Der ewige Garten — Natur-Kultur-Mensch

Garten

Gemeinsam warten im und auf den ewigen Garten? Foto: Sebastian Urmel Saurle

Sonntagskolumne

Ein Stück Himmel auf Erden. Ein Stück Erde im Himmel. Der „Garten“ ist und kann beides. In schlechten Zeiten sichert(e) er gundlegendes Über-Leben. In guten Zeiten beschenkt er uns mit Sinnesfreuden und körperlicher Ausgegelichenheit. Und zwischendrin und überhaubt ist er eine der ursprünglichsten Formen von Kultur.

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Kultur trifft auf Natur im Garten. Links „Blaukraut“, rechts Distel. Foto: Sebastian Urmel Saurle

Szenerie Inmitten eines Gartens: Brassica oleracea var. capitata f. rubra versus Cirsium arvense. Rotkohl (respektive Blaukraut) vs. Acker-Kratzdistel. Kultur vs. Natur: Clash of the Titans. Aber eher im Sinne des Aufeinandertreffens, denn des Kampfes. Die Pflanzen an sich stehen im kosmischen Ranking nämlich vermutlich auf gleicher Ebene. Erst der Mensch hat durch Selektion die Wertigkeit der einen Pflanze über die der anderen gestellt. Sprich, aus dem ursprünglich „Wilden Kohl“ wurde durch körperlichen und intellektuellen Eingriff des Menschen die Kulturform „Kohl“, in unserem Fall die noch weiter bearbeitete Variation Kopfkohl mit der nochmals veränderten Variante des „roten“ Kopfkohls. Wow! Eine wahre Reinform des Begriffs „Kultur“. Man muss nicht Latein-Knecht gewesen sein, um dem Wort auf die Schliche zu kommen. Es reicht das Internet: „Kultur bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbstgestaltend hervorbringt – im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur .“

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„Kunstvoll“ veränderte Natur durch Menschenhand. Foto: Sebastian Urmel Saurle

Garten als Bindeglied zwischen Mensch und Natur

Der Garten ist demnach ein Bindeglied zwischen Natur und Mensch. Hier versucht Homo sapiens sich einerseits von der „wilden“ Natur abzugrenzen um sich gleichzeitig wiederum etwas Natur zu bewahren, inmitten seines kultivierten Menschseins. Nach dem Soziologen Eduard Kleber war, wird und bleibt der Garten somit auch immer ein Spiegelbild unseres Verhältnisses zur Natur. Kleber selbst ist ein praktischer Anhänger eines ganz besonderen Prinzips des „Gartelns“: der Permakultur. Hinter jener steckt im ursprünglichen Sinne die Idee eines Gartens welcher sich im Einklang mit allen Lebewesen und deren Grundbedürfnissen entwickeln soll und darf. Pflanze, Tier und Mensch innerhalb eines Ortes, welcher versucht offen und dynamisch zu bleiben, anstatt sich abzugrenzen und Veränderungen zu bekämpfen.

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Gelebte Permakultur im „Biogarten Holzkirchen e.V. “. Foto: Sebastian Urmel Saurle

„Ideal-Garten“ Permakultur

Die Versorgung mit Lebens-Mitteln ist oft zentrales Motiv eines Permakulturgartens. Aufgrund des ganzheitlichen und sehr komplexen Ansatzes geht es aber gleich um sehr viel mehr. Nämlich um nichts Geringeres als um den Platz der menschlichen Existenz hier auf diesem mit – anderem – Leben bevölkertem „blauen Stein“. Schon wieder: Wow! Philosophische Ergüsse in Zeilenform. Inspiriert durch den abstrakten und gleichzeitig sehr konkreten Begriff des Gartens. Kultur auf bodenständigstem und erdigstem Niveau.

Lesetipp: SoLaWi- mehr als Gemüsekiste abholen

Die Corona-Krise beflügelt gerade viele von uns über ihre Beziehung zum „Garten“ – oft wenn auch eben keiner vorhanden ist – neu nachzudenken. Es gibt dazu einen schönen Blog namens gardensinthetimesofcorona. Hierauf beschreiben GärtnerInnen von überall ihre, wiederentdeckten, praktischen und/oder ideellen Beziehungen zu jenem besonderen Fleckchen „Grün“. Die SchöpferInnen dieser Plattform haben eine Vision: „Wir möchten damit eine Zeitkapsel schaffen, die uns später einmal daran erinnern soll, welchen Stellenwert der Garten in diesen Tagen einmal hatte, was er uns fühlen und wovon er uns träumen ließ…“

Sehnsuchtsort Garten – ein ewiges Warten?

Der Garten, ein Sehnsuchtsort. Ganz real und doch auch immer visionär. Hier kann (je-)der Mensch Schöpfer sein. Hier sind Begegnungen mit sich, dem Gegenüber und all dem Dazwischen möglich. Natur – Kultur – Mensch im Paradies auf Erden.

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Der „letzte“ Garten vor dem Ewigen? Foto: Sebastian Urmel Saurle

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