Gallery KOKO, Bachmair Weissach, Annabel Weichel, Benedikt Müller

Dem Gegenwärtigen auf der Spur

Die beiden Kuratoren Annabel Weichel und Benedikt Müller vor dem Gemälde von Franz Stein. Foto: CS

Kunstausstellung im Spa & Resort Bachmair Weissach

Seit einigen Wochen hängen in der Gallery KOKO im Spa & Resort Bachmair Weissach neue Werke an den Wänden. Unter dem Titel „Artificial? Spuren des Gegenwärtigen“ zeigen aufstrebende akademische Künstler, wie Kunst Wahrnehmung und Wirklichkeit formt.

Erst im letzten Jahr eröffnete Hotelier Korbinian Kohler seine Gallery KOKO in den Räumen seines Spa & Resort Bachmair Weissach. „Wir wollen Kunst in den Alltag holen, damit man ihr in verschiedenen Momenten des Tages begegnet und eine persönlichere Beziehung zu ihr entwickelt“, sagt er über seine Intention. Gäste und Besucher können dabei ganz ungezwungen auf dem Weg zum Pool, zum Mittagessen oder bei einem Spaziergang durchs Haus mit Kunst in Kontakt kommen. Ein spannender Ansatz.

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Die neue Schau, die am 6. März feierlich eröffnet wurde, trägt den Titel „Artificial? Spuren des Gegenwärtigen“ und präsentiert die Arbeiten von insgesamt 16 Künstlerinnen und Künstlern, die größtenteils an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert haben. Es handelt sich dabei um aufstrebende Künstler der Jahrgänge 1977 bis 1985, aber auch älterer, etablierter Künstler wie etwa Gregor Hildebrandt, ein bekannter Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München. Er verarbeitet Tonträger wie Kassetten und Vinyl zu Bildern, Skulpturen und Installationen und ist mit einem Werk in der Ausstellung vertreten.

Kuratoren-Team der Gallery KOKO: Annabel Weichel und Benedikt Müller

Auch für diese Schau hat sich Korbinian Kohler wieder professionelle Hilfe geholt. Denn sie wurde von der Münchner Kunsthistorikerin Annabel Weichel kuratiert, die bei einer international renommierten Sammlung zeitgenössischer Kunst arbeitet, und vom Münchner Kulturmanager Benedikt Müller, Sales Director bei der Galerie König.

Gallery KOKO, Bachmair Weissach, Hedwig Eberle
Ein Werk von Hedwig Eberle, die mit Aquarellfarben und Tusche auf Papier malt. Foto: CS

„Die Ausstellung setzt sich mit einer einfachen, aber zentralen Frage auseinander: Wie bildet Kunst die Wirklichkeit ab?“, erklärt Annabel Weichel bei einer Führung. Man könne sich auf den Blick nicht verlassen, sagt sie. Genau auf dieses Spannungsfeld zwischen dem, was wir zu sehen glauben, und dem, was wir wirklich sehen, beziehe sich auch das Fragezeichen im Titel der Ausstellung. Denn alle acht Künstlerinnen und acht Künstler hätten unterschiedliche Herangehensweisen, wie sie Gegenwärtiges in ihrer Kunst ausdrücken.

Auf abstrakte Art und Weise tut dies etwa Franz Stein, ehemaliger Meisterschüler Gregor Hildebrandts, der 2018 bis 2025 bei ihm studiert hat. Der 37-Jährige gebürtige Bayreuther schichtet zahlreiche dünne Acrylfarbenglasuren auf Leinwand und überlagert sie mit Linien, Strichen, Punkten und Farbflächen aus Ölkreide, Kohle und Sprayfarbe. Seine Arbeiten wirken komponiert und intuitiv zugleich und vermitteln einen visuellen Rhythmus und Harmonie.

„Schafft Kunst eine neue Realität?“

Ähnliches nimmt man auch in den abstrakten Arbeiten von Hedwig Eberle wahr, die mit Aquarellfarben und Tusche auf Papier arbeitet und eine dichte und dynamische Komposition schafft – mit bunten Farben, aber auch Schwarzweiß. „Wenn man ihre Arbeiten mit wenigen Worten beschreiben müsste, könnte man sagen, es handelt sich um eine Entladung malerischer Energie“, sagt Annabel Weichel. Spannend: Die Künstlerin verwendet nicht ein einzelnes Papier für ihre Arbeit, sondern klebt einzelne Blätter zu einem Ganzen zusammen.

Gallery KOKO, Bachmair Weissach, Rosalie Werthefrongel
Das Werk „To Smoke and LIght“ von Rosalie Werthefrongel. Foto: CS

„Ist Kunst Abbild einer Realität oder schafft sie eine neue Realität?“, stellt Benedikt Müller bei der Führung zur Diskussion. Eine Antwort darauf gibt das Werk von Rosalie Werthefrongel. Die Malerin, die im Frühjahr ihr Diplom an der Akademie der Bildenden Künste in München gemacht hat, untersucht das Verhältnis zwischen Realität und Repräsentation. Ihre Arbeiten sind eine Mischung aus Stillleben, Bühnenbild und imaginären Landschaften. „Sie hat alles gestaged – eine Blumenvase auf einen Tisch gestellt, die Bilder mit dem Raketenstart davor platziert und abgemalt“, erzählt Benedikt Müller. Sie schaffe mit ihrer Kunst daher eine neue Realität. Bei einer Schau in der Galerie König seien ihre Werke innerhalb kürzester Zeit ausverkauft gewesen.

Mit Stillleben beschäftigt sich auch die in Lenggries lebende Künstlerin Gabriele Pöhlmann, die banale Dinge des Alltags großformatig auf Leinwand malt – wie Erdbeeren, eine zerdrückte Cola-Dose oder einen Drink, den sie „Painkiller“ nennt. „Indem ich diese Dinge vergrößere, entziehe ich ihnen ihre Selbstverständlichkeit“, sagt die Künstlerin. Durch das Monumentale werde das Vergängliche sichtbar. Alles falle dem Wandel und dem Verfall anheim, betont sie. Was bleibe, sei der Moment zwischen Genuss und Verfall.

Gallery KOKO im Bachmair Weissach: „Gegenwart funktioniert nicht ohne die Vergangenheit“

Die Spannung zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem spürt man auch in den Bildern der Münchner Künstlerin Maria Justus, die diese zeitlichen Verschiebungen in ihren Arbeiten erforscht. So nimmt sie etwa Motive von antiken Skulpturen und verfremdet sie, indem sie sie fragmentiert, übermalt oder faltet. „Wir fanden das interessant, denn sie verweist darauf, dass die Gegenwart nicht ohne die Vergangenheit funktioniert“, sagt Benedikt Müller über die Arbeiten der Künstlerin.

Gallery KOKO, Bachmair Weissach, Martin Wöhrl
Eine Arbeit des Bildhauers Martin Wöhrl mit Holz, Lack und Quarzsand. Foto: CS

Auf gegenständliche Art und Weise und mit kraftvollen Pinselstrichen drückt die Gmunder Künstlerin Suse Kohler Gegenwärtiges aus: Sie widmete der Primatenforscherin Jane Goodall, die 2025 im Alter von 91 Jahren verstarb, ein großformatiges Porträt. „Ihr Leben und Wirken haben mich tief beeindruckt“, sagt Suse Kohler. Die Künstlerin fertigte auch ein Porträt von David Greybeard an, dem Lieblingsschimpansen von Jane Goodall. Sie gewann sein Vertrauen, was es ihr überhaupt erst ermöglichte, das komplexe, intelligente aber auch oft brutale Sozialverhalten der Primaten aus nächster Nähe zu beobachten.

Die Ausstellung widmet sich nicht nur der Malerei, sondern zeigt Künstler, die mit ganz unterschiedlichen Medien arbeiten: wie etwa die Glaskunst der deutsch-italienischen Designerin Lavina Berton, die fotografischen Arbeiten von Doreh Schütz, die mit Nahaufnahmen von Realem eine neue Realität schafft – bis hin zu den Werken des Bildhauers Martin Wöhrl, der unter anderem aus Gips, Metall, Holz und anderen Materialien die Wahrnehmung des Betrachters mit seiner klaren Formsprache schärft.

Weitere Künstler in der Schau: Jan Davidoff, Christian Muscheid, Florian Nöthe, Joan Saló und Philipp Stähle.

Die Ausstellung ist noch bis Mitte Juli zu sehen. Externe Besucher können die Schau nach vorheriger Anmeldung an der Hotelrezeption während der Gallery-Öffnungszeiten von 10 bis 18 Uhr besuchen. Am 18. April um 17 Uhr findet ein Curator’s Dinner statt (139 Euro inkl. Menü und Getränke) und am 10. Mai ein Curator’s Breakfast für 68 Euro. Buchung und mehr Info unter gallery-koko.com.

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