Ein kongeniales Paar

Das Autoren-Ehepaar Amelie Fried (links) und Peter Probst im Max-Rill-Gymnasium, Schloss Reichersbeuern. Foto: Josef Fuchs

Im Rahmen der Reihe „Schlaglicht Kultur“ des Max-Rill-Gymnasiums im Schloss Reichersbeuern bot das Autoren-Ehepaar Amelie Fried und Peter Probst Einblicke in ihre Arbeit als Schriftsteller an.

Erzählen in Zeiten der Verunsicherung

„Erfindung, Lüge, Wahrhaftigkeit – Erzählen in Zeiten der Verunsicherung“ war das Thema des Gesprächs mit der Schriftstellerin Amelie Fried und ihrem Mann Peter Probst, Drehbuchautor für Fernsehkrimis. Nikolaus Frei, Leiter der Theatergruppe des Gymnasiums, moderierte die Diskussion.

Sein neues Buch ist als „Hybridkrimi“ konzipiert, erklärte Peter Probst. Basierend auf eine wahre Begebenheit entwickelt er daraus eine fiktive Geschichte. Da kommt es auch schon mal vor, dass im Roman Orte und Bauwerke auftauchen, die es real nicht gibt.

Dies geht Amelie Fried schon etwas zu weit. Für sie gehören zwar Fantasie und Recherche auch zusammen, der Unterschied muss aber erkennbar bleiben. Fried sieht die Gefahr, dass die Fiktion dann zur Lüge wird, wenn sie mit einem moralischen Akzent versehen wird. So haben die Figuren in ihren Erzählungen sowohl menschliche Stärken, als auch Schwächen. Der Leser will nicht für dumm verkauft werden. Ihr Anspruch ist in erster Linie zu unterhalten – mit Witz und Ironie.


Podiumsdiskussion mit (v.l.n.r.) Nikolaus Frei, Amelie Fried und Peter Probst. Foto: Josef Fuchs

Schreibwerkstatt als persönlicher Entwicklungsschub

Rund 25 Jahre habe sie Bücher geschrieben, ohne groß darüber nachzudenken, erzählte Amelie Fried. Erst bei einem Schreibkurs, den sie selbst leitete, zwangen die Kursteilnehmer sie, genauer hinzuschauen. Das Ergebnis war eine Schreibblockade. Bei jedem Halbsatz kamen ihr Skrupel und Bedenken. Erst nach einer längeren Phase des Nachdenkens und Reflektierens löste ich die Blockade wieder. Im Nachhinein habe sie diese Erfahrung als Entwicklungsschub für ihr schriftstellerisches Schaffen empfunden, so die Autorin.


Amelie Fried und Peter Probst signieren ihre Bücher. Foto: Josef Fuchs

Amelie Fried: Eine von uns

Wie auch alle ihre früheren Bücher ordnete Amelie Fried ihr neues Buch „Eine von uns“ in das Genre der Familien- und Gesellschaftsromane ein. Sie las einige Seiten aus dem ersten Kapitel vor, in dem die heile Welt einer Familie beschrieben wird. Nelly, 39 Jahre, hat mir ihrem Mann Tom, 49 Jahre, zwei Töchter, Cleo und Emma. Tom, von Beruf Wirtschaftscoach, kann der Familie ein finanziell und materiell sorgenfreies Leben bieten. Nelly fühlt sich in ihrer Rolle als „Tradwife“ wohl und präsentiert ihr Alltagsleben in dem Videoblog „Happy wife, happy life!“. Doch schon im nächsten Kapitel stürzt ein Unglück die ganze Familie in den Abgrund.


Amelie Fried liest aus ihrem neuen Buch vor. Foto: Josef Fuchs

Am helllichten Tag

Neben Drehbüchern schreibt Amelie Frieds Mann Peter Probst ausschließlich Kriminalromane. Seine Recherchen zu seinem neuen Buch „Am helllichten Tag“ führten ihn nach Pirmasens. Dort ereigneten sich in den 1960er Jahren Entführungen und Morde an Kindern im Alter von acht bis zehn Jahren. Die Verbrechen wurden nie aufgeklärt und bleiben bis heute ein „cold case“. Soweit die Realität – die von Peter Probst in eine fiktive Geschichte eingebettet wird. In Reichersbeuern las der Autor einige Seiten darüber vor, wie die Hauptprotagonistin Toni, 33 Jahre und freischaffende Journalistin in München, Jahrzehnte danach mit dem ungelösten Fall in Berührung kommt. Nachdem sie erfährt, dass ihr Vater im Sterben liegt, kehrt sie unverzüglich in ihre Heimatstadt Pirmasens zurück – jedoch zu spät. In seinen Hinterlassenschaften findet sie einen Brief, der sich auf die früheren Verbrechen bezieht. Doch mitten im Satz endet der Brief abrupt. Toni will wissen, was ihr Vater mit diesen ungelösten Fällen zu tun hat und fängt an zu recherchieren.


Die aktuellen Bücher des Autoren-Paares. Foto: Josef Fuchs

Aufruf zum Schreiben

Peter Probst appellierte besonders an die anwesenden Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums: „Fangt einfach an zu schreiben!“. Diesem Appell schloss sich Amelie Fried an. Mit bereits elf Jahren hat sie für sich beschlossen, Schriftstellerin zu werden. Sie schränkte allerdings ein, dass es nur sehr wenigen gelingt, vom Schriftstellerberuf langfristig leben zu können. Ein Anfang wäre, einfach nur für sich selbst zu schreiben.

Literaturhinweise: Amelie Fried: „Eine von uns“, 2026 Heyne Verlag, München; Peter Probst: „Am helllichten Tag“, 2026 Heyne Verlag, München

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