Tony Cragg, Michael Beck, Ausstellung, Gulbransson Museum

Tegernsee im Tony-Cragg-Fieber

Tony Cragg und Michael Beck bei der Ausstellungseröffnung im Gulbransson Museum. Foto: CS

Vernissage in Tegernsee

Das Werk von Tony Cragg, einem der bekanntesten Bildhauer unserer Zeit, lässt sich gerade nirgends besser als am Tegernsee erkunden: Neben seinen monumentalen Skulpturen am Seeufer können Kunstbegeisterte nun im Gulbransson Museum 175 weitere Werke des britischen Künstlers entdecken.

Bereits seit einigen Monaten stehen fünf riesige Skulpturen von Tony Cragg an den Uferpromenaden in Kaltenbrunn, Tegernsee, Rottach-Egern und Bad Wiessee. Für solche großen abstrakten und organisch anmutenden Arbeiten, die weltweit in renommierten Sammlungen vertreten sind, ist der 77-Jährige bekannt. „Ich mache mehrere Zeichnungen und kleinere Skulpturen und wenn die Arbeit interessant ist, mache ich sie größer“, sagte er bei den 2. Tegernsee Art Masters, die seine Skulpturen ins Tal holte.

Tony Cragg, Michael Beck, Ausstellung, Gulbransson Museum
Über 150 Zeichnungen und 25 Skulpturen können Besucher bis 14. Februar im Gulbransson Museum sehen. Foto: CS

Wie genau diese Zeichnungen und kleineren Skulpturen aussehen, können Besucher nun im Gulbransson Museum in Tegernsee in Augenschein nehmen: Denn seit dem 18. September präsentiert das Haus 175 Werke des seit 1977 in Wuppertal lebenden Künstlers, der unter anderem am Royal College of Art in London studiert und an verschiedenen Kunstakademien wie etwa in Düsseldorf gelehrt hat. Die Schau ermöglicht einen tiefen Einblick in sein Schaffen und seine Herangehensweise.

600 Kilogramm schwere Skulpturen von Tony Cragg

Michael Beck, Vorstandsvorsitzender der Olaf Gulbransson Gesellschaft (OGG), sprach bei den Eröffnungsfeierlichkeiten im Kurgarten vor Hunderten von Gästen (auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer schaute vorbei) von einem „neuen Zauber“, der in das Haus eingezogen sei. Die Schau, die von Tony Cragg selbst kuratiert wurde, zeige einmal mehr, wie sehr Kunst Räume verändern könne.

Auch wies er auf den enormen Aufwand einer solchen Ausstellung hin und bedankte sich bei allen Helfern und Beteiligten: „Wir sind ein kleines Haus, ein kleines Team und für so etwas gar nicht ausgestattet“, erklärte er. Um etwa eine 600 Kilogramm schwere Skulptur von Tony Cragg zu bewegen, müsse man Tricks wie die alten Ägypter anwenden, ergänzte er humorvoll.

Die Zeichnung als Essenz seines Tuns

Alle Mühen haben sich gelohnt, denn was die Besucher nun im Gulbransson entdecken dürfen, ist ein wichtiger Teil von Tony Craggs Oeuvre. Werke, die exemplarisch dafür stehen, wie er Form, Bewegung und Material wie Holz, Stein und Glas denkt und im Raum erforscht.

Gerade seine Bleistiftzeichnungen, die eng und teilweise übereinander an den Wänden hängen, spielen dabei eine besondere Rolle: Sie zeigen, wie er seine Objekte Strich für Strich entwickelt und aus unterschiedlichen Perspektiven konzipiert. Diese Zeichnungen seien der Ort, an dem er der Idee einer Form am nächsten komme, bevor sie in Material übersetzt werde, sagt Tony Cragg selbst.

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Die Zeichnungen gelten daher als Essenz seines Tuns und Seins: „Wenn man bedenkt, dass es unendlich viele Möglichkeiten gibt, zwei Punkte auf einem Blatt miteinander zu verbinden, wird einem die Unermesslichkeit der Möglichkeiten des Zeichnens und sogar der Realität selbst bewusst“, zitiert etwa Laudator Prof. Dr. Thomas A. Lange, Vorsitzender des Vorstandes der National-Bank AG sowie Vorsitzender des Kuratoriums der Cragg Foundation, den Künstler.

Glasarbeiten und Aquarelle von Tony Cragg

Überraschend in der Schau sind auch Tony Craggs zahlreichen Glasarbeiten, die auf Sockeln thronen und aussehen, als hätte die Natur selbst sie geschaffen. Auffallend anders dagegen etwa ein Turm aus transparenten Glaswürfeln, der leicht schief steht und jede Sekunde einzustürzen droht.

Tony Cragg, Michael Beck, Ausstellung, Gulbransson Museum
Glasarbeiten von Tony Cragg. Foto: CS

Eine weitere Facette seiner Arbeit stellen seine Aquarelle dar, mit denen er ebenfalls neue Formen und ihre Materialisierungsmöglichkeiten erforscht – nur eben mit wasserlöslichen Farben statt mit Bleistift. Sowohl in seinen Bleistift- genauso wie in seinen Aquarellarbeiten greift er dabei auch öfter gegenständliche Motive auf. Ein Beispiel dafür ist die Werkgruppe „Chromosomes“ mit ihren humanoiden Formen.

Leben und Erleben von Material

Kunst und Bildhauerei an sich seien Versuche, an den Grenzen der wahrnehmbaren Realität zu kratzen und immer wieder neue Formen zu finden, sagte Tony Cragg, der bei der Eröffnungsfeier noch spontan das Wort ergriff. Er werde immer wieder gefragt, woher seine Ideen kämen: „Ich habe wenig Ideen“, sagt der in Liverpool geborene Künstler, der 1988 den renommierten Turner Prize erhielt. Der Schlüssel läge im Leben und Erleben von Material. „Mit jeder abgeschlossenen Arbeit merkt man, dass ein Dutzend neuer Samen für die nächste Arbeit gesät worden sind“, erklärt er und freut sich über das Privileg, als Künstler immer wieder neue Wege gehen zu dürfen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Februar im Gulbransson Museum in Tegernsee, Kurgarten 5, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Eintritt Erwachsene 15 Euro, ermäßigt 13 Euro, mit Tegernseecard 9 Euro, Studenten und Auszubildende 3 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum erworben werden kann. Mehr Info unter olaf-gulbransson-museum.de

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