Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte

7 Wochen Ohne… Mit Gefühl!. Foto: plainpicture/Hero Images/Hero Images

Fastenaktion der evangelischen Kirche

Morgen beginnt die Fastenzeit und wieder lädt die evangelische Kirche zu ihrer Fastenaktion „7 Wochen Ohne…“ ein. In diesem Jahr hat sie ein Thema gewählt, das einen Gegenpol zur aktuellen Entwicklung hin zu Gewalt bietet.

In seiner Botschaft zur diesjährigen Fastenaktion schreibt Ralf Meister, Landesbischof in Hannover und Botschafter der Aktion „7 Wochen Ohne“:

„Weit draußen im Weltall soll es einen Planeten geben, der zu einem Drittel aus Diamant besteht. Eine Welt aus dem härtesten Stoff, den wir kennen. Eine faszinierende Vorstellung. Bei uns auf der Erde ist Härte auf andere Weise allgegenwärtig. Sie zeigt sich etwa in Unbarmherzigkeit und Gewalt. Zahllose Menschen erleben sie an Leib und Seele. Wir selbst legen oft eiserne Panzer an, um uns zu schützen. Und verletzen uns damit umso mehr. Wie anders tritt Gott unserer Welt gegenüber. Ungeschützt, mitfühlend. „Also hat Gott die Welt geliebt“, so heißt es in Johannes 3,16. Was für ein heilender Umgang!

7 Wochen Ohne...
1, Woche: Sehnsucht. Foto: Dan Petermann

Die Fastenaktion steht in diesem Jahr unter dem Motto „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“. Für sieben Wochen treten wir bewusst aus der Praxis und den Bildern der Härte heraus. Wir fühlen uns ein in den Blick Gottes auf unsere Welt. Wir üben uns in einem mitfühlenden Umgang miteinander. Kein Stoff, und sei er hart wie Diamant, schützt vor den Verletzungen des Lebens.

7 Wochen Ohne...
2. Woche: Weite. Foto: China Hopson

Doch Anteilnahme, ein mitfühlender Blick, ein erlösendes Wort können befreiend sein. „Sie umarmten sich lange. Sie hielten sich so fest, wie es Menschen tun, die etwas miteinander erlebt haben, was so schrecklich ist, dass sie darüber nicht sprechen können. Sie weinten.“ Vor Jahrzehnten las ich einmal diese Zeilen, die ich der Erinnerung nach wiedergebe.

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3. Woche: Verletzlichkeit. Foto: Nils Böddingmeier

Das können wir tun: einander festhalten im Schmerz und auf den Weg Gottes schauen, der uns herausführen kann. Lassen Sie uns mit Gefühl durch die Passionstage gehen, auf Ostern zu. Lassen Sie uns fühlen, wie lebendig das Leben sein kann, wenn es jenseits aller Härte neu wird! Schön, dass Sie dabei sind.“

7 Wochen Ohne…

In den nun folgenden sieben Wochen gibt es für jede Woche ein Motto, das zur Reflexion anregt.

Die erste Woche steht unter dem Thema „Sehnsucht“: „Am Anfang der Fastenzeit spüren wir unserer Sehnsucht nach. Wohin soll es gehen? Habe ich einen inneren Kompass? Ein „hörendes Herz“, wie der junge König Salomo es sich wünscht, das mir den Weg weist?


4. Woche: Mitgefühl. Foto: Dominic Driessen

Die zweite Woche ist der Weite gewidmet: In mir ist eine große Bandbreite an Gefühlen. Welche erlaube und welche versage ich mir? Oft sind wir zu streng und hart mit uns selbst. Diese Woche entdecken wir, wie weit der Raum ist, auf den Gott uns stellt.

Die dritte Woche erinnert an unsere Verletzlichkeit: In manchen Zeiten sind wir besonders dünnhäutig und verletzlich. Es erfordert Mut, sich jetzt nicht zu verstecken. Und andere um Hilfe zu bitten, wie Jesus es bei seinen Jüngern tut. Können wir das? Und wie gehen wir damit um, wenn die anderen einen dann doch hängenlassen? Niemand ist nur stark.


5. Woche: Nachfragen. Foto: Milena Schilling

Die vierte Woche appelliert an unser Mitgefühl: Es ist eine Kunst: Mitschwingen mit den Gefühlen anderer, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren. Wir üben das empathische Mitweinen und Mitfreuen. Fragt sich, was von beidem leichter ist?

Die fünfte Woche fordert zum Nachfragen auf: Ein Gegenmittel zu einem harten Gesprächsabbruch ist Nachfragen: Ich verstehe dich nicht – erkläre mir deine Sicht! Gerade, wenn es um Fragen von Mitgefühl und Nächstenliebe geht. Wie nahe lasse ich das Schicksal von Menschen an mich rankommen, die ich vielleicht gar nicht kenne? Da müssen wir drüber reden!


6. Woche: Sanfte Töne. Foto: Kaja Grope

Die sechste Woche schlägt Sanfte Töne an: Was kann ich tun, wenn es einem Freund, einer Freundin schlecht geht? Davids Harfenspiel erreicht die Seele. Und ich? Habe ich auch ein Talent, mit dem ich Menschen in Not Gutes tun kann?

Die siebte Woche bereitet mit Furcht und große Freude auf Ostern vor. Wir werden hin- und hergeschüttelt von den Ereignissen der Karwoche. Da kommen die Gefühle manchmal nicht hinterher. Die Frauen am leeren Grab fürchten sich und können trotzdem die Freude spüren, die in ihnen wächst und irgendwann ganz übernehmen wird.


7. Woche: Furcht und große Freude. Foto: Rosa Merk

ZDF überträgt am 22. Februar

Der Eröffnungsgottesdienst der Fastenaktion findet am 22. Februar 2026 statt. Er beginnt wegen der Olympiaübertragung bereits um 9 Uhr. Das ZDF überträgt live aus der St.-Albani-Kirche in Göttingen.

Braucht es nicht auch Härte? Braucht es nicht Klarheit und Entscheidungskraft? Welcher Härtegrad ist heilsam und welcher toxisch? „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“ – Der Eröffnungsgottesdienst bügelt das Motto der diesjährigen Fastenwoche ordentlich gegen den Strich.

Die Liturgie gestaltet Pfarrerin Angelika Ohlemacher mit Mitliedern der St.-Albani-Gemeinde. Landesbischof Ralf Meister hält die Predigt. Das „Harnisch-Ensemble“, Kammerchor der Stadtkantorei, leitet Kantor Bernd Eberhardt. Und Kantor Stefan Kordes spielt die Orgel.

Die Fastenaktion lädt auch zum Fasten in einer Gruppe ein. Es habe sich gezeigt, das gemeinsame Fasten ist wie sieben Wochen Süßigkeiten für die Seele. Auf der Webseite 7 Wochen Ohne… gibt es Anregungen zur Gründung einer eigenen Fastengruppe.

Zum Weiterlesen: 7 Wochen ohne Panik
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