
Wort und Kunst
literatur fetzen, Hefte 1 und 2. Foto: MZ
Neuerscheinung
Es ist ein mutiges und gleichzeitig wichtiges und spannendes Unterfangen: Die Gründung einer Literaturzeitschrift. In den literatur fetzen findet eine Symbiose von Wort und Kunst statt. Layouter Jürgen Fiege erzählt, wie dieses neue Experiment gelingt.
Soeben ist die zweite Ausgabe der literatur fetzen erschienen. Widmete sich die erste Ausgabe „… um der Liebe willen…“ Thomas Mann, befasst sich die zweite Ausgabe mit der Sprache unter dem Titel „Unsere Sprache ist eine stetig wachsende Stadt – Vom Lesen und Gelesen werden“.
Die zweimonatig erscheinende Zeitschrift hat jeweils ein Schwerpunktthema, das das Redaktionsteam um Chefredakteur Peter Reuter festlegt. Er ist auch der Kontaktmann zum Verlag Kulturmaschinen, dessen Team er angehört. Es sei ein Glücksumstand, dass der erfolgreiche Autorenverlag die literatur fetzen unter seine Fittiche genommen hat, sagt Jürgen Fiege.
Der Sauerlacher Grafikdesigner, Kalligraf und Illustrator arbeitet schon länger mit dem Pfälzer Autor Peter Reuter zusammen. Sie gaben beispielsweise das Buch „am Fluss… aus dem Leben gegriffen“ zusammen heraus, in dem bereits Pinsel und Feder zu einer Einheit verschmelzen.
Lesetipp: Wenn Pinsel und Feder am Fluss sitzen
Im „Quarantäne Blues“ begegnen sie miteinander der Zeit der Pandemie. Und in „Lebenslänglich“ setzen sie ihre kongeniale Zusammenarbeit fort.
Mit den literatur fetzen haben sie ihre Idee, Lyrik, Prosa, Kunst und Grafik zu verschmelzen, dauerhaft umgesetzt. Das Magazin bietet etablierten Poetinnen, Literaten und Künstlern ebenso Raum wie talentierten Newcomern. „Wir beide waren die Initiatoren und haben das Redaktionsteam zusammengestellt“, erklärt Jürgen Fiege.

Heft 1, S. 25 . Foto: Orlando El Mondry
Dabei stammt die Hälfte der Beiträge aus dem eigenen Redaktionsteam, die andere Hälfte werde vergeben, erklärt Jürgen Fiege. Die eigenen Autoren können jeweils Gastautorinnen einladen. So wolle man verhindern, dass bei zu vielen Bewerbungen ein Chaos entstehe. Das Redaktionsteam ist über ganz Deutschland verstreut, so dass das neue Magazin überregionale Bedeutung erhält.
Das Ganze funktioniere auf dem Ehrenamt, betont der Sauerlacher, Honorare werden nicht gezahlt und der Verlag geht nicht in Vorleistung. Gedruckt werde für Abonnenten und auf Bestellung. „So entsteht für den Verlag Kulturmaschinen kein Risiko.“

Heft 1, S. 21: Michael Blümel, Jon Fosse: Ankunft.
Jürgen Fiege ist zuständig für das Layout und den Titel, sowie für Illustrationen. „Das Heft ist ein Gesamtkunstwerk“, betont er. Wenn er das Gefühl habe, dass noch etwas fehle, dann steuere er selbst noch Illustrationen bei oder besorge sich etwas von Künstlern. So sei er auch in der Redaktion für die Kunst zuständig, wobei die einzelnen Autoren Künstler vorschlagen, die sie zu ihren Texten wünschen.
Das erste Heft enthält eine Mischung aus Essay, Poesie, Haiku verbunden mit Kunst von Michael Blümel und Fotografie von Orlando El Mondry und Florian C.A. Czech. Wie Peter Reuter im Editorial schreibt, geht es um Thomas Mann und seine Auseinandersetzung mit der Liebe, insbesondere seiner homoerotischen Neigung, die er zeit seines Lebens verbergen wollte, sein Status sei ihm wichtiger gewesen. Und so werde die Liebe im Werk von Thomas Mann oft als Quelle von Leidenschaft, aber auch von Konflikten und Zerstörung dargestellt.
Heft 2, S: 21. Foto: Orlando El Mondry
„unsere Sprache ist eine stetig wachsende Stadt … “ Vom Lesen und Gelesen werden, ist der Titel der zweiten Ausgabe, in der verschiedene Autorinnen, Dichter und Künstlerinnen das Thema Sprache auf ihre Wiese interpretieren.
Peter Reuter geht es um den Ursprung der Sprache, er sieht die Sprache als Transportmittel für Liebe und Frieden und er hofft in seinem inspirierenden Vorwort, dass die Menschheit mittels der Sprache Missverständnisse aus der Welt schaffen könne.
Auch dieses Heft ist eine Mixtur aus Kurzprosa und Essay, aus Lyrik und Bildern, aus Fotos und Neuigkeiten zur Kultur. Es kommt auch Herausgeber Sven J. Olsson zu Wort, der schreibt, dass Sprache Verständigung und Verstehen ist.

Heft 2, S. 57: Walli Popp: take away my heart.
Die Illustrationen stammen von der Collagekünstlerin Walli Popp und von Boris Kerenski.
Am Ende der Zeitschrift sind jeweils Buchrezensionen zu lesen und News aus der Welt der Literatur zu finden. So wurde der Verlag Kulturmaschinen jetzt mit dem Bayerischen Verlagspreis ausgezeichnet.

Bayerischer Verlagspreis
Das neue Magazin literatur fetzen ist für jeden ein Gewinn, der sich tiefgründig mit wichtigen Themen unserer Zeit und deren Umsetzung in Wort und Kunst befasst. In sehr vielfältiger Wortkunst und dazu passenden Illustrationen wird Sprache zu einem Mittel der Verbundenheit, sie spricht ebenso wie die Kunst nicht nur Verstand, sondern vielmehr Gefühl an und kann somit Menschen berühren.
Das dritte Heft wird am 1. Februar erscheinen, es trägt den Titel „Dagegen“. Dieses Thema, so sagt Jürgen Fiege, sei durch die gegenwärtige Atmosphäre beeinflusst. „Es ist Mode geworden, dagegen zu sein.“
Angekündigt wird das Heft so: „Dagegen haben und dagegenhalten, auch dagegensprechen und dagegensetzen, all dies ist uns gut bekannt. Aber wir können uns auch dagegenstellen, dagegenstimmen, gar dagegenstemmen. Dafür sein und dafürstehen kann ebenfalls unser Zeichen sein, dass wir dagegen sind. Dagegen ist manchmal mehr als unsere Pflicht, fordert unser Dagegenstemmen ein. Es betrifft uns alle, Sie, Dich und mich.“