Datenkompetenz

“You can’t manage what you can’t measure”

Die App „Stadt Land Datenfluss“. Foto: Stadt Land Datenfluss

Online-Vortrag im Zukunftsforum

In der Digitalisierung werden Daten immer zentraler, nicht umsonst werden sie als „Öl des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Wie können wir aber sicherstellen, dass Daten auch zum gesellschaftlichen Wohlstand beitragen und alle teilhaben können? Die Statistikerin Katharina Schüller setzt sich dafür ein, dass Datenkompetenz kein Expertenwissen bleibt, sondern zu einer Schlüsselkompetenz für alle Bürgerinnen und Bürger wird.

Im vierten Impuls im Rahmen des Zukunftsforums von „anders wachsen“ erläuterte Katharina Schüller am Beispiel der Corona Pandemie, welche Herausforderungen sich in der Arbeit mit Daten ergeben und wie Bürgerinnen und Bürger befähigt werden können, sich kritisch mit Daten auseinanderzusetzen.

Katharina Schüller ist Gründerin der statistischen Beratung STAT-UP und entwickelte zuletzt mit dem Deutschen Volkshochschul-Verband die App „Stadt, Land, DatenFluss“, in der man spielerisch mehr über Big Data, Datenschutz und Statistik lernen kann.

Datenkompetenz
Katharina Schüller. Foto: Screenshot Becky Köhl

„Datenanalyse ist kein Selbstzweck, sondern soll eine Aufgabe lösen“, betonte die Statistikerin. Richtig angewandt können Daten uns helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Dafür brauche es aber auch ein klares Verständnis dafür, wo die Grenzen der Aussagekraft liegen.

Datenkompetenz bei R-Wert und Inzidenz

Am Beispiel von Corona-Tests illustrierte Katharina Schüller, wie der R-Wert und die Inzidenz durch unsaubere Daten verfälscht werden können, was sie bereits bei acatech am Dienstag zum Thema „Skepsis in Wissenschaft und Technik“ herausgearbeitet hatte. Bei geringer Prävalenz (Anzahl von Erkrankten) machen falsch positive Tests (Nicht-Infizierte, die trotzdem ein positives Testergebnis haben) einen größeren Anteil aus und die Inzidenz werde so überschätzt. Auch eine Erhöhung der Anzahl an Tests führe zu einer überschätzten Inzidenz. Die Dynamik der Pandemie, der R-Wert, lasse sich hingegen auch mit schlechten Daten relativ zuverlässig schätzen.

Im nächsten Schritt ging die Statistikerin darauf ein, welche Indikatoren gut oder weniger gut geeignet seien, um die Pandemie zu beschreiben. Die Anzahl an bestätigten Fällen sei zum Beispiel ein leicht verfügbarer Indikator, würde aber die echte Zahl an Infizierten unterschätzen, da nicht jeder Infizierter getestet wird. Die Positivenquote (Anteil an positiven Tests) überschätze hingegen je nach Testkriterien die Anzahl an Infizierten. Wenn bevorzugt Menschen mit Symptomen getestet werden, dann entspreche der Anteil an Positivgetesteten nicht dem Anteil an Infizierten in der Gesamtbevölkerung. Der beste Indikator für die wahre Anzahl an Infizierten in der Bevölkerung seien sogenannte repräsentative Prävalenzerhebungen. Diese testen eine zufällige Gruppe an Menschen, unabhängig von möglichen Symptomen.

„Daten schaffen unsere Realität“

„Daten schaffen unsere Realität.“ Deswegen sei es wichtig zu hinterfragen, welche Daten wir überhaupt zur Verfügung haben. Im Corona-Dossier des Statistischen Bundesamts würden hauptsächlich Daten über die gesundheitliche und wirtschaftliche Situation aufgeführt, während nur wenige Seiten Themen wie Kinderbetreuung oder Bildung gewidmet sind. Auswirkungen der Pandemie auf die Umwelt werden gar nicht genannt. Gerade aber solche Daten über die Folgen von Corona für andere Lebensbereiche seien relevant, um die Verhältnismäßigkeit gewisser Maßnahmen bewerten zu können.

Stadt, Land, DatenFluss

Im letzten Teil ihres Vortrags stellte Katharina Schüller die von ihr mitentwickelte App „Stadt, Land, DatenFluss“ vor. Datenkompetenz oder Data Literacy, wie sie dort vermittelt wird, umfasse drei unterschiedliche Bereiche: Wissen, Skills und eine Werthaltung. Diese Kompetenzfelder finden sich in jedem Schritt des Arbeitens mit Daten – von der Datenerhebung, über die Datenanalyse bis hin zur Ableitung von Handlungsempfehlungen. In der App, bei der auch acatech beteiligt ist, können Interessierte jeden Alters anhand von Beispielen wie der Smart City oder des Gesundheitssystems ihre Datenkompetenz erweitern. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften acatech unterstützt das Projekt mit Experteninterviews der Plattform Lernende Systeme.

In der anschließenden Diskussion betonten auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie wichtig es sei, Daten über unterschiedliche Lebensbereiche in der Pandemie zu erheben. Katharina Schüller fügte dem hinzu, dass es häufig auch differenziertere Daten brauche, um zu verstehen, wer besonders betroffen sei. So hätten beispielsweise Schülerinnen und Schüler auf Gymnasien oft einen guten Zugang zu digitalen Bildungsmaterialien, im Gegensatz zu Kindern und Jugendlichen auf anderen Schularten. Hier müsse man mithilfe quantitativer und qualitativer Daten genauer hinsehen, um anschließend Lösungen zu entwickeln.

Lesetipp: Warum der Hammer keine Datenkompetenz hat

Am kommenden Sonntag, 14.3. um 11 Uhr gibt es im Zukunftsforum von „anders wachsen“ einen Vortrag und Diskussion zum Thema „New wilderness“. Den Impulsvortrag hält Ulrich Stöcker, Leiter Naturschutz, Deutsche Umwelthilfe e.V., danach soll mit Experten aus dem Landkreis diskutiert werden, welche Ansätze es bereits in der Region gibt. Anmeldungen über KBW Miesbach.

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