folie auflege, beschwere und über Nacht liegenlasse.

Die Raiffeisenbank Gmund gibt Künstlerinnen und Künstlern der gmundart, die in diesem Jahr keine Ausstellung im Jagerhaus zeigen können, stattdessen ein Online-Portal einrichteten, ein Forum, ihre Werke zu zeigen. Die Ausstellung „Landschaft Blumen Schrift“ von Hans Schneider ist bis zum 11. August zu den Öffnungszeiten der Bank zu sehen.

Zum Weiterlesen: Gemalte Fantasiewelten stellen Fragen

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