Geschichten mit Würde begegnen

Matthias Hefter, Anja Gild, Monika Ziegler, Markus Bogner (v.l.) bei der Vorstellung der Fastenpredigtreihe „Verlust“. Foto: Anna Reiter

Veranstaltungsreihe in Holzkirchen

Die vierte Folge der Reihe Fastenpredigten widmet sich dem Thema „Verlust“. Beim Pressegespräch in der Kapelle zur Heiligen Familie St. Josef erläuterten die Organisatoren und die erste Referentin Hintergründe und Absicht dieses Themas.

Die Idee für das Format stammt von Markus Bogner, Autor, Dozent, Biobauer vom Boarhof in Holz. In seiner Heimatgemeinde habe ein Pfarrer Diskussionen nach der Predigt eingeführt, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, eine Art der Mitgliederwerbung und eine Möglichkeit, die Kirche mit Leben zu erfüllen.

Das passt zum Konzept „St. Josef mit Leben füllen“, eine Veranstaltungsreihe, die Matthias Hefter erfolgreich organisiert. So entstand die Kooperation mit KulturVision e.V. Das Konzept sieht vor, dass Laienprediger, Frauen und Männer, nach ihrem Vortrag zur Diskussion einladen.

Nach der Frage „Laudato Si – Sind wir noch zu retten?“ im Jahr 2023, fragten wir 2024 „Wie wollen wir leben, wohnen, arbeiten, sterben?“. 2025 wollten wir in einer Zeit der Mutlosigkeit, mit Mutmachgeschichten inspirieren.

2026 widmen wir uns einem Thema, das entweder negiert oder aus populistischen Gründen erhöht wird, dem Verlust. Monika Ziegler, Vorsitzende von KulturVision, weist auf das Buch „Verlust – Ein Grundproblem der Moderne“ von Andreas Reckwitz hin, das zu diesem Thema führte.

Lesetipp: Verlust und wie wir damit umgehen

„Verlust passt nicht zur Fortschrittsideologie, wo immer alles besser werden muss“, erklärte sie. Deshalb werde Verlust negiert oder totgeschwiegen, ein Tabuthema. Andererseits aber würden Verluste anderer für die eigene Darstellung erhöht, etwa von Populisten, und der Büchermarkt sei voll mit Ratgebern. Dieser Paradoxie wolle man sich stellen und an vier Fastenpredigten zeigen, wie mit Verlusten umgegangen werden kann.

„Die Hemmschwelle, mit jemandem über einen Verlust zu sprechen ist groß“, betonte Markus Bogner. „Wir haben aber auch eine große Verantwortung dafür, nicht die Tür zum Voyeurismus aufzumachen, wir wollen den Geschichten mit Würde begegnen.“ Sie sollten dazu dienen, mit eigenen Erlebnissen abzugleichen, denn fast jeder habe zu dem Thema Erfahrungen.

Das bestätigte Matthias Hefter: „In jeder Familie gibt es Verluste, die oft totgeschwiegen werden, das ist ein seelsorgerisches Thema.“ Oft sei die Umwelt überfordert damit, Betroffenen beizustehen.

„Es geht um Hilflosigkeit“, betonte Markus Bogner. Er habe viele Jahre im Kriseninterventionsteam Todesnachrichten überbringen müssen und wisse, dass alles, was man erlebe, Teil der Biografie werde, der Hilflosigkeit müsse man sich stellen.

Verlust
Anja Gild. Foto: Carlotta Gild

Vier Menschen erzählen ihre persönliche Geschichte und wie sie mit ihrem Verlust fertig geworden sind. Am 1. März um 17 Uhr wird Anja Gild über den Verlust eines Kindes sprechen. Die Valleyerin hat am 30. Oktober 2022 ihren Sohn durch einen Motorradunfall verloren. Jacob wurde 19 Jahre alt.

„Ich werde in den ersten zwanzig Minuten die Zuhörenden mitnehmen in die Welt des Verlustes eines Kindes, aber auch mit Urteilen und Vorurteilen aufräumen“, sagte sie. „Im zweiten Teil werde ich darüber sprechen, was mir geholfen hat und das Publikum mit einem Wunsch entlassen.“

Sie sagte, dass der Tod ihres Sohnes auch etwas mit dem Verlust ihres Glaubens zu tun habe. Das Thema in vierzig Minuten umfassend darzustellen, sei nicht möglich. Es sei für sie eine Herausforderung, in der Öffentlichkeit über diese Erfahrung zu sprechen, der sie sich aber stellen werde, weil sie etwas mitgeben möchte. Die Valleyer Musikerin Annemarie Hagn wird die Veranstaltung musikalisch begleiten.

Verlust
Sabine Lessig. Foto: privat

In der zweiten Fastenpredigt geht es um den Verlust der künstlerischen Anerkennung. Sabine Lessig studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Werner Tübke und gehörte zur international renommierten Leipziger Schule. Seit 1986 lebt sie mit ihrer Familie in Bayern. Sie war in der DDR bekannt und erhielt eine Reihe staatlicher Aufträge. „Ich bin durch die Maschen gefallen“, sagt Sabine Lessig. „In der DDR war ich unangepasst, habe mich gewehrt und wurde betrogen.“ Aber sie war als Künstlerin anerkannt. Heute aber sind ihre Auftragswerke verschollen, das Kulturgut als unbedeutend erachtet und sogar bei eBay verramscht. Am Hackbrett begleitet Theresa Bichlmeier.


Claus Angerbauer. Foto: privat

Der Musiker Claus Angerbauer verlor sein Augenlicht. Und sagt: „Als ich im Jahre 1992 auf eine Erblindung zuging und mir attestiert wurde, dass ich sehr bald in meinem Leben nie mehr etwas sehen werde, war ich natürlich zuerst einmal in höchstem Maße schockiert. Damals hatte ich nicht im Entferntesten daran gedacht, dass mein zukünftiges Leben als blinder Mensch einmal so viele, wunderbare und extrem facettenreiche Erlebnisse und ganz besondere Glücksmomente bieten würde. Ja, ich habe das Glück, ein akkurates Umfeld, einen großartigen, mich unterstützenden Freundes- und Bekanntenkreis und eine wundervolle Frau zu haben, die in all meinen Plänen mir zur Seite steht. Sei es Musik, politisches Wirken, natürlich mein Engagement für eine inklusive und barrierefreie Gesellschaft und vieles mehr.“ Der Musiker wird sich selbst begleiten.


Sophie Obermüller. Foto: privat

Die Reihe beschließt Sophie Obermüller, die den Verlust ihres Hauses bewältigen musste. Am Freitag, den 12.12.2014 war die Welt von Sophie Obermüller und Ihrer Familie am Vormittag noch eine ganz andere als am Abend desselben Tages. In der Früh noch hatten sie die Kühe im Stall ihres Bauernhofes in Kreuth gemolken. Um 20 Uhr waren von Tenne und Stall ihres Bauernhofs nichts mehr zu sehen. Mit einem Bagger und großen Transportern trugen die Einsatzkräfte den Holzbau samt Heu komplett ab, denn das trockene Futter entzündete sich immer wieder. Kurz nach Mittag hatte ein Feuer den gesamten Wirtschaftstrakt zerstört. Das angrenzende Wohnhaus war schwer beschädigt. Da standen sie nun vor den Trümmern ihrer Existenz. Wie geht man mit dem Verlust von Haus und Hof um? Wie gehen die anderen damit um? Was gibt einem Halt? Was gibt Zuversicht? Welche Lehren fürs Leben zieht man aus einem solchen Ereignis? Die musikalische Umrahmung übernehmen die Kinder der Rednerin.

Die Veranstaltungsreihe startet am Sonntag, 1. März um 17 Uhr in der Kapelle zur Heiligen Familie St. Josef in Holzkirchen und wird an den Folgesonntagen fortgesetzt, der Eintritt ist frei, um Spenden für Musiker und Organisation wird gebeten.

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