
Junge Kammermusiker
Bilden seit 2021 das Freytag Trio (v.l.n.r.): Helene Freytag (Violine), Wilhelmine Freytag (Klavier) und Albrecht Freytag (Violoncello). Foto: Marcus Vitolo
Beeindruckender Saisonauftakt des „Podium für junge Solisten“
Die Konzertreihe „Podium für junge Solisten“ eröffnete die Saison 2026 mit drei talentierten Teenager-Musikern. Das Trio Freytag mit den Geschwistern Helene an der Violine, Wilhelmine am Klavier und Albrecht Freytag am Violoncello zeigte mit seinem hervorragenden Auftritt Talent, Strebsamkeit und Jugend, die ausgemachten Eigenschaften der Zielgruppe des „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker“ e.V. schlechthin.
Energie und Wildheit
Erst seinen Klaviertrios gab Ludwig van Beethoven die Ehre einer Opuszahl, er sah sie als gelungene Kompositionen an. Diese Formation hatte kein starkes Vorbild außer der barocken Triosonate. Beethoven schuf hier die Gleichberechtigung der Instrumente, erlöste das Cello aus der Rolle des Bass-Verstärkers (davor oft durch das schwächere Klangvolumen der Tasteninstrumente bedingt) und beteiligte alle drei Instrumente am musikalischen Geschehen. Damit entfernte er sich von Stil der geselligen Unterhaltungsmusik.
Das Freytag Trio spielte das Klaviertrio Nr.3 in c-Moll in sinnig durchdachtem Tempo und gelungen nachempfundener Spannung zwischen den Instrumenten. Die Haltemomente und Pausen nutzten sie im Spannungsaufbau des immer hastiger werdenden Hauptthemas des Allegro con Brio treffend aus. Wärme und Gesanglichkeit verströmten sie im Andante cantabile con variazioni, ließen den C-Dur Abschnitt des noch nächtlich-Moll Menuetts tröstlich aufleuchten und stürmten mit Energie und Wildheit dahin, um mit Aha-Effekt den Schluss im sanften piano magisch ausklingen zu lassen.

Spielt von liebevoll bis wild: das Freytag Trio. Foto: Marcus Vitolo
Musikalischer Liebesbrief
Einen „musikalischen Liebesbrief“ schuf der 17-jährige Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch als er, an Tuberkulose erkrankt, nach einer Operation einen Kur-Aufenthalt auf der Krim wahrnehmen musste. In der Gruppe der jungen Rekonvaleszenten erlebte er seine erste Verliebtheit und verwandelte diese, zurück in Petrograd, in Musik. Das Trio Nr.1, op.8 ist eine Ansammlung von musikalischen „Kleidern“ eines Motivs, welches das Werk durchzieht. Die Geschwister Freytag zeigten mit Elan und Freude die Facetten von Sinnlichkeit, Virtuosität, Gesanglichkeit und Ernst dieses rhapsodischen Stückes.
Intensive Emotionen
Aus jedem Satz von Antonin Dvoraks Klaviertrio B-Dur holten die Geschwister Freytag nachdrücklich die Emotionen. Anklänge von Schubert, Schumann und Mendelssohn sind zu ahnen, sowie die persönliche Arbeit des Komponisten. Das Allegro molto in seiner Spannung und kompakten Struktur erklang in hoher Tonästhetik, das Adagio molto offenbarte seinen Schmerz, sein schwermütiges Leiden. Erheiterung brachte das Scherzo mit vergnüglichem Tanzrhythmus, bebende Düsternis hingegen das dahin fegende Finale. Ein lebendig-quirliger Schlusssatz aus Joseph Haydns Klaviertrio Hob. 32 A-Dur erklang als Dankeschön für das begeistert klatschende Publikum.
Das Freytag Trio aus Leipzig, bestehend aus den Geschwistern Helene (geboren 2005), Wilhelmine (geboren 2007) und Albrecht Freytag (geboren 2010), wurde offiziell 2021 gegründet. Seitdem haben die drei Musiker zahlreiche Preise gewonnen, etwa den Mitteldeutschen Jugendmusikpreis und den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“.
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