Ein Treffen der besonderen Art

Andreas Martin Hofmeier. Foto: Kultur im Oberbräu

Konzert in Holzkirchen

Heiter-gespannte Stimmung, Vorfreude an einem der ersten lauen Sommerabende bei Sprizz und Hugo, anregende Gespräche im Foyer der Kultur im Oberbräu. Es lag etwas Besonderes in der Luft. „Tout“ Holzkirchen und das Oberland waren versammelt im restlos ausverkauften Festsaal.

Staatsorchester trifft Professor

Tosender Applaus erschallte, als sie endlich auf die Bühne stiegen, die zehn Kontrabassisten der Staatsoper und mit der Ouvertüre der Oper „Tannhäuser“ von Richard Wagner die Vorfreude auf einen besonderen Abend zur Gewissheit werden ließen. Sanfter Schauder erfasste auch den Nicht-Wagnerianer. Hier waren Meister ihres Fachs am Werk.

Und nun kam er: Andreas Martin Hofmeir, Tubist und „Instrumentalist des Jahres 2013“, Professor am Mozarteum Salzburg und Mitbegünder der Band LaBrassBanda, barfuß wie immer, locker und launig plaudernd erklärte er das diesjährige Bass Projekt 2. Er nannte das Aufeinandertreffen eine „Vereinigung der beiden schönsten und wohlklingendsten Instrumente Tuba und Kontrabass“. Es war ein bisher erst- und einmaliges Aufeinandertreffen der Mitglieder des Bayerischen Staatsorchesters mit ihm, dem wunderbaren Musiker und Kabarettisten.

Witzig, mit großer Spielfreude und Temperament machten sich 4 Kontrabassisten auf den Weg. Sie spielten allein und zusammen, rasant wie im Flug, hoch und tief. Es quietschte, summte, surrte, bis wieder die tiefen Töne an Fahrt aufnahmen und gemächlich durchpflügte Alexandra Hengstebeck die Saiten, sie die einzige Frau, „die Henne im Korb“ (wie Hofmeir sie vorstellte), bei den Herrn der tiefen Töne.

Es folgte ein Potporri bekannter Melodien, von Wiener Schrammelmusik bis Greensleaves, von ungarischem Czardas bis Tulpen in Amsterdam.

Warum Tuba und Kontrabass verwandt sind

Nicht nur, dass sie groß und sperrig sind und rein gar nichts mit schrillen, hohen Tönen zu tun haben. Es gibt auch noch einen anderen Grund. „Niemand erlernt diese Instrumente freiwillig“, belehrte uns Andreas Hofmeir. Und das mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis ist auch so eine Sache. Bei Dvoraks 9. Sinfonie haben die Geigen 20000 Töne und die Tuba nur sieben. Aber – was soll`s?

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Das Oktett der Bässe. Foto: Kultur im Oberbräu

Nun glänzten die Musiker mit Metallica und der Meditation aus Jules Massenets relativ unbekannter Oper „Thais“ und dem ewig jungen Czardas von Vittorio Monti.Thomas Jauch, Florian Gmelin, Reinhard Schmid, Thorsten Lawrenz, Thomas Herbst, Andreas Riepl, Wieland Bachmann, Alexander Önce, Ertug Torun entlockten gemeinsam mit ihrer charmanten Mitstreiterin Hengstebeck ihren wahrlich nicht handlichen Instrumenten unvergleichliche Töne. Nicht enden wollender Applaus, Jubel, Trampeln, und doch entließ man uns in die Pause.

„Fanny und Ursula“

Zum Dahinschmelzen interpretierten die Musiker das Vorspiel aus der Oper „La Traviata“. Dann las Andreas Martin Hofmeir eine Geschichte vor „Über die Herausforderung, eine Tuba zu transportieren“. Fanny, die Tuba, wird gescannt, von allen Seiten begutachtet und endlich, nach langem Palaver ins Flugzeug geschafft.
Nach einem als „fad und depressiv“ angekündigten brasilianischen Liebeslied, melancholisch, mit wunderbar zarten, aus der Tiefe kommenden Strichen folgt mit „A night at the movies“ Filmmusik fröhlich, locker, geistreich.
Frenetischer Applaus, Bravo-Rufe, das Publikum ist völlig aus dem Häuschen!

Und natürlich erbarmen sich die Musiker und erfreuen uns mit zwei Zugaben. Mit Witz, unendlicher Spielfreude und großer Begeisterung klopfen, schlagen, streicheln sie ihre Kontrabässe, klappern rhythmisch den Takt, entlocken ihren Instrumenten helle, hohe, weiche Töne.
Aber – was ist das? Die Herren des Staatsorchesters entledigen sich ihrer Strümpfe und Schuhe und spielen wie Andreas Martin Hofmeir barfuß. Und Hofmeir hat zu guter Letzt „Ursula“ mitgebracht, seine Tuba aus Kinderzeiten, mit weiß-blauem Rautenmuster. Und nun setzen sie an zu einer furiosen Disko, bei der sich kaum einer auf den Stühlen halten kann.

Es war etwas Besonderes an diesem Mittwochabend, ein außergewöhnlicher Musikabend gestaltet von hinreißenden Künstlern vor einem total hingerissenen Publikum.

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